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Bild: Bischof Eduard Khegay

Tag der Trauer in Kasachstan

10. Januar 2022

Der methodistische Bischof Eduard Khegay lenkt in einem Facebook-Eintrag das Augenmerk auf die Ereignisse in Kasachstan und bittet um Gebet.

Der heutige Montag, 10. Januar 2022, sei in Kasachstan «ein Tag der Trauer um die bei Unruhen Getöteten», schreibt Eduard Khegay, der in der 🔗Zentralkonferenz Nordeuropa und Eurasien 🔗für das Gebiet Eurasien zuständige Bischof der Methodistenkirche, 🔗in einem Beitrag auf Facebook.

Unruhen und Plünderungen

Es sei kaum zu glauben, «was letzte Woche in vielen Städten Kasachstans passiert ist». Besonders die im äussersten Südosten des Landes gelegene ehemalige Hauptstadt Almaty sei «von der grössten Welle von Unruhen, Plünderungen, Morden, Bränden und Schiessereien betroffen gewesen». Die Stadt selbst beschreibt Khegay als eine, die erfüllt gewesen sei «von Liebe und Intelligenz, Gastfreundschaft und Humor, der Schönheit der Berge und der Musik».

Kontakt zu Verwandten erschwert

Der seit 2013 für das Bischofsgebiet Eurasien zuständige Khegay ist in Almaty geboren und aufgewachsen. Sein Bruder und seine Schwester lebten nach wie vor dort, schreibt er, sowie «viele weitere Verwandte, Kollegen, Gemeindemitglieder, Klassenkameraden, Freunde und Bekannte». Wegen des unterbrochenen Internets sei es nahezu unmöglich, Familie und Freunde auf digitalem Wege zu erreichen. Über Festnetztelefon habe er inzwischen Nachricht, «dass es ihnen gut geht».

Wer kann trösten?

Khegay richtet das Augenmerk auf «die vielen Bewohner von Almaty, die heute trauern», und fragt eindringlich: «Wie kann man den Vater eines neunzehnjährigen Kadetten trösten? Wer wischt den Eltern des erschossenen elfjährigen Kindes die Tränen ab?» – «Bitte betet für Kasachstan», schreibt Khegay.

Verschärftes Religionsgesetz

Laut einer 🔗Meldung des christlichen Hilfswerks «Open Doors», das sich besonders für verfolgte Christ:innen einsetzt, sind Christ:innen und andere religiöse Minderheiten in Kasachstan durch eine geplante Verschärfung der existierenden Religionsgesetze noch stärker bedroht als zuvor schon. Am 29. Dezember hatte der kasachische Präsident Tokayev eine Änderungsvorlage des bestehenden Religionsgesetzes unterzeichnet. Diese sieht eine Genehmigungspflicht für jede Art von Veranstaltung mit religiösem Charakter ausserhalb dafür registrierter Räumlichkeiten vor.

Gemeinden treffen sich heimlich

Die Umsetzung der sehr detaillierten Auflagen würde vor enorme Hürden stellen und sei besonders für religiöse Gemeinschaften problematisch, die über kein eigenes Kirchengebäude verfügten, sondern sich in privaten Räumen treffen würden. Die bisher schon sehr hinderlichen Religionsgesetze hätten bereits zur Überwachung von Veranstaltungen, Razzien und Festnahmen von Christ:innen geführt. Zahlreiche christliche Gemeinden würden sich deshalb bereits jetzt heimlich treffen. Die geplanten Änderungen würden die Situation der Christ:innen im Land noch weiter verschärfen.

Klaus Ulrich Ruof, emk.de
Beitragsbild: Bischof Eduard Khegay, (Foto: Klaus Ulrich Ruof, emk.de)

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Die Methodistenkirche in Eurasien

Ende des 19. Jahrhunderts begann der Methodismus von Schweden aus zunächst in St. Petersburg Fuss zu fassen und breitete sich von dort aus in andere Regionen Russlands aus. Nach dem Zerfall der Sowjetunion, Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre, erfolgte eine neue methodistische Bewegung, die vielerorts an frühere methodistische Arbeiten anknüpfte und neue Regionen erschloss. Daran beteiligt waren besonders Missionare aus den Vereinigten Staaten von Amerika sowie aus Deutschland, Korea und Liberia. Grossen Einfluss hatte die Methodistenkirche in Estland, die zur Ausbreitung des Methodismus in Russland und in den ehemals zur Sowjetunion gehörenden Staaten verhalf. In Kasachstan gibt es 5 Gemeinden mit 150 Kirchengliedern und eine Bibelgruppe.

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In Afrika, Europa und auf den Philippinen bilden die Jährlichen Konferenzen (Synoden) einer grösseren Region sogenannte Zentralkonferenzen. In Europa sind dies die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa, die Zentralkonferenz Nordeuropa und Eurasien sowie die Zentralkonferenz Deutschland. Diese drei Zentralkonferenzen erstrecken sich über 32 Länder und zehn Zeitzonen in Europa und Asien. Die Zentralkonferenz bildet eine administrative Einheit, die die gemeinsame Arbeit und Mission koordiniert und auch ihren Bischof oder ihre Bischöfin wählt. Die an eine Zentralkonferenz entsandten Delegierten sind zu gleichen Teilen Laien und pastorale Mitglieder. Die Jährliche Konferenz (Synode) Schweiz-Frankreich-Nordafrika ist Teil der 🔗Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa, deren Bischof seit 2006 Dr. Patrick Streiff (Zürich) ist. 15 weitere Länder von Polen bis Nordafrika gehören zu dieser Zentralkonferenz.