Bezirk
de

Methodistischer Bischofsrat: «Die ungeheuerliche Sünde beim Namen nennen»

9. Juni 2020

Mehrere unbewaffnete Afroamerikaner/innen sind in den letzten Wochen in den USA durch Polizeigewalt ums Leben gekommen. Der Tod von George Floyd hat in den USA und weltweit Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt nach sich gezogen. Die Bischöf/innen der weltweiten United Methodist Church rufen die Methodist/innen auf, sich mit «Stimmen, Texten, Füssen und Herzen» für die Überwindung des Rassismus einzusetzen.

In einer Erklärung, die von Bischof Cynthia Fierro Harvey, die Vorsitzende des Bischofsrates der weltweiten Methodistenkirche, am 8. Juni veröffentlicht wurde, fordern die Bischöf/innen alle Methodist/innen dazu auf, «ihr Taufversprechen zu bekräftigen und sich dem Bösen, der Ungerechtigkeit und der Unterdrückung zu widersetzen, in welcher Form auch immer sie sich zeigen.»

Die «ungeheuerliche Sünde des Rassismus»

Die Bischöf/innen nehmen in ihrem Schreiben noch einmal die «prophetischen Stimmen»  von Bischof Bruce Ough und der Bischöfin LaTrelle Easterling auf, die sich neben anderen Personen aus der Methodistenkirche in den USA zu den rassistischen Vorfällen geäussert hatten. «Wir bitten alle Methodst/innen, die ungeheuerliche Sünde des Rassismus und der weissen Vorherrschaft beim Namen zu nennen und sich zusammenzuschliessen, um gegen die Unterdrückung und Ungerechtigkeit Stellung zu beziehen, die farbige Menschen tötet», heisst es in der Erklärung. Die Bischöf/innen rufen darum zu friedlichen Protesten auf.

Ausserdem bitten sie die Methodist/innen in der ganzen Welt darum, während der nächsten 30 Tage um 8.46 Uhr morgens und abends 8 Minuten und 46 Sekunden lang gemeinsam zu beten. «Beten Sie für alle farbigen Menschen, die durch Ungerechtigkeit und Unterdrückung leiden. Lasst uns für unsere Kirche beten, wenn wir gegen Rassismus Stellung beziehen.»

Im Widerspruch zum Evangelium,

Mit ihrer Stellungnahme bekräftigen die Bischöf/innen, was die weltweite Methodistenkirche in den «Sozialen Grundsätzen» als Grundlage des gemeinsamen Glaubens zum Rassismus bekennt. Dort heisst es unter anderem:

«Rassismus ist Sünde: er verdirbt und behindert unser Wachsen in Christus, weil er im direkten Widerspruch zum Evangelium steht. In vielen Kulturen werden Menschen weisser Hautfarbe unverdientermaßen Privilegien und Vorteile gewährt, die Menschen anderer Hautfarbe verweigert werden. Wir widersetzen uns in jeder Kultur jeglicher Vorherrschaft einer Rasse über die andere.»

Teil der Aktion, zu der die Bischöf/innen aufrufen, sind auch verschiedene grafische Elemente, mit denen Methodist/innen ihre Unterstützung zum Ausdruck bringen können. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, das Profilbild auf Facebook mit dem Design der Kampagne zu versehen.

S.F.
Beitragsbild: UMC.org

Weitere Newsmeldungen

 


Rassismus in der Schweiz?

In der Schweiz werden rassistische Vorfälle durch Beratungsstellen erfasst und im «Rassismusbericht» aufgeführt. Der Bericht verzeichnete für 2019 «eine starke Zunahme der gemeldeten und als rassistisch eingestuften Fälle von Diskriminierung». Das heisse nicht, dass der Rassimus in demselben Masse zugenommen habe, heisst es im Bericht. Ein Grund könnte zum Beispiel auch eine verstärkte Sensibilisierung sein. Der Bericht erfasst ausserdem die Fälle rassistischer Diskriminierung nicht vollständig, sondern kann nur die Vorkommnisse berücksichtigen, die in den entsprechenden Beratungsstellen gemeldet werden.

