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Leere Strassen in Albanien

Weiterhin erschwerte Bedingungen für kirchliche Arbeit in Südosteuropa

Mai 14, 2020

In zahlreichen Ländern Südosteuropas sind nach Wochen des Lockdown Teilöffnungen beschlossen und umgesetzt worden. Auch wenn es Silberstreifen am Horizont gibt – die Realität sieht für viele Leute immer noch sehr schwierig aus.

Auch in Nord-Mazedonien, Albanien, Rumänien und Serbien wurde das öffentliche und kirchliche Leben infolge der Corona-Pandemie weitgehend lahmgelegt. Anders als in der Schweiz gibt es in diesen Ländern oft kaum tragfähige soziale Netze. Eine zusätzliche Herausforderung für die Methodist/innen dort war darum, auch die sozialen Kontakte und die diakonische Arbeit weiterzuführen. Nun beginnen in diesen Ländern ebenfalls Lockerungsschritte. Der Alltag bleibt jedoch weiter durch starke Einschränkungen und grosse Ungewissheit geprägt.

Diakonische Projekte laufen weiter

Martin Konev, Projektleiter des «Miss Stone»-Zentrums in Strumica (Nord-Mazedonien) berichtete Ende April mit Dankbarkeit darüber, dass es unter den rund 200 Personen, die im Rahmen des Programms «Essen auf Rädern», des Hauspflegedienstes und des Programms «Warme Mahlzeit für Radovish» regelmässige Hilfe erhielten, bisher zu keinen Infektionen durch das Corona-Virus gekommen sei. Auch die Angestellten hätten sich bisher wirksam schützen können. Umfassende Sicherheitsvorkehrungen sollten dafür sorgen, dass dies auch so bleibe.

Die Kosten sind gestiegen

Auch die Engpässe im Blick auf die Lebensmittel hätten überwunden werden können. Die Märkte und Läden seien wieder geöffnet. Fast alle Nahrungsmittel seien wieder erhältlich, auch wenn sie derzeit teurer seien als vor der Krise. Die weiterhin geltenden Einschränkungen der Bewegungsfreiheit seien kein unüberwindbares Hindernis: Das «Miss Stone»-Zentrum kann seinen Angestellten eine Sondergenehmigung ausstellen, um zur Arbeitsstelle und wieder nach Hause fahren und sich bei der Arbeit ungestört bewegen zu können.

Schwierig und mit unvorhergesehenen Kosten verbunden sei allerdings ein Austausch der Warmhalte-Behälter gegen Einmalgeschirr, um den Hygiene-Vorschriften entsprechen zu können. Das Miss Stone-Zentrum habe so ziemlich alles, was in den Lagern in Nord-Mazedonien vorrätig war, aufgekauft, um weiterhin handlungsfähig zu bleiben und Bedürftigen helfen zu können.

Kirchliche Kleingruppen treffen sich wieder

Im westlichen Nachbarland Albanien gibt es regionale Unterschiede im Blick auf die Bewegungsfreiheit. Tirana und Durrës mit der höchsten Infektionsrate des Landes gelten als «rote» Gebiete. Elbasan, Pogradec und Librazhd sind als «grüne» Gebiete eingestuft worden. Dies bedeutet, dass sich in letzteren Orten auch wieder kleine Gruppen der methodistsichen Gemeinden treffen dürfen. Pastor Mustafa Isufi lädt deshalb mehrmals pro Woche drei oder vier Familien in die Kirche in Pogradec ein, um gemeinsam in der Bibel zu lesen, zu beten – und einen Kaffee zu geniessen. Zeichen einer vorsichtigen Öffnung sind auch Lockerungen der Ausgehverbote. Reisen und Spazierengehen ist in den «grünen» Gegenden erlaubt. In den «roten» Gebieten ist Autofahren allerdings nach wie vor untersagt. Ausgang gibt es dort nur mit einer speziellen Erlaubnis.

Die Verantwortlichen der Gemeinden engagieren sich stark und auf kreative Weise, um den Zusammenhalt in dieser schwierigen Zeit zu stärken und um das Evangelium weiterzugeben. Viele Menschen, die sich eben erst von den Folgen der Erdbeben im November 2019 erholt hatten, haben nun als Folge der Corona-Krise ihre Arbeit und ihr Einkommen verloren. Einen Sozialplan gibt es für sie nicht. Die Verantwortlichen der methodistischen Gemeinden geben Lebensmittelpakete ab und setzen so  Zeichen der Hoffnung und der Liebe.

Soziale Not lindern in Rumänien

In Rumänien sind Verantwortliche der Gemeinde in Cluj durch eine diakonische Organisation im Kontakt mit Kindern eines Waisenheims. Für fünf junge Frauen, die zu alt sind für das Heim, in dem sie aufgewachsen waren, haben sie nun eine Wohnung gemietet, damit sie in dieser schwierigen Zeit eine Bleibe haben. Auch drei junge alleinerziehende Mütter werden unterstützt. Sie sind ebenfalls zu alt für ihr früheres Heim. Sie erhalten weder Unterstützung von den Kindesvätern, noch finden sie in der aktuellen Situation eine Arbeitsstelle, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Schliesslich haben rund 30 Roma-Familien in Dörfern rund um Cluj-Napoca Lebensmittel- und Hygiene-Pakete erhalten – eine Hilfsaktion, die auch in den kommenden Wochen weitergehen soll.

Sehnsucht nach Gemeinschaft ist gross

Auch in Serbien werden elektronische Medien genutzt, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, an Gottesdiensten teilzunehmen. Es kam zu starken postalischen Einschränkungen. Das Telefon wurde daher ein umso wichtigeres Werkzeug der gegenseitigen Ermutigung und der Vernetzung. Immer wieder zeigte sich im Kontakt mit den Menschen im Umfeld der Kirchgemeinden, wie sehr diese in der sehr schwierigen Situation die gemeinsamen Gottesdienste oder auch das gemeinsame Singen vermissen. Die Sehnsucht ist gross, sich wieder versammeln zu dürfen – notfalls auch im Garten, wo grössere Abstände eingehalten werden können. Die sehr streng ausgestaltete Ausgangssperre (12 Stunden an den Werktagen, 24 Stunden an den Wochenenden) ist nun zwar etwas gelockert worden. Noch ist aber unklar, wann und unter welchen Umständen wieder Gottesdienste gefeiert werden können. Unklar bleibt auch, ob der Kindergarten KORAB in Pivnice vor Ende des aktuellen Schuljahres nochmals geöffnet werden kann.

Egal ob in Nord-Mazedonien, Albanien, Rumänien oder Serbien: Die Verantwortlichen der EMK stellen immer wieder unter Beweis, dass Liebe keine Frage der Grösse ist. Und weil sie dies tun, können Menschen aufatmen und Hoffnung schöpfen für ihren je eigenen Weg in eine Zukunft, die trotz Entspannungszeichen noch im Ungewissen liegt.

Urs Schweizer, Assistent des Bischofs Patrick Streiff
Beitragsbild: zVg

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