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Bild: Bischof Bickerton und Bischöfin Harvey

Bischofsrat: Kirche für das nächste Kapitel der Geschichte positionieren

3. Mai 2022

Der Bischofs­rat der welt­weiten Metho­disten­kirche tagte er­neut on­line. Die Grün­dung einer neuen, tradi­tionell aus­gerichteten metho­distischen Kirche, die Hilfs­aktionen durch Metho­dist:innen für Flücht­linge aus der Ukraine und der Wech­sel im Prä­sidium des Bischofs­rats waren wich­tige Themen.

Ein letztes Mal wurde die virtuelle Sitzung des Bischofsrates der weltweiten Methodistenkirche vom 25. bis 29. April von Bischöfin Cynthia Fierro Harvey geleitet. Am Ende der Tagung übergab die für das Bischofsgebiet von Louisiana (USA) zuständige Bischöfin den Vorsitz turnusgemäss nach zwei Jahren an Bischof Thomas J. Bickerton, der für das Bischofsgebiet von New York (USA) zuständig ist.

Zahlreiche «Premieren»

Ihre Amtszeit sei von einer ganzen Reihe von «Premieren» gekennzeichnet gewesen, sagte Harvey zu Beginn der Tagung. Als erste hispanische Frau hatte sie die Leitung des Bischofsrates übernommen. Während ihrer Amtszeit konnte sich der Bischofsrat ausschliesslich virtuell treffen. Statt der üblichen zwei Tagungen im Jahr war diese letzte von ihr geleitete Sitzung bereits die 14. Die Pandemie habe die kirchliche Arbeit während ihrer Amtszeit schlagartig verändert, sagt Harvey. Dreimal musste aus diesem Grund auch die 🔗Generalkonferenz, das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (United Methodist Church), verschoben werden. Als Folge dieser Verschiebung konnten zudem keine neuen Bischöfinnen und Bischöfe mehr gewählt werden. Statt 66 sind heute nur noch 54 Bischöfinnen und Bischöfe im Amt.

Traurige Wirklichkeit

An ihrem Treffen nahmen die Bischöfinnen und Bischöfe zur Kenntnis, was Bischof Bickerton als «traurige und ernüchternde Realität» bezeichnete: die Gründung der Global Methodist Church am 1. Mai. Mit ihr entstand eine neue, theologisch konservative methodistischen Kirche.

Die Organisatoren der Global Methodist Church trennen sich von der United Methodist Church, weil sich in der Debatte um die Beurteilung der Homosexualität in den letzten Jahren innerhalb der Methodistenkirche eine immer tiefere Spaltung zeigte. Der nächsten Tagung der Generalkonferenz liegen mehrere Vorschläge für versöhnliche Formen der Trennung vor. Nachdem die Tagung jedoch wegen der Pandemie zum dritten Mal verschoben wurde, beschlossen die Organisatoren der Global Methodist Church, nicht länger zu warten.

Ein stiller Anfang

Im Gegensatz zu den oft lautstark öffentlich und hitzig geführten Debatten über die Ordination und Heirat von LGBTQ-Methodist:innen geschah die Gründung der Global Methodist Church am 1. Mai «ohne Fanfare, aber voller Hoffnung, Glauben und Beharrlichkeit», wie Pfarrer Keith Boyette es in einem 🔗Statement auf der Website der neuen Kirche formulierte.

«Die Global Methodist Church wird am 1. Mai aus der Taufe gehoben, weil keine Ortskirche, keine Jährliche Konferenz und kein Pastor ihr beitreten kann, solange sie nicht tatsächlich existiert», schreibt Boyette weiter. Wieviele methodistische Kirchgemeinden oder Jährliche Konferenzen (Synoden) der neuen Denomination beitreten werden, könne allerdings niemand sagen.

