Bezirk
Briefumschlag

Sind wir Kirche oder sind wir Partei?

16. Februar 2020

Zu den Infotagen der Spurgruppe der Jährlichen Konferenz

Was ist der Unterschied zwischen einer Kirche und einer Partei? Diese Frage beschäftigte mich am 11.Januar 2020. Wir wurden aufgefordert über die Zukunft der EMK zu diskutieren und unsere Meinung über vier Szenarien kundzutun, welche uns vorgestellt wurden. Fein säuberlich wurden die vier Zukunftsszenarien auf Poster vorbereitet und in Gruppen durften wir unsere Meinung dazu abgeben. Wo sahen wir Chancen und wo sahen wir Risiken, welches Szenarium könnte mehrheitsfähig sein. Man sah die Arbeitsgruppe hatte sich grösste Mühe gegeben und sich vorbildlich vorbereitet.

Wie verhält sich eine Partei? An einem Parteitag werden feinsäuberlich aktuelle Themen vorbereitet, die Themen fachkundig erklärt und die Menge hat die Möglichkeit sich eine eigene Meinung zu bilden und auf demokratische Weise wird ein Mehrheitsbeschluss gefasst. So entsteht das Profil, welches sich eine Partei für die nächste Legislaturperiode geben will.

Was sind die Kennzeichen einer Kirche? Wenn ich die beiden oben beschriebenen Szenarien vergleiche sehe ich keinen Unterschied. Ist das richtig? Ist es richtig, wenn sich eine Kirche wie eine Partei verhält? Was unterscheidet eine Kirche von einer Partei?

In einer Partei ist der oberste Chef der Parteipräsident. Wer ist in der Kirche der oberste Chef? Die Bibel sagt uns, dass Jesus Christus das Haupt der Gemeinde ist und wir sind die Glieder. Auch sagt die Bibel, dass Jesus der Bräutigam ist und wir, die Gemeinde sind seine Braut. Also ist Jesus Christus der oberste Chef unserer Kirche. Wo bekam der Chef der Kirche an der Tagung seine Chance seine Meinung kund zu tun? Ich habe am 11. Januar 2020 eine Tagung erlebt in der zwar brav am Anfang und am Ende kurz gebetet wurde, aber dazwischen wurden lediglich menschliche Meinungen ausgetauscht. Ist das richtig?

Für diese Tagung hätte ich mir gewünscht, dass wir aufgerufen worden wären zu gemeinsamen Gebet und Bibelstudium, vielleicht sogar eine Stufe höher und mutig kombiniert mit Fasten und Bussgebeten. Dürfen wir die Zukunft unserer Kirche über die Mehrheitsbildung von menschlichen Meinungen gestalten, oder sollten wir bussfertig gemeinsam auf die Knie gehen und den Herrn der Gemeinde fragen, was er will?

Die Bibel sagt studiert das Wort des Herrn Tag und Nacht, betet Tag und Nacht, damit ihr nicht in mancherlei Anfechtungen verfallt und in die Irre geführt werdet. Ist heute das Bibelstudium Privatsache und in gemeinsamen Tagungen, Sitzungen und Gremien nicht erwünscht? Die Bibel redet viel von Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes. Dieser Gehorsam wird nicht nur von einzelnen Gläubigen gefordert, sondern auch und vor allem von den kirchlichen Institutionen und ihren Gremien.

Wenn eine Kirche nicht mehr als oberstes Gebot, dass Studium der Bibel hat um den Willen Gottes zu erkunden, dann hat sie ihre Existenzberechtigung als Kirche verloren. Wenn eine Kirche sich nicht mehr dem Willen Gottes verpflichtet fühlt, sondern menschliche Meinungen und Empfindungen als höher wertet, dann hat sie aufgehört Kirche zu sein und ist zu einer Partei ohne Namen geworden.

Jetzt ist noch Gnadenzeit, wir haben noch die Chance als Kirche umzukehren, Busse zu tun über unsere Überheblichkeit, unsere menschlichen Meinungen und Empfindungen über Gottes Willen zu stellen. Sind wir bereit diese Chance zu nutzen? Oder geben wir das „Kirche sein“ auf und werden zur weltlich orientierten Partei? Gott ist in seinem Wort klar und konsequent, wir täten gut daran es auch zu sein.

Petra Zubler, EMK Affoltern am Albis