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Bischof Harald Rückert beim Ordinationsgottesdienst

Süddeutsche Methodistenkirche im Wandel

1. Juli 2021

Die Jährliche Konferenz (Synode) der Methodistenkirche in Süddeutschland tagte vom 16. bis 19. Juni mit einer virtuellen Übertragung aus Herrenberg und mit einer eintägigen Präsenzsitzung mit Abschlussgottesdienst am 20. Juni in Karlsruhe.

Die Mitglieder der Konferenz diskutierten den Bericht einer «Zukunftswerkstatt», die sich unter anderem mit den Folgen des Rückgangs der aktiven pastoralen Mitarbeiter:innen in den nächsten zehn Jahren beschäftigte. Die zur Babyboomer-Generation gehörenden starken Jahrgänge der Hauptamtlichen treten in dieser Zeit in den Ruhestand. Die dadurch absehbaren Veränderungen umfassen einen Zeithorizont von fünfzehn Jahren, der aktiv gestaltet werden soll.

Rolle der Pastor:innen im Wandel

Eine der wesentlichen Veränderungen betrifft die bisher übliche pastorale Arbeitsweise in der Zuordnung von einer Kirchgemeinde oder einem «Bezirk» aus mehreren Kirchgemeinden zu einer Pastorin oder einem Pastor. Künftig werde viel mehr in Teams von Hauptamtlichen, aber auch in Teams von Haupt- und Ehrenamtlichen gearbeitet werden müssen. Das verändere allerdings auch das Berufsbild und die Rolle der Pastor:innen, sodass Fragen der Teamentwicklung, Qualifizierung und Supervision stärker ins Blickfeld rücken müssten.

Die Konferenz eröffnete eine Pilotphase, um auf Basis des vorgelegten Berichts in einzelnen Regionen Ansätze auszuprobieren und auszuwerten. Hierzu wurde eine Personalstelle (50 Prozent) für Gemeindeberatung und Gemeindeentwicklung zur Begleitung dieser Prozesse beschlossen. Pastor Ulrich Ziegler (Ammerbuch-Entringen) wird mit dieser Aufgabe zusätzlich zu seinem dafür reduzierten Gemeindedienst betraut.

Kirchenformen im Wandel

Die vom Ausschuss für Evangelisation in den letzten Jahren angestossenen und von der Süddeutschen Konferenz befürworteten Gemeindegründungen nehmen Gestalt an. Bei den Gründungsprojekten in Bamberg und Ingolstadt gab es Verzögerungen durch die Pandemie. In Konstanz wird zusammen mit dem CVJM eine Gemeindegründung begonnen, die einen Schwerpunkt auf die «Millenials» (die Jahrgänge 1980 bis 2000) legen wird. Ausserdem wurde die Gründung einer neuen Gemeinde in der Innenstadt von Heilbronn beschlossen, die in ihrer inhaltlichen Arbeit auch die Themen Ökologie und Gerechtigkeit mit aufnehmen soll.

Darüber hinaus startet die Süddeutsche Konferenz die sogenannte «Connected Church» (Deutsch: verbundene Kirche), die als virtuelle Gemeinde «einen grossen Teil ihrer Arbeit in der digitalen Welt gestalten wird, um Christen an vielen Orten miteinander zu verbinden und Heimat zu bieten». Die Arbeit soll im Spätsommer dieses Jahres unter der Leitung von Pastor David Schwarz beginnen, der dafür seinen Arbeitsanteil in Ammerbuch-Entringen auf 50 Prozent reduziert, um mit dem anderen Anteil der Arbeitszeit die neue Arbeit aufzubauen.

Gesellschaftlichen Wandel kritisch begleiten

Das vom Ausschuss für christliche Erziehung vorgelegte «Positionspapier Rechtsradikalismus, Rassismus und Diskriminierung» machte die Konferenz sich zu Eigen. Es werde immer selbstverständlicher, «aus der Angst um die eigene Sicherheit, aus der Angst um den eigenen Wohlstand und aus der Angst, immer mehr Macht zu verlieren, andere Menschen auszugrenzen und im Netz zu diffamieren.» Mit dem Auftrag, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, verbinde sich Verheissung und Auftrag der Kirche, sich gesellschaftlich einzubringen.

