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Symbolbild: Ukrainische Flagge und Getreide

Krieg, Hunger, Armut – ein Teufelskreis

12. März 2022

Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat Folgen. Unmittelbar spürbar ist das bei den Rohstoffpreisen. Doch weltweit wird dieser Krieg viele Menschen weitaus härter treffen. – Ein Kommentar von Ulrich Bachmann.

Wo Krieg ist, ist Hunger nicht fern. Der brutale und sinnlose Krieg in der Ukraine bringt nicht nur unermessliches Leid über die Zivilbevölkerung, sondern zieht schon bereits jetzt viel grössere Kreise.

Schon vor Kriegsbeginn verzeichneten die Preise für Getreide und andere Grundnahrungsmittel Höchststände auf den Weltmärkten. Der Wirtschaftseinbruch, verursacht durch die Pandemie und die ungünstigen Wetterbedingungen in den letzten Jahren, waren wichtige Preistreiber.

Armut, Hunger, Krieg

Die Ukraine ist weltweit eine der wichtigsten Kornkammern. Mindestens 12% der auf den Weltmärkten gehandelten Kalorien kommen aus der Region des Schwarzen Meers. 40% der Getreideexporte der Ukraine gehen in den Nahen Osten und Afrika, eine Weltregion, die permanent mit Mangelernährung und Hunger zu kämpfen hat. Nach Ausbruch des Kriegs sind die Preise an der wichtigen Getreidebörse in Chicago weiter in die Höhe geschossen.

Änderungen im Preisgefüge können weltweit massive Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit und Armut haben und sogar Mangelernährung und Hunger auslösen. Die Finanzkrise 2008 hat am Beispiel von Nordafrika gezeigt, dass mit steigenden Nahrungsmittelpreisen sehr schnell Unruhen und Konflikte entstehen können.

Schon vor dem Krieg in der Ukraine litt weltweit eine von zehn Personen unter Mangelernährung. In den letzten zwei Jahren glitten Millionen von Menschen infolge der Pandemie und extremer Wetterbedingungen in die Armut ab und sind mit Mangelernährung konfrontiert.

Lateinamerika und Ägypten

In vielen Ländern Lateinamerikas bildeten sich bereits vor dem Krieg immer längere Menschenschlangen vor Suppenküchen, die warme Mahlzeiten an Menschen abgeben, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können. In Ägypten werden die Brotpreise massiv subventioniert, um soziale Unruhen zu vermeiden.

Der Krieg in der Ukraine ist nicht nur für die Menschen dort, sondern für alle Menschen, die in Armut leben, eine riesige Katastrophe. Einmal mehr sind die in Armut lebenden Menschen die Leidtragenden. Die nachhaltigen Entwicklungsziele werden zusätzlich zur Pandemie einen weiteren schweren Dämpfer erleiden. Die Vision einer gerechten Welt ohne Armut und Hunger rückt weiter in die Ferne.

Aufrüstung ist keine Lösung

Die aktuelle Diskussion über eine Aufrüstung des Westens mag mittelfristig das Gleichgewicht des Schreckens teilweise sicherstellen, wird aber keines der akuten und existenziellen Probleme der Menschheit lösen. Krieg muss ausnahmslos weltweit mit aller Kraft geächtet und Kriegstreiber müssen zur Verantwortung gezogen werden.

Anstatt neue, noch tödlichere und effizientere Waffensysteme zu entwickeln, müssten die klügsten Köpfe nach Mechanismen forschen, wie auch autoritäre Staaten und Regierungen in ein Regelwerk der Weltgemeinschaft eingebunden werden können, das eine gewaltfreie Konfliktlösung ermöglicht und die Rechtsstaatlichkeit und die Zivilgesellschaft gleichzeitig fördert. Wollen wir der Menschheit eine Chance geben, in einer Welt zu leben, in der alle Menschen ein würdevolles Leben führen können, müssen wir Krieg, Ungerechtigkeit und Armut überwinden.

S.F.
Beitragsbild: ilonamaksimova13, pixabay und jorono, pixabay

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Ulrich Bachmann

Bild: Ulrich Bachmann … ist Geschäftsleiter von 🔗Connexio develop, der Organisation für Entwicklungszusammenarbeit, und 🔗Connexio hope, der Organisation für kirchliche Zusammenarbeit der Methodistenkirche in der Schweiz.