Bezirk
Dejan Vasilev mit jungen Leuten

Manch­mal genügt schon ein Herz­schlag

13. Dezember 2021

Viele junge Menschen in Nord-Mazedonien sehen keine Zukunft in ihrem Land und verlassen ihre Heimat, weil sie sich anderswo bessere Perspektiven erhoffen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – setzt sich Dejan Vasilev mit einem weiten Herzen für Jugendliche und junge Erwachsene ein.

Es war an einem Sonntag im Jahr 2018. Am Vormittag hatten die Mitglieder der methodistischen Gemeinde in Skopje sowie zahlreiche Gäste einen Gottesdienst gefeiert. Dann waren alle geblieben – zum Mittagessen und zu einer Zeit der Gemeinschaft. Einige Personen teilten ihr Herz und erzählten, wie Gott sie über Jahrzehnte hinweg in liebevoller Treue geführt und versorgt hatte – auch wenn sie mit grossen Problemen seitens der damaligen Regierungen konfrontiert waren.

Ermutigende Erfahrungen

Dieses Teilen von traurigen und hoffnungsvollen Momenten war für die ganze Gemeinde eine starke Erfahrung. Eine Erfahrung, die gerade auch für die Jungen zu einer Ermutigung im Blick auf herausfordernde Zeiten wurde. So erlebte es jedenfalls der damals 32-jährige Lokalpastor Dejan Vasilev. «Wenn der Herr die Menschen in der Vergangenheit geführt und für sie gesorgt hat, wird er das auch weiterhin tun. Jetzt und in aller Zukunft.» Für Vasilev ist dies ein Fundament, auf das sich im Angesicht von Ungewissheit und Zweifeln bauen lässt.

Wachsendes Engagement

Der Mitarbeiter der Methodistenkirche in Nord-Mazedonien stammt aus Monospitovo, einem Dorf im südöstlichen Teil des Landes. Nach ersten Predigterfahrungen in Jugendgottesdiensten wurde sein Engagement in der Kirche immer umfassender. Gemeinsam mit anderen organisierte er zum Beispiel Arbeitseinsätze in der Gemeinde sowie Besuche und Hilfsangebote für Menschen in Not – insbesondere für Menschen mit einer Behinderung. Schon damals war ihm aber auch das Unterwegssein mit Kindern und Jugendlichen ein Herzensanliegen. Er erlebte dankbar, wie Menschen ermutigt wurden – und dies bestärkte ihn in der Überzeugung, dass es möglich ist, ein Stück Welt zu verändern. Erst recht, wo Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit zusammenarbeiten.

Beziehungen vertiefen sich

Als Vasilev im Jahr 2015 von der Kirche nach Skopje gesandt wurde, gab ihm dies die Möglichkeit, in der dortigen methodistischen Gemeinde viele neue Erfahrungen zu sammeln. Er erwarb neue Kenntnisse, entwickelte neue Fähigkeiten und lernte neue Menschen mit ihren ganz spezifischen Lebens- und Handlungsweisen kennen. Dies weckte den Wunsch in ihm, zusammen mit anderen auch für eine Erneuerung des Lebens der Gemeinde zu beten. Vielleicht war es kein Zufall, dass sich als erste Folge der Gebete die Beziehungen der Menschen untereinander vertieften.

Unterwegs mit jungen Menschen

Dann übernahm Vasilev die Verantwortung für die landesweite Arbeit mit jungen Menschen. Er organisierte Seminare, Schulungen und Lager – immer mit dem Ziel, den Teilnehmenden für ihren Lebens- und Glaubensweg Quellen der Hilfe, der Ermutigung und der Hoffnung zu zeigen. «Das Leben Vieler veränderte sich in eine neue Richtung», erinnert er sich. Als Folge davon gab es eine Erneuerung der Jugendgruppen, und viele begannen, sich in ihren Gemeinden zu engagieren. «Wenn es in der Kirche Arbeitseinsätze gibt, war es ermutigend zu sehen, dass mehr Menschen kamen, um zu helfen. In unseren Gottesdiensten konnten wir das Potenzial musikalisch begabter Menschen nutzen und das gemeinsame Singen während der Gottesdienste verbessern», so Vasilev dankbar.

Bis 2019 war auf landesweiter Ebene eine Generation hoffnungsvoller junger Menschen herangewachsen, die Verantwortung für die Kinder- und Jugendgruppen in den Gemeinden übernahm. Junge Menschen, «die ihre Kirche lieben, auch wenn sie nicht regelmässig in die Kirche gehen», wie es Vasilev formuliert.

Bibel-Workshop oder Sport?

Jennifer Moore, US-amerikanische Missionarin in Nord-Mazedonien, beschreibt Vasilevs Haltung anhand einer Erfahrung im Sommercamp 2021: «Wir hatten Kreativ- und Sport-Workshops – und den Workshop von Dejan Vasilev über das Lesen der Bibel. Um ehrlich zu sein: Ich war skeptisch, ob der überhaupt auf Interesse stossen würde. Ein junger Mann kam zu mir und sagte: ‹Ich bin mir nicht sicher, ob ich zum Bibel-Workshop oder zum Sport gehen soll. Aber wenn ich zum Sport gehe, muss ich zurück in mein Zimmer und meine Schuhe wechseln.› Dann gestand er mir kleinlaut: ‹Ich habe noch nie in der Bibel gelesen.› Es tat mir leid, dass er dachte, er könnte dafür verurteilt werden, dass er noch nie eine Bibel aufgeschlagen hatte. So sagte ich ihm, er solle seine Schuhe wechseln, dann könne er den Bibel-Workshop ausprobieren, und wenn es ihm nicht gefalle, könne er immer noch zum Sport wechseln. Er ging zu Dejans Workshop – und blieb dort. Beim Abendessen konnte der junge Mann nicht aufhören, darüber zu sprechen, wie wunderbar es gewesen sei, mit Dejan zusammenzusitzen und all seine Fragen auf wertschätzende und so ermutigende und hilfreiche Weise beantwortet zu bekommen.»

Dejan Vasilev träumt von einer hoffnungsvollen Zukunft für junge Menschen. Dies prägt sein Engagement in der Gegenwart. Oft ist unspektakulär. Aber um es mit Worten von Klaus Seibold zu sagen: «Das Leben braucht nicht immer das ‹grosse Orchester›. Manchmal genügt schon ein Herzschlag.»

Urs Schweizer, Assistent des Bischofs, Zürich (Schweiz)
Quellen: Dejan Vasilev / Nena Arsova / Jennifer Moore
Beitragsbild: zVg

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Dejan Vasilev lebt mit seiner Frau Reveka (29) und ihrem Sohn in Murtino. Er arbeitet als Lokalpastor in Murtino und Kolešino.
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