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«Food Festival» statt «Food Waste» am WEF

28. Dezember 2019

Jahr für Jahr landen beim «WEF» in Davos viele Lebensmittel im Abfall. Der Davoser Hotelier Cyrill Ackermann und der methodistische Pfarrer Stefan Pfister hatten eine Idee, wie das vermieden werden kann. Ihr Projekt findet breite Unterstützung.

Am Treffen des «World Economic Forum» (WEF) in Davos werden die Gäste bei festlichen Essen und Buffets mit feinen Esswaren verköstigt. Die für die Gäste bereitgestellten Lebensmittel werden allermeist in grösseren Mengen vorgehalten, als dann tatsächich wirklich konsumiert wird. Sehr viel von diesem Überfluss landet schlussendlich als Abfall in der Biogasanlage.

Pfarrer und Hotelier spannen zusammen

Als Hotelier kann Cyrill Ackermann das verstehen: «Organisatoren von Anlässen wollen auf der sicheren Seite sein und bestellen für weit mehr Gäste, als dann erscheinen», sagt der Hotelier, der das Hotel Grischa leitet, gegenüber der Davoser Zeitung. Dass grosse Mengen Lebensmittel deshalb weggeworfen werden, ist ihm dennoch ein Dorn im Auge. Zusammen mit Stefan Pfister, Pfarrer der Methodistenkirche in Davos, hat er ein Konzept entwickelt, wie das zu verhindern wäre.

Das Konzept der beiden sieht vor, dass jeweils am Mittag und am Abend im Langlaufzentrum in Davos ein Buffet angeboten wird. Freiwillige Helfer/innen werden auf Sammeltouren am Morgen und am Nachmittag die Speisen abholen. Das Personal im Langlaufzentrum wird die Speisen herrichten. Davoser/innen können die Speisen dort konsumieren. Die Speisen werden gegen einen freiwilligen Spendenbeitrag abgegeben. Mit dem gesammelten Geld soll im Sommer ein Anlass für Kinder organisiert werden.

Zahlreiche Unterstützer

Die Idee fand ein positives Echo: Die Verantwortlichen des WEF, die politische Gemeinde, verschiedene Unternehmen und Gastrobetriebe unterstützen die Aktion und stellen unentgeltlich Arbeitskräfte oder Hilfsmittel zur Verfügung. Die Idee, ein «Food Festival» für die Davoser/innen zu veranstalten mit den Lebensmitteln, die ansonsten beim WEF im Abfallkübel landen, beschäftigte Methodistenpfarrer Stefan Pfister schon mehrere Jahre. Zum Greifen nahe schien die Umsetzung dann im Sommer: Im Rahmen eines anderen Projekts, das verhindern hilft, dass Lebensmittel weggworfen werden, war es zu einem ersten Kontakt mit Verantwortlichen des WEF gekommen. Danach aber schlief der Kontakt wieder ein. «Ich war mir sicher, dass eine Umsetzung für das WEF 2020 keinesfalls denkbar sein würde», sagt Pfister. Als er im Spätherbst zusammen mit Cyrill Ackermann das Konzept ausarbeitet hatte, ging jedoch plötzlich alles sehr schnell: Innerhalb von weniger als einer Woche sagten die Verantwortlichen der politischen Gemeinde und des WEF  zu. Seither hat das Projekt zahlreiche weitere Unterstützer gefunden. «Dass das alles so möglich geworden ist, das ist für mich ein Wunder», sagt Pfister. Nun bleibt abzuwarten, wie die Davoser Bevölkerung die Aktion aufnehmen wird. Sollte auch dort das Echo positiv sein, könnte sie 2021 wiederholt werden.

S.F. / Quellen: Stefan Pfister / Davoser Zeitung vom 10. Dezember 2019
Beitragsbild: Jakob Polacsek, piqsel.com, CC0 public domain

 

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