Fragwürdiges Vorgehen

Die 🔗Methodist:innen in Bulgarien und Rumänien hatten in einer besonderen Versammlung anlässlich der Tagung ihrer Synode den Beschluss gefasst, der Global Methodist Church am 1. Mai beitreten zu wollen – erstere am 1. Mai 2022, letztere so bald wie möglich. Allerdings muss der Rechtsrat der Kirche erst noch darüber befinden, ob die Abstimmung nicht gegen das Kirchenrecht verstösst. So jedenfalls hatte der zuständige Bischof Patrick Streiff 🔗die Situation beurteilt.

Vor dem Hintergrund dieser Entscheidung in Bulgarien und Rumänien und der Reaktionen darauf seitens der Verantwortlichen der Global Methodist Church hatten die europäischen Bischöfe Christian Alsted (Nordeuropa und Baltikum), Harald Rückert (Deutschland) und Patrick Streiff (Mittel- und Südeuropa) 🔗in einem offenen Brief Stellung bezogen. Sie stellen dabei den Entscheid der Methodist:innen in Bulgarien und Rumänien, die United Methodist zu verlassen, nicht in Frage. Hingegen beurteilen die Bischöfe die Reaktion seitens wichtiger Entscheidungsträger aus dem Umfeld der Global Methodist Church als problematisch.

Aktuelle Herausforderungen

Es wird Zeit in Anspruch nehmen, die rechtlichen und menschlichen Fragen in diesem Trennungsprozess zu klären. Ganz aktuell gefordert und engagiert sind Methodist:innen indes durch die humanitären Folgen der russischen Invasion in der Ukraine. An ihrer Frühjahrstagung erfuhren die Bischöfinnen und Bischöfe, wie das United Methodist Committee on Relief (UMCOR), das Hilfswerk der weltweiten Methodistenkirche, in Zusammenarbeit mit europäischen Methodist:innen und ökumenischen Partnerorganisationen auf diese Situation reagiert.

Beeindruckender Einsatz

Roland Fernandes, der Leiter des UMCOR, sagte, die Invasion habe zur grössten Flüchtlingskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg geführt. «Obwohl alle Kirchen in der Region vergleichsweise klein sind, haben sie mit einer bemerkenswerten Grosszügigkeit und Fürsorge eine enorme Last getragen.»

In Estland beherberge ein Lagerhaus der Methodistenkirche jetzt Flüchtlinge. In der Tschechischen Republik böten diakonische Dienste und lokale Kirchen den Flüchtlingen ebenfalls eine Unterkunft. In Rumänien habe UMCOR einen Zuschuss gewährt, damit die Kirchen in einem örtlichen Hotel für die durchreisenden Flüchtlinge Betreuung, Unterkunft und Verpflegung bereitstellen können.

Für alle Menschen in Not

Der deutsche Bischof Harald Rückert sagte, sein Land habe eine aufnahmebereite Haltung gegenüber ukrainischen Flüchtlingen gezeigt. Aber es gebe auch noch Menschen aus Afrika und Asien, die in Europa Sicherheit und Asyl suchten. «Als Christinnen und Christen müssen wir unsere Stimme erheben und uns auch für sie einsetzen», sagte Rückert. «Wir müssen uns für alle Menschen in Not einsetzen.»

Inmitten von Kriegen, Migration und internen Kämpfen sei es die Aufgabe der Methodist:innen, ein lebendiges christliches Zeugnis in einer verletzten Welt zu geben, sagte Bischof Bickerton. «Wir sollten uns verpflichten, einen Grossteil unserer Zeit darauf zu verwenden, unsere Kirche für das nächste Kapitel unseres gemeinsamen Lebens zu positionieren.»

S.F. / Heather Hahn, UMNS / Medienmitteilung BIschofsrat
Beitragsbild: Screenshot (UMNS)

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Generalkonferenz

Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (🔗United Methodist Church). Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten. Die für 2020 vorgesehene 🔗Tagung in Minneapolis (USA) ist inzwischen auf den 2024 verschoben worden. Der neue Tagungsort wird Ende März bekanntgegeben werden.

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