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«Gruppen, die viel gemeinsam haben, werden gegeneinander ausgespielt»

2. November 2020

Echte Fortschritte in Bezug auf rassistische Probleme in der United Methodist Church sind unmöglich, wenn LGBTQ-Leute nicht in jeder Hinsicht als vollwertige Mitglieder der Konfession akzeptiert werden. Diese Überzeugung vertraten die beiden Gesprächspartner während einer zuweilen emotional verlaufenden Online-Diskussion der us-amerikanischen Methodist/innen zu Fragen von Kirche und Rassismus.

«Man kann nicht anfangen, ein Gespräch über antirassistische Arbeit zu führen, solange es dieses Gespräch über die Spaltung der Kirche in Fragen der Sexualität gibt», sagte Miguel A. De La Torre, Professor für Sozialethik an der Iliff School of Theology, während der Diskussion am 28. Oktober. «Wenn unsere queeren Brüder und Schwestern nicht Teil der Befreiungsbewegung sind, können wir keine Art von Kirche haben, die antirassistisch ist».

Die Diskussion war Teil einer Reihe ähnlicher Veranstaltungen, die zur Diskussion über den Abbau des Rassismus abgehalten wurden. Sie wird von der United Methodist Commission on Religion and Race in Partnerschaft mit dem methodistischen Bischofsrat, United Methodist Women, dem United Methodist Board of Church and Society und United Methodist Communications präsentiert.

Scharfe Kritik an Bischofsrat

An der Diskussion nahm neben der Moderatorin Erin Hawkins zudem die methodistische Pfarrerin Traci West teil. West ist Professorin für christliche Ethik und Afroamerika-Studien an der Theologischen Fakultät der Drew University. Sie kritisierte die methodistischen Bischöf/innen scharf. Diese versuchten ihrer Meinung nach, den Rassismus zu bekämpfen, ohne andere Formen der Unterdrückung ebenfalls zu hinterfragen. «Im schlimmsten Fall ist das eine Verstärkung der tiefsten Form religiöser und christlicher Gewalt gegen Personen der LGBTQIA+, die schwarz, lateinamerikanisch, asiatisch, afrikanisch und russisch sind, die überall in unserer Gemeinschaft leben und deren gleicher menschlicher Wert von der Kirche strukturell geleugnet wird», sagte West.

«Wir neigen dazu, sehr fragmentiert denken, sehr isoliert in der am Fragen heranzugehen, als könnten wir uns nur mit einer Gruppe und ihren Themen befassen», sagte die Moderatorin Erin Hawkins. Die Taktik, Angelegenheiten so in der Schwebe zu halten, sei die Funktionsweise des Systems der weissen Vorherrschaft, sagte sie. «Gruppen, die viel gemeinsam haben, werden gegeneinander ausgespielt», bekräftigte De La Torre.

(Un-)erwünschte Minderheiten

Auch Versuche vorwiegend weisser Kirchen, Minderheiten anzuziehen und sich auf eine multikulturelle Ausrichtung der kirchlichen Arbeit zuzubewegen, betrachteten die beiden Diskussionspartner kritisch. Es seien nur bestimmte Minderheiten erwünscht. Von diesen werde gewöhnlich erwartet, dass sie sich den Weissen anpassen. Die Schwarzen, die von weissen Kirchen gesucht werden, gehörten zur oberen Mittelschicht. «Die Art von Schwarzen, mit denen sie zu einer Cocktailparty gehen könnten», sagte De La Torre. Schwarze mit niedrigem Einkommen seien normalerweise keine wünschenswerten Mitglieder für weisse Kirchen.

Kein ‹Alibi-Latino›

De La Torre sagte, weisse Kirchen hätten oft den Anspruch, offen und integrativ zu sein. Aber das sei vielfach nur Fassade. «Wenn Sie mich in Ihre Kirche einladen, laden Sie mich nicht ein, damit ich der ‹Alibi-Latino› bin, der ihnen bestätigt, dass Sie kein Rassist sind! Laden Sie mich ein, wenn Sie radikal ändern wollen, wie Sie in der Kirche arbeiten. Wenn Sie nicht bereit sind, meine Meinung darüber zu hören, wie Sie sich in der Kirche verhalten, dann laden Sie mich nicht ein. Verschwenden Sie nicht meine Zeit.»

S.F. / Quelle: Jim Patterson, UM News
Beitragsbild: Screenshot YouTube

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