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Briefumschlag

Ver-rückte Gesellschaft

5. Oktober 2020

Angst und eine durch die Corona-Krise ausgelöste Verunsicherung sitzen immer noch tief in der fragilen Seele unserer Gesellschaft. Es ist unüberseh- und hörbar, dass der Sorge um individuelle Gesundheit, Freiheit und Gerechtigkeit, der Sicherstellung des Wohlstandes sowie dem Schutz des Klimas und von Minderheiten eine enorme Bedeutung beigemessen werden. Die Vorstellungen und Massnahmen jedoch, wie dies praktisch zu bewerkstelligen ist, klaffen weit auseinander. Dies war Ausdruck unendlicher Diskussionen im Vorfeld der letzten Abstimmung und gewissermassen Spiegelbild derselben.

Durch ein zunehmend einseitig ausgelegtes Demokratieverständnis und den als «Allerwelts-Heilmittel» getarnten Begriffen wie «Toleranz» und «Gleichberechtigung» wird versucht, weite Teile der Gesellschaft zu immunologisieren und alle sich widersetzenden «Gegenkeime» mit Schlagworten wie «konservativ» oder «Verschwörungstheoretiker» zu diskreditieren.

In unserer Gesellschaft, in der dem Natur- und Klimaschutz zurecht eine hohe Priorität eingeräumt wird, kommt es schleichend und fast unmerklich zu einer radikalen Umschreibung des kollektiven Gewissens. So beunruhigen beispielsweise falsch entsorgte PET-Flaschen viele mehr, als tausende unter dem Deckmantel «Menschenrecht» getöteter Föten und Embryonen.

Wäre es nicht jetzt an der Zeit, unsere Haltung bezüglich des in der Gesellschaft hochstilisierten «Toleranzwahns» und das durch viele Medien einseitige und verzerrt wiedergegebene Bild von Demokratie kritisch zu hinterfragen und Gegensteuer zu geben?

Rolf Nussbaumer, Herisau

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