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Entmilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea

Beten für ein zerrissenes Land

Juni 26, 2020

Am 25. Juni 1950 begann der Krieg zwischen Nord- und Südkorea. Anlässlich des 70 Jahrestages ruft der  Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) dazu auf, für den Frieden zu beten.

«Am 25. Juni 1950 begann der Koreakrieg. 70 Jahre später wartet das koreanische Volk immer noch auf ein offizielles Ende des Krieges», beschreibt Rosemarie Wenner, methodistische Bischöfin und Sekretärin des Weltrates methodistischer Kirchen in Genf die Situation. «Es gibt keinen Friedensvertrag, nur einen Waffenstillstand.»

Historische Wirklichkeit anerkennen

In einer gemeinsamen ökumenischen Friedensbotschaft des Ökumenischen Rates der Kirchen rufen «Kirchen und Kirchenräte aus den Ländern, die in der Spaltung und in dem Konflikt auf der koreanischen Halbinsel eine Rolle gespielt haben», auf zu «zügigen Schritten hin zur Unterzeichnung eines Friedensvertrags». Siebzig Jahre nach dem Beginn des Krieges sei es an der Zeit anzuerkennen, dass er lange vorbei ist. Eine «längst überfällige Anerkennung einer historischen Wirklichkeit und ein Friedensvertrag, der genau das dokumentiert,»  seien entscheidend für den Abbau von Spannungen und Feindseligkeit in der Region. Nur so könnten die neuen «Herausforderungen in Bezug auf Frieden und Stabilität in der Region» bewältigt werden.

70 Gebete und Geschichten

Die Erklärung steht im Kontext einer durch den ÖRK ausgerufenen globalen Gebetskampagne für Frieden auf der koreanischen Halbinsel, die noch bis zum 15. August geht. Während der Kampagne werden 70 Gebete und Geschichten veröffentlicht. In Zusammenarbeit mit dem Nationalen Kirchenrat in Korea werden die Gebete jede Woche online veröffentlicht. Unter anderem hat auch Bischöfin Rosemarie Wenner eines dieser Gebete formuliert.

S.F.
Quellen: Ökumenischer Rat der Kirchen, emk.de, Begleitmaterial des Nationalen Kirchenrats in Korea
Beitragsbild: Peter Anta, pixabay.com

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Gebet für Korea

Gott des Lebens, wir bringen vor dich die Menschen in Korea, von Unggi im Nordosten bis nach Seogwipo auf der Insel Jeju im Süden. Du kennst sie alle beim Namen. Du weißt, wie sie seit Jahrhunderten leiden, sich nach Freiheit und Selbstbestimmung sehnen. Du kennst ihren Weg seit 1950, als der Krieg begann – ein Krieg, der bis heute nicht beendet wurde.

Wir stehen solidarisch an der Seite der Menschen auf der koreanischen Halbinsel und wir beten für Frieden und Gerechtigkeit, für ein Ende der Bedrohung durch Atomwaffen und alle Arten militärischen Handelns, für das Recht der Menschen in Korea auf Selbstbestimmung und für eine Zukunft voller Hoffnung.

Jesus, Erlöser der Welt, wir bringen vor dich die Menschen in Korea, von Unggi im Nordosten bis nach Seogwipo auf der Insel Jeju im Süden. Du kennst sie alle beim Namen. Du kennst die Schmerzen, die sie durch all die Ungerechtigkeit und die Spaltung erleiden. Familien werden auseinandergerissen und wissen nicht, worüber sich die jeweils Anderen freuen oder worunter sie leiden. Die Vorurteile tragen die bitteren Früchte der Angst vor dem Anderen.

Wir stehen solidarisch an der Seite der Menschen auf der koreanischen Halbinsel und beten für ein Ende der Spaltung, für Möglichkeiten, einander neu kennenzulernen und in den Anderen den Bruder, die Schwester zu erkennen, für Versöhnung und für Heilung.

Heiliger Geist, Ursprung aller Neubeginne, wir bringen vor dich die Menschen in Korea, von Unggi im Nordosten bis nach Seogwipo auf der Insel Jeju im Süden. Du kennst sie alle beim Namen und weißt um ihre Sehnsucht nach einem Leben in voller Genüge und wiederhergestellten Beziehungen. Und du weißt um das Leid auf der Erde, das ausgelöst wird durch Militärpräsenz und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen.

Wir stehen solidarisch an der Seite der Menschen auf der koreanischen Halbinsel und beten für Heilung – nicht nur für die Heilung der Seelen, sondern auch für Heilung für die Natur und für neue Arten, in Harmonie miteinander und mit der Erde zu leben.

Dreieiniger Gott, Gott der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens, erhöre unser Gebet.

Bischöfin Rosemarie Wenner, Sekretärin des Weltrats methodistischer Kirchen in Genf
Englisches Original / Deutsche Übersetzung emk.de