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Für den guten Zweck: «Basar» neu erfunden

Dezember 7, 2020

Viele methodistische Gemeinden konnten in diesem Jahr keinen «Basar» durchführen. Alternativen mussten gefunden werden. Die liefen unterschiedlich gut. Teilweise waren die Ergebnisse sehr ermutigend.

Sie haben eine lange Tradition in vielen methodistischen Kirchgemeinden: Basare. Bastelarbeiten, Adventsgestecke, Gebäck, Bücher, die Gelegenheit, zu verweilen, einen Kaffee oder kleine Snacks zu geniessen… Und das alles für einen guten Zweck: Der Erlös geht meist an Projekte von Connexio, dem Hilfswerk der Methodist/innen in der Schweiz. Doch was, wenn die Corona-Beschränkungen eine Durchführung im gewohnten Rahmen nicht zulassen? Ausfallen lassen? – Nein. Die Methodist/innen zum Beispiel in Aarau, Männedorf, Thun und Winterthur haben kreative Lösungen gefunden – und ermutigende Erfahrungen gesammelt.

Coronakonforme Alternativen

Nachdem sich im oder nach dem Sommer abzeichnete, dass an eine normale Durchführung des Basars nicht zu denken sein würde, haben die methodistischen Kirchgemeinden umgeplant. Oft wurden Verkaufsstände im Freien aufgestellt – nahe der eigenen Kirche oder zentral in der Stadt. Diese wurden zum Teil durch Online-Verkäufe unterstützt.

«Basar-Wand» der EMk Aarau

«Basar-Wand» und «Basar-Twint»

In Aarau wurde der Verkauf innerhalb der Methodistengemeinde mit einer «Basar-Wand» organisiert. An dieser Wand konnten Personen aus der Gemeinde etwas anbieten: Sie füllten einen Zettel mit ihrem Angebot aus und hefteten ihn an die Wand. Interessent/innen nahmen den Zettel und setzen sich mit der Person direkt in Verbindung. Das Angebot war vielfältig: Apfelringli, Brot, Florentiner, Hortensienkränze, Basar-Kugeln, Guetzli, Sirup, Konfitüre, diverse Backwaren auf Wunsch, eine Schnupperstunde in Kunsttherapie…

Ausserdem wurden Karten gedruckt, mit denen Personen in- und ausserhalb der Gemeinde darüber informiert wurden, dass der Basar dieses Jahr nicht wie üblich stattfinden kann. Die Verantwortlichen stellten darauf ausserdem das unterstützte Conexioprojekt vor und baten um Spenden. Dafür waren auf der Karte die Bankverbindung angegeben und ein eigens erstellter «Basar-TWINT» abgedruckt.

«Verkauft wurde dieses Jahr sicher weniger als an einem normalen Basar», schreibt Bettina Seifert, «dafür aber wurde enorm viel gespendet.» Mit rund 25 000 Franken fiel das Ergebnis sogar um rund 5000 Franken höher aus als in den vergangenen Jahren.

Drei Verkaufsstände der EMK Männedorf

Reduzierte Freiluftvariante

Eine Erfolgsgeschichte sei der jährliche Basar in Männedorf, schreibt Pfarrer Rolf Wüthrich. Gegen 20 000 Franken können jeweils an Connexio überwiesen werden. Doch dieses Jahr musste alles einfacher werden. Vor der Kirche wurden am 28. November drei Marktstände aufgestellt: einer für Strickwaren, einer für frisches Brot und Gutzli und ein weiterer für die Kränze und Gestecke. Selbstverständlich durfte auch der Tausendfüssler «Coroni» nicht fehlen, der während des Lockdowns entstanden war. Brote, Guetzli, Kränze und Gestecke waren bereits vor dem Mittag ausverkauft. Über 10 000 Franken kamen auf diese Weise zusammen.

Online-Shop und Marktstand

Die Thuner Methodist/innen setzten auf unterschiedliche Verkaufswege. Sie organisierten die Möglichkeit, Artikel telefonisch oder in einem eigens dafür erstellten Online-Shop zu bestellen. Ausserdem reservierten sie an zwei Markttagen einen Stand auf dem Markt. Während zwei Wochen lief der Verkauf. Spenden und Verkauf brachten einen Ertrag von rund 6000 Franken. «Dies entspricht ziemlich genau der Hälfte von dem, was wir in den letzten Jahren mit unserem ‹richtigen› Adventsmärit erwirtschafteten», schreibt Esther Seitz, die für den Anlass verantwortlich ist.

Flyer und Artikel des Basar-Verkaufs der EMK Winterthur

Bestellung und Lieferservice

Auch bei dem Methodist/innen in Winterthur wurde auf der Website auf die andere Form des Basars in diesem Jahr hingewiesen. Ausserdem gab es dort Bestellformulare für die angebotenen Produkte. Der Verkauf lief sehr gut. «Kaum war die Website freigeschaltet, wurde fleissig reserviert und bestellt. Fast täglich kamen die Bestellungen rein», schreibt Manuel Both. Schürzen, Lätze, Konfi, viele Backwaren, selbstgemachtes Ketchup, Kränze und Gestecke und vieles mehr fanden sich im Angebot.

Der Basar der Winterthurer Methodist/innen findet normalerweise mitten in der Stadt statt. In diesem Jahr konnten die bestellten Waren an drei Tagen bei der Methodistenkirche abgeholt werden. Ausserdem übernahm die örtliche Jungschar einen Lieferservice und brachte einige Bestellungen direkt nach hause. «Vom Ertrag her sind wir hoch erfreut und absolut auf dem Stand der vergangenen Jahre», schreibt Both. Einige Personen hätten einfach für das Connexio-Projekt gespendet. Andere hätten beim bezahlen die Preise grosszügig aufgerundet.

Einmalig oder wiederholenswert?

Sind das Modelle für die Zukunft? – «Ich gehe davon aus, dass dies eine einmalige Sache war», schreibt Esther Seitz aus Aarau. In kommenden Jahren solle der Basar wieder als Begegnungstag durchgeführt werden. «Denn miteinander so einen Tag zu gestalten und dann auch zusammen an diesem Tag von morgens früh bis abends spät zu arbeiten, unsere Kirchentüren für Feunde und Fremde offen zu haben, hat uns schon gefehlt.»

Auch Manuel Both aus Winterthur sieht die Einschränkungen. Das «Kafi Basar» etwa, an dem auch Mittagessen angeboten werden, hat als Ort der Begegnung gefehlt. Doch die Vorteile sind unübersehbar. «Es konnte gezielt eingekauft und gearbeitet werden», schreibt Both. Am Ende seien darum auch nicht noch unverkaufte Gegenstände zurückgeblieben. Der Basar konnte insgesamt mit weniger Personen bewältigt werden. Darum ist er optimistisch: «Ich denke, dass dies eine Art sein könnte, wie wir unseren Basar auch künftig gestalten.»

S.F.
Beitragsbilder: zVg

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