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Gebetsecke in der methodistischen Kirche in Bregenz

Gemeindeleben in Zeiten von Corona: Bregenz und Solothurn

April 1, 2021

Wie «funktioniert» Kirche in Zeiten von Corona? – Für Gottesdienste, Seelsorge und Gemeinschaft mussten neue Formen gefunden werden. Einblicke in die Arbeit von Methodist/innen in Solothurn und Bregenz.

Lockdown hiess zunächst: Gar keine Gottesdienste mehr. Später waren diese wieder möglich. Nach wie vor ist das Singen in Gottesdiensten nicht erlaubt. Wie sind die Methodist/innen in Solothurn und Bregenz mit dieser Situation umgegangen?

Durchmischte Rückmeldungen

«Als im Winter im Kanton Solothurn nur noch 15 Personen in Gottesdiensten erlaubt waren, haben wir ein paar Stationen-Gottesdienste durchgeführt» erzählt Damaris Raymann. Sie ist seit dem Spätsommer Pfarrerin der methodistischen Gemeinde in Solothurn. Die «Stationen-Gottesdienste» hätten «gemischte Reaktionen ausgelöst», sagt sie. «Wir sind deshalb dankbar, wieder Gottesdienste durchführen zu können.» Weil die Zahl der Besucher/innen weiter beschränkt bleibt, bietet die Gemeinde in Solothurn jeden Sonntag zwei Gottesdienste an.

Balance finden

Bernfried Schnell ist Pfarrer der methodistischen Gemeinde in Bregenz (Österreich). Eine grosse Herausforderung während der Pandemie liegt für ihn darin, angesichts der rasch wechselnden Bestimmungen die richtige Balance zwischen Offenheit und Einschränkung zu finden. «Viele der Anordnungen liegen im Graubereich: nicht verboten und nicht erlaubt», sagt er. Die Verantwortlichen der methodistischen Gemeinde in Bregenz handelten nach dem Motto: «Verantwortungsvoll und mutig sein.»

Erfahrungen mit Live-Stream

Bereits seit zweieinhalb Jahren sind die Gottesdienste der Bregenzer Methodist/innen auch auf YouTube zugänglich. Der Kanal habe angesichts der eingeschränkten Möglichkeiten bei den Präsenz-Gottesdiensten an Bedeutung gewonnen, sagt Bernfried Schnell. Auch anderes ist (wieder) möglich: «Der Gebetskreis findet statt. Seit drei Wochen gibt es auch wieder Zusammenkünfte von bis zu 12 Personen im Gemeindehaus.»

Regelmässig informieren

Andere Kommunikationsformen sind wichtig geworden. Wöchentlich erscheint in Bregenz etwa eine Information für die Gemeindeglieder. «Darin steht eine mutmachende christliche Botschaft», erläutert Bernfried Schnell. «Ausserdem finden sich Hinweise zu dem, was sich ändert im Gemeindegeschehen und bei den Auflagen. Ausserdem gibt es einen Ideenpool: gemeinsame Unternehmungen wie Treffen zum Basteln im Garten, Fahrradcheck, Weiterbildung zu Seelsorge, Wanderungen.» Dass die Leute möglichst gut informiert seien, sei sehr wichtig.

Alle einbeziehen

«Die grösste Herausforderung besteht jedoch für Menschen, die aufgrund ihres Alters oder der ökonomischen Verhältnisse wenig bis gar nicht ‹online› erreichbar sind», ergänzt Damaris Raymann. Das sei nicht zuletzt dann schwierig gewesen, als im Herbst und Winter relativ kurzfristig umgeplant werden musste.

Telefonisch im Kontakt bleiben

Seelsorgerliche Gespräche führt Damaris Raymann oft am Telefon – oder in den Begegnungen nach den Gottesdiensten. Auch untereinander seien die Leute in ihrer Gemeinde telefonisch miteinander im Kontakt. In Bregenz haben die Leute aus dem Gemeindevorstand die Aufgabe, regelmässig mit den Gemeindegliedern im Kontakt zu bleiben.

