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Screenshot vom Webinar

Entsteht aus dem Chaos eine neue Vision von Kirche?

Dezember 17, 2020

Eine international zusammengesetzte Gruppe von Methodist/innen fragt in einem partizipativen Prozess nach einer neuen Vision für die weltweite Methodistenkirche. Zu den treibenden Kräften gehört die Schweizer Methodistin Christine Schneider-Oesch. Am 1. Dezember lud die Gruppe zu Webinaren ein.

Ihre Zeit bei der Generalkonferenz beschreibt Christine Schneider als eine der schlimmsten Erfahrungen in ihrem Leben als Methodistin. «Wir müssen definitiv lernen, die Dinge anders zu machen. Das, was wir dort getan haben, hat uns an den Punkt gebracht hat …, na ja, Sie wissen alle, wohin», sagte die erfahrene Delegierte über das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche, der United Methodist Church.

Diese steht vor einer möglichen Trennung aufgrund der langjährigen Debatte über die Einbeziehung von LGBTQ-Personen. Hitzige Auseinandersetzungen fanden jeweils auf der Generalkonferenz statt. Christine Schneider hatte als Delegierte der Jährlichen Konferenz (Synode) Schweiz-Frankreich-Nordafrika an der Generalkonferenz teilgenommen.

Weltweit intensive Diskussionen

Nach den Beschlüssen der ausserordentlichen Generalkonferenz im Februar 2019 war es weltweit in der Methodistenkirche zu intensiven Diskussionen gekommen. Gleichzeitig sieht sich die United Methodist Church weltweit mit den verheerenden Auswirkungen der COVID-19-Pandemie konfrontiert. Zusammen mit anderen gegenwärtigen und ehemaligen Delegierten der Generalkonferenz schloss Schneider sich in dieser chaotischen Zeit zu einer informellen Gruppe von Methodist/innen zusammen, die in diesem «Chaos» eine Chance erblicken, eine neue Vision für die Zukunft der Methodistenkirche zu entwerfen.

Ein Weg aus dem Chaos

Die Gruppe mit dem Namen «Out of Chaos … Creation» (Aus dem Chaos … Schöpfung) hielt am 1. Dezember ihre zweite Serie von Webinaren ab. Die Teilnehmer/innen erhielten Einblicke in einige der Rückmeldungen, die sie aufgrund ihrer Umfrage von Methodist/innen aus unterschiedlichen Ländern weltweit bereits erhalten haben. Es geht dabei um die Frage, wie diese neue Vision von der Zukunft der Kirche aussehen könnte.

Die Gruppe, der Delegierte aus allen vier Kontinenten angehören, in denen die Methodistenkirche vertreten ist, hielt zwei fast identische einstündige Webinare zu verschiedenen Zeiten ab, um mehr Methodist/innen rund um den Globus zu erreichen.

«Dieser Versuch ist eine gute Gelegenheit, um in einem anderen Rahmen miteinander zu sprechen, ohne rechtliche Bestimmungen, ohne komplizierte Regeln. Es ist eine Gelegenheit, sich als Menschen zu treffen», sagte Schneider während der Sitzung.

Die geschenkte Zeit nutzen

Aufgrund der Pandemie wurde die Generalkonferenz, die ursprünglich für Mai dieses Jahres geplant war, nun auf den 29. August bis 7. September 2021 verschoben.

Ihre erste Reihe von Webinaren hatte die Gruppe im Juli abgehalten. Die Verantwortlichen luden Methodist/innen weltweit ein, die Verzögerung zu nutzen, um eine neue Vision ihrer Kirche zu entwerfen. Die Gruppe ist mit keiner methodistischen Interessenvertretung verbunden. Sie will auch keine neue methodistische Kirche gründen, wie es die Liberation Methodist Connexion und die Wesleyan Covenant Association tun. Vielmehr sprachen die Gruppenmitglieder alle wohlwollend zugunsten die United Methodist Church und gaben der Hoffnung Ausdruck, dass die Kirche mit Gottes Hilfe besser werden könne.

Während des Webinars am 1. Dezember sagten die Gruppenmitglieder, ihr Ziel sei es, die Wünsche der Teilnehmer/innen für die Kirche zu erfahren, ihnen zu helfen, die Wünsche der anderen kennenzulernen und Wege zu finden, sich in einem gemeinsamen Ziel zu vereinen.

Für eine lebendigere Kirche

Pfarrerin Kennetha Bigham-Tsai aus den USA berichtete am 1.Dezember über einige der Antworten, die die Gruppe auf die durch sie lancierte Umfrage bereits erhalten hat. Methodist/innen auf den Philippinen zum Beispiel wünschen sich «eine lebendigere Kirche, lebendige Christ/innen und das Engagement in der Gemeinde und der Welt für Frieden, Gerechtigkeit und Mitgefühl». Andere Antworten schlugen ähnliche Töne an.

Eine Gruppe jugendlicher Methodist/innen in Tansania und Tanganjika reichte eine Erklärung ein, in der es hiess, sie wünschten sich, dass die Kirche «vereinigend, fürsorglich, fördernd und heiligend» sei, «die Evangelisation in der Ortsgemeinde» stärke und «gesunde zwischenmenschliche Beziehungen» fördere.

Umfrage weiter offen

Die Gruppe «Out of Chaos» bittet, dass Methodist/innen weltweit weiterhin an der Umfrage teilnehmen, die auf Englisch, Französisch und Deutsch zugänglich ist. Darin werden die Methodist/innen nach ihrer Vision für die Kirche in ihren Kontexten gefragt. Die Antworten sollen bis zum 31. Dezember gesammelt werden. Sie fliessen dann in einen Entwurf einer neuen Vision für die Methodistenkirche ein. Dieser soll bis Ende Januar fertiggestellt sein und wird dann für weiteres öffentliches Feedback präsentiert.

«Das wird nicht das letzte Wort sein», sagte Schneider. «Dies ist ein fortlaufender Prozess, der ständig zu Rückmeldungen einladen wird.»

Heather Hahn, UM News / S.F.
Beitragsbild: Screenshot UM News

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Generalkonferenz

Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der United Methodist Church. Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten.

Von den 862 Delegierten, die für die Generalkonferenz 2020 gewählt wurden, kommen 55,9% aus den USA, 32% aus Afrika, 6% aus den Philippinen, 4,6% aus Europa und der Rest aus Konkordatskirchen, die enge Verbindungen zur United MEthodist Church haben.

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