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Ein Kind trägt Lavagestein

«Die Lava war noch am Dampfen»

13. Juli 2021

Nach dem Vulkanausbruch vom 22. Mai im Osten der Demokratischen Republik Kongo mussten sehr viele Personen fliehen und sind obdachlos geworden. Wie geht es diesen Menschen jetzt? Peter Hilty war in Goma im Einsatz und berichtet, wie er die Situation erlebt hat.

Peter Hilty ist Vorstandmitglied von 🔗Connexio, dem Hilfswerk der Methodistenkirche in der Schweiz. Zudem ist er Mitglied des 🔗Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe. Er unterstützte während drei Wochen das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in der Beurteilung von Gebäuden nach den vielen Erdbeben in Goma. An 30. Juni erzählte er Ulrich Bachmann, dem Geschäftsleiter von Connexio, in einem Telefongespräch vom Besuch der roten Zone, wie die Rolle der Kirche aussehen könnte und wie er seinen Einsatz verarbeitet.

Zurück zur Normalität

Gut sechs Wochen 🔗nach dem Vulkanausbruch herrsche in der Stadt Goma fast wieder normaler Betrieb, erzählte Peter Hilty. Die Märkte seien offen, es gäbe viel Verkehr. Die meisten der rund 400 000 Personen, die fliehen mussten, seien wieder zurückkehrt. Die Wasserversorgung sei Dank Hilfsorganisationen mehrheitlich gewährleistet und die umliegenden Gebiete, die von Goma her mit Nahrungsmitteln und wichtigen Gütern versorgt werden, seien nicht abgeschnitten.

Es bleibt schwierig

Peter Hilty berichtete weiter, dass rund 1500 Häuser von der Lava zerstört wurden. Man rechne mit etwa 75 000 bis 100 000 Personen, die nicht zurück können. Viele seien bei Freunden und Verwandten untergekommen oder sollen in Schulen oder Camps, die gebaut werden, Unterkunft finden. «Natürlich, wenn du in einem Camp, einer Schule oder einer Gastfamilie lebst, dann bist du nicht zurück in der Normalität», sgte Hilty. Viele fragten sich: Kann ich zurück und mein Haus wieder aufbauen? Was ist, wenn nicht? Es gäbe eine rote Zone, das Gebiet, wo Evakuierung verordnet wurde. Peter Hilty war dort: «Es regnete und die Lava dampfte noch. Doch viele haben mit Steinen bereits wieder ihre Grundstücke parzelliert.» Sie seien in Sorge um ihr Eigentum und fürchteten, dass andere ihr Land, das auch ihre Existenzgrundlage sei, besetzen könnten.

Und die Kirche?

Die Methodistenkirche leistet mit ihren begrenzten Mitteln und Unterstützung von Partnerorganisationen Nothilfe. Peter Hilty versuchte, ein Treffen zu organisieren, doch dies war nicht möglich. Wie sieht er die Rolle der Kirche? Man müsse hier die Grössenordnung sehen, meinte er. Die Kirche sei ein sehr kleiner Player unter den Hilfsorganisationen.

Hoffnung spenden

Wenn die Kirche in einem Quartier tätig sei und die Leute kenne, könne sie Lücken füllen. «Es ist allerdings schwierig, denn es werden dir wenige Betroffene sagen, dass sie schon Hilfe bekommen haben.» Ein grosses Potential sieht Peter Hilty dennoch: «Kann eine Kirche nicht auch Hoffnung spenden?» Viele Menschen, die fliehen mussten, seien traumatisiert. Die Kirche könne für diese Menschen da sein und allenfalls auch mit Organisationen vor Ort zusammenarbeiten.

Lokalen Personen angehängt

Wie geht es Peter Hilty, wenn er in seinem Einsatz die Not der Menschen unmittelbar erlebt? «Wenn ich an einem Ort ankomme, versuche ich mich immer zuerst zu erden.» Peter Hilty befragt lokale Personen und macht sich ein Bild der Situation. Allein unterwegs sei er nie, sondern hänge sich den lokalen Mitarbeitenden oder langjährigen Expats an und schaue, wie er Unterstützung bieten könne. Denn diese würden Kultur, Hintergründe und Sicherheitslage kennen.

Nähe und Distanz üben

Ansonsten sei es ein Abwägen zwischen persönlicher Anteilnahme und professioneller Distanz, stellt Peter Hilty fest. «Wenn du das nicht machst, kannst du nicht arbeiten», ist er überzeugt. Und Rücksicht sei ihm wichtig. Er frage Personen, die traumatisiert sein könnten, nicht, wie sie den Vulkanausbruch erlebt hätten. Wo aber eine Beziehung aufgebaut sei, frage er vielleicht nach, wie es zuhause, gehe und sei offen zuzuhören. Peter Hilty fasste zusammen: «Es ist beides: Die Freude, wenn man etwas bewirken kann, und auch ein etwas schaler Geschmack wegen dem, was nicht geht. Wir schauen auf das, was positiv ist. Ich kann nur einen kleinen Bruchteil zur Hilfe beitragen.»

Quelle: Peter Hilty, Ulrich Bachmann, Nicole Gutknecht
Beitragsbild: Peter Hilty (via Connexio)

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Connexio hat in Zusammenarbeit mit der Methodistenkirche im Kongo über 300 Familien mit Nahrungsmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs unterstützt. Connexio unterhält eine langjährige Partnerschaft mit der Methodistenkirche und unterstützt Projekte der Entwicklungs- und kirchlichen Zusammenarbeit.
Spendenkonto: EMK in der Schweiz, Connexio, Zürich, PC 87-537056-9, IBAN CH52 0900 0000 8753 7056

Das Schweizerische Korps für humanitäre Hilfe

Das Schweizerische Korps für humanitäre Hilfe (SKH) ist der operationelle Arm der Humanitären Hilfe der Schweiz. Seine Expertinnen und Experten werden vor Ort eingesetzt, um Projekte der DEZA und der UNO-Partner vor, während und nach Krisen und Konflikten durchzuführen.

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