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netz-kloster: kontemplativ und digital

Dezember 11, 2020

Beim netz-kloster kommen klösterliche Kontemplation und digitale Welt zusammen. Ein erster Durchgang des neuen Angebots von Methodistenpfarrer Dave Jäggi ist gerade gestartet.

Anfang Dezember ging es los: Zusammen mit Dave Jäggi treffen sich vier Personen bei venue in Diessenhofen zu einem ersten Abend. Sie werden in den nächsten drei Monaten die «Klostergemeinschaft» des «netz-klosters» bilden. Zu Anfang jede Woche, später mit etwas mehr Abstand treffen sich die Teilnehmer/innen – immer abwechselnd: einmal physisch – einmal online.

Stille einüben

Die einzelnen Treffen folgen einer festen Liturgie. Sie besteht aus drei Teilen: ankommen in der Stille, sich selbst und Gott begegnen, sich Gott in der Welt öffnen. Zwischen den einzelnen Treffen machen die Teilnehmer/innen weiter täglich ihre Stilleübungen. Aktuell verbringen sie etwa eine halbe Stunde pro Tag in der Stille. Ab der sechsten Woche wird es dann im besten Fall eine knappe Stunde werden. An den Treffen tauschen sie über ihre Erfahrungen aus und erhalten neue Impulse für die spirituelle Praxis. Auch an den Treffen selbst steht allerdings die Übung im Mittelpunkt.

Was ist das Ziel des netz-kloster? «Jede Spiritualität braucht eine Praxis, in der sie sich formieren kann», sagt «netz-abt» Jäggi. «Was ich biete, ist eine Wegbegleitung, um eine solche Praxis im Alltag zu etablieren und zur Gewohnheit zu machen.»

Neue Formen von Gemeinschaft

Der erste Durchgang des Kurses trägt experimentellen Charakter. Jäggi testet aus, ob das oder was genau Sinn macht: von der Struktur her, der Dauer, der Anzahl Abende – und natürlich steht auch der Wechsel zwischen Online- und Präsenztreffen auf dem Prüfstand. «Kurz- oder mittelfristig werden wir andere Formen von Gemeinschaft finden», ist Jäggi überzeugt. Sein netz-kloster ist ein Versuch, um herauszufinden, wie diese anderen Formen aussehen könnten.

Neue Formen der Spiritualität

Die ersten vier Teilnehmer/innen kommen aus dem Umfeld von Jäggi. Er hat sie bewusst ausgewählt, um Rückmeldungen zu erhalten und das Angebot gezielt entwickeln zu können. Alle vier beschreibt er als «postevangelikal»: Sie seien in einer Freikirche aufgewachsen. Doch die bekannten Formen der Frömmigkeit und viele kirchentypisch theologische Aussagen haben ihre Relevanz für Leben und Alltag verloren. Die durch Worship gekennzeichnete Spiritualität ihrer Vergangenheit sage ihnen nichts mehr. Zugleich seien sie aber auf der Suche nach neuen Formen der Spiritualität. – Die ersten Teilnehmer/innen entsprechen so dem Zielpublikum, das Jäggi auch künftig mit dem Angebot ansprechen will.

«Ich selbst bin nach sehr charismatischen, pfingstlerischen Erfahrungen über die Jahre zur Kontemplation gekommen», erzählt Jäggi. «Kontemplation ist für mich ein Frömmigkeitsstil oder eine Form von Spiritualität, die mir sehr viel gibt. Sie hilft mir, unsere fragmentierte Welt ganzheitlicher und mich als Teil im Gewebe dieser Welt zu sehen.» Mit dem netz-kloster gibt er also positive Erfahrungen weiter, die er selbst gemacht hat.

Christliche Spiritualität

Dabei vermittelt er bewusst eine Form von Spiritualität, die im christlichen Narrativ eingebettet ist. «Ich habe mir anfangs überlegt, das offener anzubieten, mehr im Sinne von Meditation und Achtsamkeit und weniger als christliche Kontemplation», sagt er. Doch er sei in der Story des Christentums beheimatet. «Hier schlägt mein Herz, und das kann ich auch vermitteln.»

Steht das «Netz» bei netz-kloster für das Internet, so will das «Kloster» genau diese christliche Konnotation wachrufen. «In unserem Kontext denkt man bei ‹Kloster› an eine christliche Gemeinschaft, Mönche oder Nonnen, Gebet, Stille und Rückzugsort.»

Entwicklungsmöglichkeiten

Der erste Probelauf ist zwar gerade erst gestartet. Dennoch denkt und plant Jäggi schon weiter. Wie könnte es sein, wenn einmal einige Kurse mit zahlreichen Leuten gelaufen sind? – «Wenn es vielleicht nach mehreren solcher Kursdurchgänge eine Community gäbe, die sich auch ausserhalb des Kurses einfach online trifft, das wäre schon cool», schwärmt Jäggi. Ein regelmässig durchgeführtes Online-Meeting schwebt ihm vor. «Und alle, die in der kontemplativen Praxis unterwegs sind oder diesen Kurs gemacht haben, können sich da zuschalten.»

In der Zwischenzeit sucht Jäggi für weitere Durchführungen die Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen, bei denen auch Synergien genutzt werden können. Im Gespräch ist er mit der Theologischen Hochschule in Reutlingen, der Ausbildungsstätte der Methodist/innen im deutschsprachigen Raum. Zugleich sucht er das Gespräch mit dem Ausbildungs- und Tagungszentrum Bienenberg und IGW, an dem er selbst unterrichtet.

S.F.
Beitragsbild: Dave Jäggi

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