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Ein Silberstreif der Hoffnung in den aktuellen innerkirchlichen Auseinandersetzungen

Oktober 24, 2019

Nach der Entscheidung der Generalkonferenz, dem höchsten legislative Gremium der weltweiten United Methodist Church im Februar, wurde im Bischofsgebiet von Bischof Patrick Streiff eine Studiengruppe eingesetzt, die für die Methodist/innen in Mittel- und Südeuropa nach Wegen suchen soll, wie mit dieser Entscheidung umzugehen ist. Nun hat die Studiengruppe überraschend deutlich den Willen bekräftigt, das Verbindende zu stärken – und gelangt mit einem entsprechenden Arbeitspapier an die Kirchenvorstände in den einzelnen Ländern.

Bei ihrem Online-Meeting Ende Juni hatte die Studiengruppe aus dem Bischofsgebiet von Bischof Patrick Streiff (Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa) beschlossen, dass sie bei ihrem Treffen in Wien Ende August den Stier bei den Hörnern packen und die Grundsatzfrage angehen wolle, inwiefern die Gruppenmitglieder bereit sind, weiter Zeit und Kraft in die Suche nach einem gemeinsamen Weg zu investieren. Nach dem Treffen Ende August war dann in der Gruppe der starke Wunsch spürbar, als Zentralkonferenz zusammenzubleiben. Die Kirchenverantwortlichen in den 16 Ländern des Bischofsgebiets (Kirchenvorstände der Länder) sollten über den Prozess informiert werden. Dazu musste ein Arbeitspapier ausgearbeitet werden, das nun Ende September von den Mitgliedern der Studiengruppe fertig gestellt werden konnte. Es soll in den nächsten Wochen den Kirchenvorständen vorgelegt werden.

«Für mich ist die Bereitschaft, das Gemeinsame zu suchen und zu stärken, ein Silberstreifen der Hoffnung am Horizont», sagte Bischof Streiff nach dem Treffen von Ende August. «An diesem Treffen wurden Brücken sichtbar, über die wir vielleicht in eine gemeinsame Zukunft gehen können.»

Intensive Gespräche über Vorurteile

Die Brücken wurden in Wien in einem Prozess erkennbar, in dessen Verlauf die Mitglieder der Studiengruppe sich offen und fair auch mit der eigenen Sicht auf die anderen auseinandersetzten. In einem der Prozessschritte arbeiteten die Mitglieder in zwei getrennten Gruppen, die entsprechend den Überzeugungen der Teilnehmenden gebildet wurden. Der Arbeitsauftrag lautete, in vier Fragenkreisen die je andere Überzeugung so fair wie möglich zu beschreiben: Wie verstehen die anderen die Bibel? Wie sehen sie den Zusammenhang zwischen Glauben und Leben, Lehre und Handeln? Welche Haltung vertreten sie im Spannungsfeld von Einheit und Verschiedenheit? Wie beurteilen sie die Fragen von Homosexualität und Ehe? – Anschliessend wurden die Ergebnisse präsentiert und die je andere Gruppe konnte darauf reagieren. Der daraus erwachsende, intensive Austausch führte zur Einsicht, dass die «Fronten» nicht so eindeutig verlaufen, das eigene Bild vom «anderen» korrigiert werden muss – und zahlreiche Brücken und gemeinsame Grundlagen bestehen. «Wir brauchen mehr solcher Gespräche», waren sich die Gruppenmitglieder einig.

Ausblicke in die Zukunft

In anderen Arbeitsschritten setzten sich die Mitglieder der Studiengruppe mit Vor-und Nachteilen auseinander, wenn man entweder zusammenbleibt oder sich trennt. Sie entwarfen auch denkbare Szenarien für die zukünftige Gestaltung der Arbeit im Bischofsgebiet bzw. in Europa – unabhängig von deren Realisierbarkeit.

Kirchenvorstände sollen Stellung nehmen

Zunächst aber – darin waren sich die Mitglieder der Studiengruppe einig – sollen die Kirchenvorstände dazu Stellung nehmen, ob sie bereit sind, sich für einen weiteren gemeinsamen Weg zu engagieren. Das Arbeitspapier, das den Kirchenvorständen zugeleitet wird, geht dabei von der jetzt bestehenden Kirchenordnung in der Zentralkonferenz aus. Die Kirchenvorstände sollen Stellung nehmen, ob sie den Willen unterstützen, prioritär eine gemeinsame Lösung im Rahmen der bestehenden Zentralkonferenz zu suchen, auch wenn dies zu einem längeren Prozess führen sollte. Die Antworten sollen bis spätestens Ende Januar 2020 eintreffen.

Weitere Treffen geplant

In der Zwischenzeit wird die Studiengruppe im November ein Online-Meeting durchführen, um über Prozesse und Pläne im europäischen und weltweiten Horizont informiert zu bleiben. In einem weiteren, zweitägigen Treffen im Februar 2020 wird sie die Rückmeldungen aus den Kirchenvorständen sichten und ihren Bericht an die Tagung des Exekutivkomitees der Zentralkonferenz von Anfang März 2020 verfassen.

Bischof Patrick Streiff
Beitragsbild: Marcus Dall Col, unsplash.com

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