Die Kinder- und Jugendarbeit verpflichtet sich deshalb dazu, ihre Arbeit unter antisemitismuskritischen und rassismuskritischen Gesichtspunkten weiterzuentwickeln. Ausserdem wird eine Ansprechstelle eingerichtet, damit Kinder, Jugendliche und Mitarbeiter, die Diskriminierung erfahren, sich dorthin wenden können. Ausserdem wird ein regelmässiges Antirassismustraining für Mitarbeiter organisiert.

Mit dem Klimawandel umgehen

Angesichts des auch gesellschaftlich vieldiskutierten Klimawandels hatte die Süddeutsche Konferenz den Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker zum Thema «Klimawandel: Vorsorge, aber nicht Angst!» eingeladen. Er unterstrich, dass es in den Herausforderungen des Klimawandels «politische Heldentaten» wie den «Green New Deal» für Europa brauche. Als Heldentat bezeichnete Weizsäcker auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 29. April dieses Jahres, weil dieses um der künftigen Generationen willen mehr Klimaschutz fordere. Neben Fortschritten im Energiesektor gehe es nach Sicht des 82-jährigen Wissenschaftlers auch um die Landwirtschaft und die Kreislaufwirtschaft, um die CO2-Emissionen zu reduzieren.

In dieser Hinsicht stecke die Kreislaufwirtschaft noch in den Kinderschuhen, und die Steigerung der Ressourceneffizienz habe auch noch unvorstellbares Potential. Es sei laut Weizsäcker möglich, «fünfmal mehr Kapazität aus einer Kilowattstunde oder aus Mineralien herauszaubern». In einem Zeithorizont von «zwar nicht zwanzig, aber von etwa hundert Jahren» werde es noch ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten geben. Die Lage sei ernst, aber trotzdem strahlte Weizsäcker eine Ruhe aus, die seine Formulierung «Vorsorge, aber nicht Angst!» eindrücklich untermauerte.

Personalia

Die Mitglieder der Konferenz bestätigten den Vorschlag des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit zur Neubesetzung der Leitung der methodistsichen Privatfunkagentur «Radio m». Pastor Stefan Reinhardt übernimmt ab Juli diese Aufgabe mit einer Teilbeauftragung einer halben Stelle. Er ist in dieser Funktion Nachfolger von Dagmar Köhring, die seit Anfang des Jahres wieder als Pastorin im Gemeindedienst in Weitefeld arbeitet.

Zwei Personen, Pastorin Almuth Zipf und Pastor David Schwarz, wurden im Rahmen des Abschlussgottesdienstes ordiniert. Zwei Frauen und vier Männer wurden auf Probe in den pastoralen Dienst aufgenommen, zwei Personen wurden als Lokalpastor:innen aufgenommen und vier Personen nehmen ihr einjähriges Praktikum für den Start in den pastoralen Dienst auf. Mit Erreichen der Altersgrenze oder aus gesundheitlichen Gründen gehen fünf Pastor:innen in den Ruhestand.

Statistisches

Die Zahl der Kirchgenglieder und Kirchenangehörigen am Ende des Berichtsjahrs 2020: 26.196 (Vorjahr: 27.290) Die Einnahmen mit 13.45 Millionen Euro (Vorjahr: 13.58 Euro) waren trotz Corona nahezu stabil (minus 1,1%); die Rückgänge (geringere Kollekten) konnten durch geringere Ausgaben im Wesentlichen ausgeglichen werden.

Klaus Ulrich Ruof, Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Pressesprecher emk.de
Beitragsbild: Bischof Harald Rückert beim Ordinationsgottesdienst zum Abschluss der Süddeutschen Jährlichen Konferenz in Karlsruhe mit den Ordinanden Pastor David Schwarz und Almuth Zipf. (Foto: Klaus Ulrich Ruof, emk.de)

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