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Bild: Koch im Gespräch mit Gästen im «Tellerrand»

Methodisten in Burgdorf schauen über den «Tellerrand»

2. Februar 2022

An der Bahnhofstrasse 12 in Burgdorf ist ein besonderes Bistro entstanden. Die Methodist:innen haben dort das Bistro «Tellerrand» eröffnet. Kirche wird hier in einer anderen Form gelebt.

Im Bistro «Tellerrand» in Burgdorf kochen Muslime Spaghetti, Geflüchtete servieren, Menschen ohne Arbeit helfen beim Aufräumen. Die Gäste freuen sich über das feine Essen, das kurze Gebet oder den kurzen Input, der Mut macht und zum Gespräch anregt.

Nicht alleine essen

«Das Essen und alles ist ausgezeichnet. Aber wisst ihr was noch besser ist? Ich muss nicht allein zu Hause essen!», sagt jemand von den Besucher:innen. Und jemand anders ergänzt: «Ich freue mich, hierher zu kommen und Leute zu treffen. Das ist für mich Therapie.» Jeden Mittwoch öffnet das Bistro die Türen. Zwischen 10 und 20 Personen kommen meistens. Der Koch und wenige andere Personen erhalten für ihren Einsatz eine kleine Entschädigung.

Rauchende Köpfe

Gestartet ist das Projekt ist am 1. September 2021. Aus einem Entwicklungsprozess in der Methodistengemeinde hatten die Verantwortlichen in der Methodistenkirche in Burgdorf den Auftrag erhalten, etwas Neues zu planen. Anfang Mai 2021 fand die erste Sitzung des Gemeinde-Teams der Methodist:innen in Burgdorf statt. «Die Sitzung war vergleichbar mit der Eruption eines Vulkans», erinnert sich Stefan Hess von der Methodistenkirche in Burgdorf. «Am Ende der Sitzung rauchten die Köpfe.»

Zeitdruck und viele Fragen

Drei Flipcharts hatte das Team an diesem Abend im Mai vollgeschrieben mit Ideen, Aufgaben, Konzepten, Terminen. Darunter auch der 1. September 2021, an dem das Projekt «Tellerrand» starten sollte. Nur noch knapp vier Monate Zeit blieben. «Wir waren unsicher», sagt Stefan Hess. «Haben wir uns zu viel vorgenommen? Reicht die Zeit?» Vieles musste geplant und organisiert werden. Würden genügend Leute zur Verfügung stehen, um den Betrieb zu ermöglichen? – «Wir diskutierten und stritten», erinnert sich Hess.

«Wir sind nicht perfekt»

Doch das Wunder wurde möglich. «Zwei grosse Spenden gaben uns finanzielle Sicherheit und wir konnten beginnen.» Eine Woche vor der Eröffnung wurden die Einladungen verteilt. «Wir, das aufgestellte, bunte Team freuen uns, dich als Gast zu begrüssen», war darauf zu lesen, und: «Wir sind nicht perfekt und passen in vielem in kein übliches Arbeits- und Lebens-Schema. Miteinander wollen wir etwas bewegen, das Herzen berührt.»

Über den Tellerrand schauen

«Der Name ‹Tellerrand› spiegelt wider, was wir als Gemeinde-Team wollen», sagt Hess. «Wir wollen mit Menschen unterwegs sein. Nicht wir als Christen und Christinnen untereinander, sondern miteinander als Christen, Muslimas, Arbeitslose, Geflüchtete. Als Menschen, die in kein übliches Lebensschema passen. So wollen wir miteinander Kirche sein, miteinander über den Tellerrand schauen.»

Abendmahl in neuer Form

Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Hier wird Kirche in einer anderen Form Wirklichkeit. «Wenn wir gemeinsam Essen und reden, dann ist es, als ob Christus unseren Gästen begegnet», sagt Hess. «Es ist Abendmahl. Anstelle von Brot und Wein, gibt’s Spaghetti, Salat und Wasser. ‹Kommt und esst! Es ist alles bereit.›»

Es gibt noch viel zu tun

Der Anfang ist gemacht. Das ist viel. Doch es gibt auch noch viel zu tun: «Heute sind wir noch nicht dort, wo wir sein wollen», sagt Hess. «Wir wollen einen Verein gründen und die Mittelbeschaffung verbessern.» Das Projekt soll den Haushalt der lokalen methodistischen Gemeinde nicht belasten. Die Helfenden sollen jedoch immer eine Entschädigung erhalten.

Mit den Leuten zusammen planen

Die Verantwortlichen planen auch, die Öffnungszeiten auf den Nachmittag hin zu verschieben. «Wir überlegen uns, wie wir die Nachmittage gestalten wollen und können. Vielleicht entsteht am Nachmittag wieder eine Art ‹Bibelstunde›, in der die Gäste Themen diskutieren können, die sie beschäftigen», sagt Hess. Was genau die Zukunft bringt, ist offen. «Unser Ziel ist es, eine Gemeinschaft mit den Menschen zusammen zu bauen», betont Hess. «Alle können sich mit ihren Gaben einbringen. Alle sind willkommen. Alle haben Platz – am Tisch von Jesus Christus.»

S.F. / Stefan Hess, EMK Burgdorf
Beitragbild: zVg

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