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Auf Blüten drückten die Schwestern des Diakonats Bethesda ihren Dank aus, dass sie die Erkrankung mit Corona überstanden haben.

«Die Mitschwestern waren für mich da!»

März 31, 2021

Die Schwestern des Diakonats Bethesda in Basel gehören zur Corona-Risikogruppe. Anfang Dezember 2020 erkrankte die erste von ihnen an Corona. Am Ende waren fast alle erkrankt – und alle sind wieder genesen.

Im Mutterhaus des Diakonats Bethesda in Basel leben 16 Diakonissen der Schwesterngemeinschaft. Die allermeisten von ihnen sind über 70 Jahre alt. Viele sind bereits über 80, die älteste 96.. Wenige von ihnen brauchen im Alltag etwas Unterstützung. Die anderen sind selbständig.

Erster positiver Test

Anfang Dezember 2020 veränderte sich der Alltag der Schwestern radikal: Am 6. Dezember wurde eine erste Schwester positiv auf das Coronavirus getestet. Wenig später wurde auch bei einer zweiten Schwester eine Erkrankung bestätigt. Nach und nach erkrankten bis auf zwei Schwestern alle am Virus.

Mit vereinten Kräften

Die Schwestern untereinander, eine externe Pflegekraft, die Leiterin der Schwesterngemeinschaft und ein Netzwerk aus Personen aus verschiedenen Bereichen des Diakonats Bethesda bildeten eine tragfähige Gemeinschaft, die miteinander diese grosse Krise meisterte. Am 9. Januar 2021 konnte die letzte der Schwestern ihre Isolation beenden. Dass keine der Schwestern an der Erkrankung gestorben ist, feierte die Gemeinschaft im Februar als eines der Wunder dieser Zeit.

Zum Glück nicht da gewesen

Geleitet wird die Schwesterngemeinschaft heute von Elisabeth Wenk. Sie ist mit einem teilzeitlichen Pensum für diese Aufgabe angestellt. «Ich selbst hatte das Glück, dass ich in der Woche in den Ferien war, als der Coronausbruch war», erinnert sie sich. Auf diese Weise konnte sie von aussen die gesamte Situation begleiten und das Notwendige organisieren. Und zu organisieren gab es sehr viel.

Entwicklung war absehbar

Nach den ersten beiden Fällen wurden die Schwestern in regelmässigen Abständen getestet. «Unsere Schwestern leben zusammen», sagt Elisabeth Wenk. Personen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, können bereits ansteckend sein, bevor die Betroffenen von ihrer Erkrankung wissen. «Also musste man fast davon ausgehen, dass die Ansteckungen bereits sehr viel weiter sind – und wir immer nur hinterherhinken.»

Immer mehr erkrankten

Bei der ersten Testrunde wurden fünf weitere Schwestern positiv getestet – und bei der nächsten noch mehr. Am Ende waren bis auf zwei alle erkrankt. «Solange fünf oder sechs Schwestern erkrankt waren, ging das ja noch», erzählt Elisabeth Wenk. Untereinander hätten die Schwestern dann «Tandems» gebildet. Dabei versorgte eine Schwester, die selbst noch nicht positiv getestet war, eine oder mehrere andere Schwestern, die in ihren Zimmern bleiben mussten. «Das hat wunderbar funktioniert.»

Hilfe kommt

Verstärkung erhielten die Schwestern auch von aussen. Für die Betreuung der Schwestern, die im Alltag auf Unterstützung angewiesen sind, ist neben der jüngsten, noch berufstätigen Schwester eine externe Pflegefachkraft angestellt. Schon bei den ersten Fällen fragte Elisabeth Wenk sie an, ob sie bereit wäre, die Quarantäne im Mutterhaus zu verbringen – und so weiter bei der Pflege der Schwestern mitzuhelfen. Sie kam. Ohne zu zögern. Während der ganzen Zeit wohnte sie dann im Mutterhaus und hat die Pflege zunächst im begleiteten Wohnen abgedeckt – später auch für andere Schwestern, die erkrankten.

Eine tragfähige Gemeinschaft

«Alle haben einander wirklich grossartig gegenseitig unterstützt und versucht, einander zu helfen», erzählt Elisabeth Wenk. Die Erfahrung, wie tragfähig diese Gemeinschaft ist, war tief beeindruckend für alle.

