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Bild: Familie mit Miroslawa

Miroslawa – geboren auf der Flucht

10. März 2022

Die Zahl der Men­schen, die in den ver­gangenen Tagen aus der Ukraine in die west­lichen Nachbar­länder ge­flohen sind, be­läuft sich bereits auf mehr als 2 Millionen. Und doch: Es sind nicht einfach «Ströme». Es sind un­vorstell­bar viele ein­zelne Men­schen mit ihrer je eigenen Iden­tität und Ge­schichte, die sich auf­gemacht haben, um an einem sicheren Ort Schutz und Zuflucht zu suchen.

Die siebenköpfige Familie war unterwegs aus Charkiw, der zweitgrössten Stadt der Ukraine, Richtung Westen. Sie überquerten die Grenze nach Polen und kamen nach Radom. In dieser Stadt 100 km südlich von Warschau wurde die Reise plötzlich unterbrochen. Die hochschwangere Frau konnte nicht mehr weiter, weil die Geburt ihres Kindes begonnen hatte.

Karte: OpenStreetMap-Mitwirkende
© OpenStreetMap-Mitwirkende, Open-Database-Lizenz

Ein sprechender Name

Vater und Mutter gaben dem Neugeborenen den Namen «Miroslawa» – die Friedliebende. Ein Ausdruck tiefster Sehnsucht? Ein Wunsch, dass sich das Gute und Hoffnungsvolle als stärker erweisen möge als das Grausame und Zerstörerische dieser Tage?

Zweierlei Gottesdienst

Zwei Tage später kamen sie nach Warschau, wo sie in der methodistischen Gemeinde Zuflucht fanden – wie schon mehr als 100 Personen in den Tagen zuvor. Sie schlafen auf Matratzen, die in den Kirchensaal gelegt werden. Am Sonntag, wenn Gottesdienst gefeiert wird, werden die Matratzen zur Seite geräumt. Aber vielleicht ist das, was unter der Woche geschieht, mindestens so sehr Gottesdienst.

Versorgt und betreut

Die Flüchtlinge erhalten zu essen, Kleider, Hygieneartikel. In Pfarrer Andrzej Malicki finden sie einen Seelsorger, mit dem sie sich auch ohne Englisch-Kenntnisse verständigen können. Der ihnen zuhört, mit ihnen betet, mit ihnen in der Bibel liest. Der mit ihnen auch die Frage aushält: Und wo ist Gott?

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Flücht­lingen ge­zielt hel­fen

Connexio develop, die Or­ga­nisa­tion für Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit der Metho­disten­kirche in der Schweiz unter­stützt Initiativen und Projekte für Flüchtlinge in Polen, Rumänien, Ungarn und der Slowakei.
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(Vermerk: «Nothilfe Ukraine»)
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Die Verantwortlichen in Warschau sind daran, einen neuen Raum für Flüchtlinge herzurichten, um die Kapazitäten zu erweitern. Dank der Unterstützung aus den USA, aus Deutschland und aus der Schweiz können die Verantwortlichen der Methodistenkirche Matratzen kaufen, Kissen, Schlafsäcke, Kleider, Schuhe. Und natürlich Lebensmittel.

Duchgangsstation

Sehr viele Menschen aus der Ukraine, die in einem ersten Schritt nach Polen fliehen, fahren über Warschau. Entsprechend voll sind die Bahnsteige der polnischen Hauptstadt. Meistens bleiben die Menschen in Warschau nur zwei Nächte, kommen zur Ruhe, stärken sich. Dann reisen sie weiter, und neue Menschen finden Zuflucht, Stärkung, Kleidung.

Kirchen bereiten Räume vor

Zahlreiche methodistische Gemeinden in Polen sind auf ähnliche Weise aktiv und versuchen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Not der Menschen aus der Ukraine zu lindern. In Stare Juchy, wo die Kirche ein Jugendzentrum mit einer entsprechenden Beherbergungs-Infrastruktur besitzt, werden gerade Vorbereitungen getroffen, um ebenfalls Flüchtlinge aufzunehmen.

Wenn sie auch nicht alle ein neugeborenes Mädchen mit Namen Miroslawa unterbringen: die Hoffnung auf Frieden eint sie. Und der Wille, diesen in den herausfordernden Erfahrungen dieser Tage zu leben.

Urs Schweizer, Assistent von Bischof Patrick Streiff / Quelle: Superintendent Andrzej Malicki, Warschau
Beitragsbilder: Miroslawa und ihre Geschwister und Eltern. Normalerweise dürfen Männer nicht aus der Ukraine ausreisen. Wenn sie drei oder mehr Kinder haben, dürfen sie jedoch ausreisen.  (Bild: zVg), Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende, Open-Database-Lizenz

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