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Bild Svetlana und Oleg singen im Gottesdienst in Bäretswil

Gäste aus der Ukraine im Gottesdienst der Methodisten in Bäretswil

11. April 2022

Der Krieg in der Ukraine zwingt Menschen auf die Flucht. Mitten in der Not können daraus auch überraschend positive Erfahrungen entstehen. Das zeigt sich in der kleinen methodistischen Kirchgemeinde in Bäretswil.

Normalerweise treffen sich in der 🔗Methodistenkirche in Bäretswil sonntags 25 bis 30 Personen zum Gottesdienst. In den letzten Gottesdiensten sind acht ukrainische Gäste zusätzlich in den Gottesdienst gekommen. Eine schöne Herausforderung! Svetlana und Oleg kommen aus dem Süden der Ukraine. Ihre Heimatstadt 🔗Perwomajsk, in der Nähe von 🔗Mykolajiw, hat rund 60 000 Einwohner:innen. Sie wohnten dort mitten in der Stadt in einem Block mit 100 Wohnungen. Als Christen wollen sie nicht töten und Krieg führen und haben sich deshalb mit ihrer Familie auf die Flucht aus ihrem Land gemacht. Da sie vier Kinder haben, durfte auch der Vater ausreisen. Dafür sind sie sehr dankbar.

Von der Stadt aufs Land

Ein neues Zuhause fanden sie bei Regula und Theo Meier in Bettswil, einem kleinen Weiler ausserhalb von Bäretswil mit nicht einmal 100 Einwohnern. «Wer kommt da wohl?» haben Meiers sich gefragt. Sie hatten sich auf der Website 🔗kirchen-helfen.ch registriert und ihre Missionars-Wohnung als Unterkunft für Flüchtlinge angeboten. «Es ist für uns ein besonderes Geschenk, dass wir eine christliche Familie bekommen durften», betont Theo. Dank der Möglichkeit von vier Schlafstellen in einer freien «Stöckli-Wohnung» in der Nachbarschaft, kann nun die ganze Familie zusammen sein. Die Essen nehmen sie gemeinsam am grossen Tisch der Familie Meier ein.

Von Russisch nach Deutsch

Eine besondere Herausforderung ist die Sprache. Die ukrainischen Gäste sprechen kein Wort Deutsch oder Englisch, sondern nur Russisch. «Und wir verstehen kein Wort Russisch» sagt Regula Meier. Wie kann man sich trotzdem unterhalten, absprechen, Interesse zeigen oder ein Interview führen? – Mittels eines Übersetzungsprogrammes auf dem Mobilgerät oder dem Computer. Das Gespräch ist nicht einfach, aber mit ein bisschen Gewöhnungszeit und Übung gelingt es, sich miteinander zu unterhalten. Es gibt aber auch eine Sprache, die nicht übersetzt werden muss. «Wir spüren von euch viel Liebe und erfahren eine grosse Gastfreundschaft» bestätigt Svetlana. Und umgekehrt berichten Meiers von der enormen Hilfsbereitschaft der Gastfamilie.

Von einer charismatischen zu einer methodistischen Gemeinde

Am ersten Sonntag in der Schweiz wurden sie in den Gottesdienst der Methodistenkirche in Bäretswil eingeladen. Und sie haben die Einladung gerne angenommen. Im nächsten Gottesdienst sangen sie ein Lied auf Russisch, dessen Text auf der Leinwand zu sehen war. Dank eines Übersetzungsprogramms konnte die ganze Predigt auf Russisch übersetzt und schriftlich abgegeben werden. «Ich musste für meine Predigt nochmals eine ganz neue Hörerbesinnung machen und nur für Schweizer verständliche Hinweise oder Begriffe neu formulieren, so dass sie auch für Ukrainer nachvollziehbar sind», betont der Pfarrer der Gemeinde. Es ist seine erste Predigt, die es jetzt auch in Russisch gibt, meint er schmunzelnd.

Oleg ist Ältester in einer charismatischen Gemeinde in Mikolajiev. «Die Lieder dort sind etwas mehr…»  und dann stampft er mit dem Fuss einen raschen Rhythmus. Wir hatten uns verstanden! Es ist anders, als sie es sich gewohnt sind, aber «wir spüren Gottes Geist im Gottesdienst bei euch» betonen sie mehrmals. Dass an diesem Sonntag auch ein Gemeindezmittag stattfand, war eine besondere Gelegenheit, vertieft mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Vom Kirchensaal zum Schulzimmer

In der politischen Gemeinde Bäretswil sind inzwischen etwa 30 Flüchtlinge aus der Ukraine eingetroffen. «Als Schulbehörde legen wir Wert darauf, dass auch die Eltern von fremdsprachigen Kindern möglichst schnell ebenfalls Deutsch lernen» sagt Theo Meier, der auch Präsident der Schulbehörde Bäretswil ist.

Eine qualifizierte Deutschlehrerin konnte verpflichtet werden. Als Schulraum dient nun der Kirchenraum der methodistischen Friedenskirche. «Das dies so möglich war, ist der Verdienst von vielen Leuten, dies sich ‘ins Zeug gelegt’ haben» betont Theo Meier. Die «Friedenskirche» darf in dieser Weise ihrem Namen auf besondere Art und Weise gerecht werden. Die Gemeinde ist dankbar, dass sie so mit den Mitteln helfen kann, die ihr zur Verfügung stehen. Sie betont aber auch, dass sie durch die ukrainischen Gäste selbst beschenkt wird.

Markus Bach
Beitragsbild: zVg

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