Da war Not an der Frau

«Es war wunderbar, wie jede Mitschwester sich eingesetzt hat – in dem Mass, wie es ihr möglich war», erinnert sich Schwester Marti Wyss. Alle hätten sich von Herzen und aus Liebe eingebracht. «Die Herausforderung bestand eher darin, dass ich mir wahrscheinlich nicht zugestanden habe, dass ich mich ausreichend ausruhe, um mich genügend erholen zu können.» Es sei eben wirklich Not an der Frau gewesen. «Da hat es einfach jede Schwester gebraucht.»

Eine ganz neue Erfahrung

Bei Schwester Marti war der Krankheitsverlauf eher milde. Ganz anders bei Schwester Elisabeth Meier. «Das war eine neue Erfahrung», sagt sie. «Ich, die sonst so aktive Person, für vier Wochen in Isolation – quasi ‹eingesperrt› in meinem Zimmer! Der Papierkorb ist voll – die WC-Papierrolle ist leer.» Für alles und jedes von anderen abhängig zu sein, sei für sie überhaupt nicht einfach gewesen. Durchgetragen hat die Gemeinschaft: «Gerade in dieser misslichen Situation wurde mir das Geschenk des gemeinsamen Lebens wieder ganz gross: die Mitschwestern waren für mich da!»

Ein tragendes Netz von Leuten

Es gibt viele wunderbare und eindrückliche Erlebnisse, von denen Elisabeth Wenk erzählt. «Mir kam es manches Mal vor, als sähe ich ein ganzes Netz vor meinem inneren Auge von Leuten, die beten und innerlich mit uns mitgehen und die ganze Situation begleiten.»

Achtsame Reaktion im Bethesda-Spital

Keine der Schwestern musste auf einer Intensivstation betreut werden. Als eine der Schwestern, die einen schwereren Verlauf hatte, zur Abklärung ins Unispital Basel gehen musste, reagierten die Verantwortlichen des Bethesda-Spitals umgehend. Sie bereiteten alles vor, damit Schwestern, die nicht Intensivpflege brauchen, auch im Bethesda-Spital versorgt werden könnten.

Umsichtig alles organisiert

Dass die schwierige Zeit so gut gemeistert werden konnte, habe auch mit dem Einsatz von Frau Wenk zu tun, sagt Schwester Marti. «Sie hat an alles gedacht – und mit jeder Schwester regelmässig telefoniert und alles organisiert. Dass auf diese Weise wirklich an alles gedacht war, das war ganz wunderbar.»

Das Positive überwiegt

Bei ihrem ersten gemeinsamen Treffen im Januar schauten die Schwestern zurück auf das, wie sie die Zeit erlebt haben. «Wir sind klar zu dem Ergebnis gekommen, dass das Positive in dieser Zeit bei Weitem überwogen hat», berichtet Elisabeth Wenk von dieser ersten gemeinsamen Austauschrunde. Bei einem ganztägigen Treffen im Februar feierten die Schwestern miteinander darum ein «Dankesfest».

Der Dank treibt Blüten

Beim gemeinsamen Dankgottesdienst entstand ein Baum mit bunten Blüten. Jede Schwester konnte auf einer oder mehreren Blüten beschreiben, wofür sie in dieser Zeit besonders dankbar ist. Dankbar waren die Schwestern zum Beispiel für die gute Beziehung zum Kantonsarzt oder für die eigene Genesung.

Gott war da

«Die ganze Krankheitszeit war geprägt von dem tiefen Wissen und Vertrauen, dass Gott die Situation in seinen Händen hat», sagt Schwester Marti. «Dass Gott wirklich über uns wacht und uns durchträgt, musste ich mir nicht sagen. Das war einfach gegeben. Das war sehr schön.»

Das grosse Wunder

Auf einer der bunten Blüten steht der staunende Satz: «Wir sind alle noch da.» Die Sorge sei verständlicherweise gross gewesen bei den Schwestern, dass einzelne aus ihrer Mitte sterben könnten, sagt Elisabeth Wenk. Nun aber sind alle noch da. «Das ist wirklich für uns alle das grosse Wunder, das grosse Geschenk aus dieser Zeit.»

S.F.
Beitragsbild: zVg, Sr. Elisabeth Meier

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