Regelmässig testen lassen

Doch zu manchen Orten in Bregenz hat nur Bernfried Schnell als Pfarrer Zugang, etwa im Krankenhaus oder im Seniorenheim. «Dieser Besuchsdienst wird weiter fortgeführt», sagt er. Einmal pro Woche lässt der Pfarrer sich dafür testen, damit er die Besuchserlaubnis erhält. «Aber auch für mich selbst als Sicherheit, dass ich keinen Schaden anrichte».

Biker-Gottesdienst ging nicht

Nicht durchführbar sind andere Anlässe. So hatte Bernfried Schnell damit begonnen, Gottesdienste für Biker durchzuführen. Hier hat die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. «Mit dem nächsten Biker-Gottesdienst müssen wir noch bis nächstes Jahr warten – oder vielleicht einen Gottesdienst zum Abschluss der Biker-Saison planen.»
Allerdings wirft die Gemeinde nicht alle Pläne über den Haufen. «Geplant sind ein Oster-Gottesdienst zum Sonnenaufgang mit einem Lagerfeuer am Bodensee um 6.30 Uhr am Ostermorgen», sagt Bernfried Schnell, «Auch unser Berggottesdienst im Juni ist geplant.»

Erste Begegnungen mit Maske

Damaris Raymann ist erst seit letztem Spätsommer Pfarrerin der Gemeinde in Solothurn. Viele neue Menschen und Gesichter kennenlernen, wie geht das in Zeiten von Corona? «Ich kenne schon viele mit Maske», sagt sie. «Allerdings werde ich wahrscheinlich eine Weile brauchen, um mich dann an die maskenlosen Gesichter zu gewöhnen.»

Mit und ohne Maske

Wie sehr die Masken Gesichter verändern, hat sie in ihren ersten Wochen an der neuen Stelle erlebt: «Nach dem Gottesdienst hatte ich mit einem Gemeindeglied einige Minuten lang gesprochen. Wir beide hatten die Masken an.» Wenig später, beide waren inzwischen ausserhalb des Gebäudes, sei die Person noch einmal mit einer Frage auf sie zugekommen. Dieses Mal ohne Maske. «Ich habe ihn nicht mehr erkannt», sagt die Pfarrerin, «obwohl ich wenige Minuten vorher gerade mit ihm gesprochen hatte.» Die Person habe es ihr aber nicht übelgenommen.

Eine Geduldsprobe

Nach über einem Jahr der Einschränkungen – wie gross ist die Geduld und das Verständnis gegenüber den Massnahmen? «Die Geduld neigt sich schon ein wenig dem Ende zu», sagt Damaris Raymann. Dass die Leute sich bei den Gottesdiensten sehen können, entspanne die Situation allerdings. Zu schaffen machen viele einzig das Singverbot auch für die kirchlichen Bands. «Das nimmt ihnen schon die Freude an ihrem Dienst.»

Grundsätzlich positive Stimmung

Ähnlich tönt es auch aus Bregenz: «Die Gemeinde wartet darauf, endlich wieder als Gesamtheit starten zu können», sagt Bernfried Schnell. Dass die einzelnen Leute unterschiedlich damit umgingen, hänge auch an den unterschiedlichen Persönlichkeitstypen. «Aber insgesamt nehme ich den gelebten Glauben an Jesus Christus wahr», sagt der Pfarrer. «Die Stimmung ist positiver als in der Gesellschaft.» Gerade in Krisen zeige sich auch die Tragfähigkeit des Glaubens.

Unterschiede respektieren

Eine Herausforderung bedeute es auch, mit den unterschiedlichen Einschätzungen der Situation in der Gemeinde umzugehen. «Von Anfang an habe ich sehr deutlich gemacht, dass wir in der Gemeinde den Auftrag haben, die Meinung des anderen bezüglich Corona zu respektieren, auch wenn wir selber anderer Überzeugung sind», sagt Bernfried Schnell. Auch hier erlebt er den Glauben als eine grosse Hilfe. «Wir sind in der guten Situation, dass wir uns in Corona-Zeiten trotz unterschiedlicher Auffassung im Sinne Christi respektieren und lieben.»

S.F.
Beitragsbild: Bernfried Schnell

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