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Michal Tagaj näht Schutzmasken

Auch in der Krise für Personen am Rand der Gesellschaft da sein

27. April 2020

Das Coronavirus hat immer noch grossen Einfluss auf das öffentliche und gesellschaftliche Leben in Europa. Die Methodist/innen in Mittel- und Südeuropa stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Zugleich versuchen sie kreativ und in grosser Treue mehr zu tun, als nur auf bessere Tage zu warten. Sie setzen sich auch weiterhin ein für Personen, die am Rand der Gesellschaft stehen.

In der letzten Aprilwoche 2020 gibt es Anzeichen der Hoffnung, dass der Höhepunkt der Corona-Krise in Europa – oder zumindest in Teilen davon – überschritten sein könnte. Da die Zahl der Neuinfektionen zurückgeht, haben mehrere Länder einige vorsichtige Schritte in Richtung Normalität angekündigt. Es scheint jedoch, dass sich die Situation für die Kirchen und ihre Arbeitsgebiete nicht so schnell ändern wird. Connexio, das Hilfswerk der Methodist/innen in der Schweiz, hat eine Sondersammlung lanciert, um die Arbeit in den Partnerkirchen zu unterstützen.

Mittagessen für Randständige

Es gibt viele ermutigende Berichte darüber, wie die Methodist/innen in den verschiedenen Ländern Mittel- und Südeuropas auf die aktuelle Krise reagieren. Ein «Take-Away« in Zürich etwa führt die soziale Arbeit der Methodist/innen und anderer christlicher Hilfswerke im Kreis 4 fort: Randständige erhalten jeden Tag eine Mahlzeit und können in Kontakt mit anderen kommen. In Österreich beschloss die Leitung der Methodistenkirche, vorerst weiterhin wöchentlich Liturgien und Materialien für gottesdienstliche Feiern zuhause zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich wird ein wöchentlicher Online-Gottesdienst für alle methodistischen Gemeinden in Österreich angeboten.

Gesichtsmasken für Risikogruppen

In der Slowakei hatte die Regierung vor sechs Wochen öffentliche Gottesdienste verboten. Die Gottesdienste finden nun online statt. Gedruckte Predigten und andere Materialien werden an Personen verteilt, die keinen Zugang zum Internet haben. Da das Tragen von Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit obligatorisch ist, haben mehrere Personen damit begonnen, solche Masken anzufertigen und sie an Menschen aus Risikogruppen, etwa ältere oder obdachlose Personen, zu verteilen. So hat der 82-jährige Michal Tagaj bereits mehr als 80 Masken mit seiner Nähmaschine genäht, damit sie an diejenigen verteilt werden können, die sie benötigen.

Mieten erlassen

In Bulgarien setzen die Methodist/innen elektronische Mittel ein, um die Menschen zu erreichen, die mit den aussergewöhnlichen Umständen dieser Zeit zu kämpfen haben. Obwohl die Methodistenkirche in Bulgarien aufgrund der aktuellen Situation selber vor finanziellen Herausforderungen steht, wurde zudem beschlossen, den langjährigen Mietern, die derzeit Schwierigkeiten haben, ihre Geschäfte zu führen, die Miete für einen Monat zu erlassen.
Die Gefangenen-Arbeit, die eine der wichtigsten diakonischen Tätigkeiten der Methodist/innen an mehreren Orten in Bulgarien ist, unterliegt derzeit starken Einschränkungen. Superintendent Daniel Topalski rechnet jedoch damit, dass diese Arbeit bald wieder vollständig aufgenommen werden kann.

Ältere kämpfen ums Überleben

Einige Bevölkerungsgruppen in den Ländern Ost- und Südeuropas sind jedoch mit enormen Problemen konfrontiert. So sind zum Beispiel viele ältere Menschen in grosser Not, weil ihre Kinder und Enkelkinder in andere Länder abgewandert sind. Nun müssen sie ums Überleben kämpfen. Von den staatlichen Einrichtungen erhalten sie dafür kaum Unterstützung.

Diskriminierung verschärft sich

Auch die Roma, die oft am Rande der Gesellschaft leben, sind in diesen Tagen noch stärker herausgefordert als sonst schon. Aufgrund ihrer schlechten Lebensbedingungen (sehr enge Platzverhältnisse für überdurchschnittlich kinderreiche Familien) sind sie besonders gefährdet. Anstatt Hilfe zu erhalten, werden sie oft diskriminiert oder erfahren sogar unverblümten Rassismus und Hass. Hinzu kommt, dass viele Roma kein Einkommen haben, da sie weder Plastikflaschen oder Altmetall sammeln noch Strassenhandel betreiben dürfen. Die Kinder sind von der Schliessung der Schulen besonders betroffen, da sie aufgrund fehlender technischer Ausstattung nicht an Online-Unterrichtsstunden teilnehmen können. Die Methodist/innen versuchen in mehreren Ländern den Roma zu helfen. Sie bringen etwa jenen Roma Lebensmittel, die ihre Dörfer nicht verlassen dürfen, obwohl sie in diesen Dörfern keine Geschäfte haben, in denen sie kaufen könnten, was sie zum Überleben benötigen.

Viele Methodist/innen in Mittel- und Südeuropa sehnen sich nach besseren Tagen. Doch bis diese neuen Tage anbrechen, warten sie nicht einfach ab, sondern sind sie aktiv und in grosser Treue den Menschen in ihrer Nachbarschaft nahe. Auf diese Weise geben sie auch die Osterbotschaft weiter, dass das Leben das letzte Wort hat.

Urs Schweizer / S.F.
Beitragsbild: zVg

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