In der Schweiz wurden demnach 2019 insgesamt 575 Fälle bei den Beratungsstellen erfasst. Bei 352 Fällen lag laut dem Rassismusbericht tatsächlich Diskriminierung vor. 127 mal ging es um Benachteiligung, 116 mal um Beschimpfungen. In einigen Zusammenhänge wurden Sachbeschädigung (16 Fälle) und Angriffe auf die körperliche Integrität (18 Fälle) gemeldet.

Eine regelmässig durchgeführte «Erhebung zum Zusammenleben in der Schweiz» des Bundesamts für Statistik zeigt ausserdem: Über ein Drittel der Bevölkerung in der Schweiz hielt 2018 Rasissmus nicht für ein ernstes Problem, während knapp 60% Rassismus als ernstes gesellschaftliches Problem einstuften. Ebenfalls rund 60% der Befragten waren zugleich der Meinung, dass die Massnahmen zur Bekämpfung des Rassismus ausreichend sind. Rund 30% meinten, es werde zu wenig getan.


Von der Gefahr, «schwarz» zu sein

Vier afroamerikanische Pfarrpersonen der United Methodist Church formulieren ihre Gedanken zum und Erfahrungen mit dem Rassimus –  nachdem Details zum Tod von Ahmaud Arbery im Februar 2020 bekannt wurden. Während das aufwendig gestaltete Storybook entsteht, kommen weitere rassistische Vorfälle hinzu – bis hin zum Tod von George Floyd.  Aus dem Vorwort des englischsprachigen Beitrags:

Die Stimmen von Schwarzen und (anderen farbigen Menschen) werden historisch gesehen — allzu oft unaufgefordert — zum Schweigen gebracht oder wegen des Unbehagens, das andere empfinden, die sie hören oder lesen, disqualifiziert. Der Tod von Ahmaud Arbery … einem jungen Schwarzen, der im Februar 2020 von einem weissen Vater-Sohn-Duo … erschossen wurde, fand wenig Beachtung, bis ein Video zugänglich gemacht wurde und von der Öffentlichkeit gesehen werden konnte.

Wir haben vier schwarze Pfarrer … eingeladen, ihre persönlichen Reflexionen über diese sinnlose und tödliche Erschiessung von Mr. Arbery mitzuteilen. Nach seinem Tod im Februar wurde Breonna Taylor, eine junge, afroamerikanische Notfallmedizintechnikerin, im März vom … Metro Police Department erschossen. Die Polizeibeamten stürmten ihre Wohnung, während sie eine «No-Knock»-Durchsuchung wegen Verdachts auf Drogen in ihrem Haus durchführten.

Schliesslich erfuhren wir während des Schreibens der Arbery-Geschichte … von Amy Cooper, einer weissen Frau, die am Montag die Polizei anrief. Sie behauptete fälschlicherweise, dass ein afroamerikanischer Mann namens Christian Cooper (die beiden sind nicht verwandt) während eines Streits im Central Park «ihr Leben bedroht» habe… Am selben Tag wurden wir Zeugen der Verhaftung und des Todes von George Floyd auf den Strassen … durch das «Knie» eines Officers der örtlichen weissen Polizei. Während wir über die Geschichte der gestrigen Demonstration und des Chaos in Minneapolis berichteten, sahen wir ungläubig zu, wie ein junger, schwarzer Latino-CNN-Reporter, Omar Jimenez, und seine Crew … während einer Live-Übertragung und trotz der Zurschaustellung ihrer journalistischen Zeugnisse verhaftet wurden. Seit dieser Meldung wurde dieser Offizier in Gewahrsam genommen und wegen Mordes dritten Grades und Totschlags angeklagt. Keines der zuvor genannten Opfer war bewaffnet.


Weitere Ressourcen

Video-Interview mit Bischöfin LaTrelle Easterling und Bischof Robert Farr (engl.)

Sammlung von Gebeten (engl.)

Linksammlung der UMC (engl.)