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«Ich bete um Veränderung»

Oktober 9, 2019

Zu Kirche und Welt 10/2019, S. 6, «Ihre Meinung»

Der Beitrag von Max Stahel an die Adresse von Claudia Haslebacher hat mich sehr überrascht und die «Tonlage» traurig gemacht. Wobei ich davon ausgehe, dass der Artikel von Frau Haslebacher völlig falsch verstanden wurde. Wenn die Frage, welche Zukunft ich für die EMK (ich liebe meine Kirche!) im Herzen trage, nicht mehr gestellt werden darf, dann können wir die Uhr einfach um Jahrhunderte zurückstellen. Verkündigung und Kirchenverständnis muss die Menschen von heute erreichen, da hilft die Erinnerung an die kleine Versammlung in London wohl nicht viel. Ich sehe auch keine Anzeichen für eine Verbrüderung mit der NAK. Frau Haslebacher braucht auch keine Nachhilfe in Sektenkunde, und sie hatte auch das Fach EMK-Kirchengeschichte im Studium. Was sie bewundert und wohl uns EMKlern wünscht, ist die Bereitschaft, offen zu bleiben und uns auch von Gottes Geist leiten zu lassen, um neue Wege zu suchen und zu gehen, um die Welt zu verändern. Unsere Umwelt stellt uns heute vor ganz andere Probleme als zu John Wesleys Zeiten, und da müssen wir den Menschen eine Antwort geben. Dass gewollte Veränderung nie von Gutem sei, sie bringe Verunsicherung und Zweifel an deren Sinn – an dieser Behauptung von Max Stahel habe ich meine ganz grossen Zweifel. Dann wäre auch die gewollte Veränderung, sprich Vereinigung von MK und EG nichts Gutes gewesen – um nur ein Beispiel zu nennen. Ich bete um Veränderung, damit verkrustetes Denken und starres Festhalten nicht das Wirken des Geistes Gottes blockiert. Wir müssen uns auch nicht mit den 40 Millionen Methodisten weltweit «brüsten», sondern zur Kenntnis nehmen, dass wir z.B. in der Schweiz jährlich Mitglieder verlieren. Fazit: Ich freute mich sehr über den Inhalt des Berichtes von Claudia Haslebacher und über die Tatsache, dass eine «Sekte» über die Bücher geht, neue Wege und das gemeinsame mit anderen Kirchen sucht. Warum suchen wir Christen immer zuerst das Trennende? Ich möchte in diesem Zusammenhang auch John Wesley bemühen. Er sagte: «Wir denken und lassen denken und bestehen nur auf einem: Dem Glauben, der durch die Liebe tätig ist!» Dieses Zitat ist für mich so befreiend. Ich könnte in diesem Zusammenhang auch das neueste Buch von Robert Seitz «Engel der Fragenden» empfehlen.

Auf der gleichen Seite von K+W Nr.10 fragt Urs Bangerter (ich bin mit seinen Gedanken absolut kongruent) nach dem «weiterführenden prophetischen Wort» im Blick auf die zum Thema Nummer Eins mutierende Homosexualität. Robert Seitz schreibt in seinem Buch kurz und bündig: «Homosexualität ist Schöpfung. Sie hat nichts mit Sünde zu tun. – Die Kirchen werden sich einmal entschuldigen müssen, weil sie gleichgeschlechtlich Liebende nicht geliebt haben.» Ein prophetisches Wort? Hoffentlich!

Siegfried P. Stich

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