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Bild: Bischofsgebiete in Nordeuropa und Eurasien

«Es ist aktuell unmöglich, eine russische Kirchenleitung in der Ukraine zu haben»

6. Mai 2022

Auf einer ausserordentlichen Sitzung der Zentralkonferenz der Methodistenkirche in Nordeuropa und Eurasien haben die Delegierten am 30. April beschlossen, dass die Methodist:innen in der Ukraine und Moldawien vorübergehend das Bischofsgebiet wechseln. Die Delegierten aus Russland, Weissrussland, Kasachstan und Kirgisistan hatten nicht an der Sitzung teilgenommen.

Am 30. April fand eine ausserordentliche Sitzung der 🔗Zentralkonferenz Nordeuropa und Eurasien statt. Die online durchgeführte Tagung war als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine einberufen worden. Einziger Verhandlungspunkt war der Antrag des Vorstands der Zentralkonferenz, die Grenzen der beiden bischöflichen Gebiete der Zentralkonferenz vorübergehend bis zur nächsten regulären Sitzung zu ändern.

Deutlich angenommen

Die bisher zum Bischofsgebiet des für Eurasien zuständigen Bischofs Eduard Khegay gehörende methodistische Synode Ukraine-Moldawien sollte demnach vorübergehend durch den für Nordeuropa und das Baltikum zuständigen Bischof Christian Alsted beaufsichtigt werden. Mit 98% der Stimmen befürworteten die Delegierten diesen Antrag.

Nicht vertreten

Nicht teilgenommen an der Sitzung hatten allerdings die Delegierten aus Weissrussland, Kasachstan, Kirgisistan und der Russischen Föderation zusammen mit Bischof Eduard Khegay. 🔗In einer Motion hatten sie ihr Fernbleiben mit der «Angst vor Russophobie oder Diskriminierung aufgrund der Nationalität» begründet. «Wir wollen keine weitere Verschärfung der Situation provozieren», hiess es weiter. In dem Schreiben wurden die Delegierten der Tagung gebeten, keine Entscheidung zu treffen, sondern abzuwarten, bis ein persönliches Gespräch möglich ist – erst nach Einstellung der Feindseligkeiten.

Unumgänglich

Die methodistische Pfarrerin Dr. Hilde Marie Øgreid Movafagh (Norwegen) betonte in der Beratung, der Antrag sei unpolitisch, kein Ausdruck des Ost-West-Konflikts und kein Versuch, den nordischen und baltischen Bischofsbereich zu erweitern. «Die einzige Motivation ist die konkrete Notwendigkeit, der Ukraine in ihrer gegenwärtigen Not zu helfen und anzuerkennen, dass es trotz der versöhnlichen Arbeit des mutigen eurasischen Bischofs Khegay politisch unmöglich ist, heute eine russische Kirchenleitung in der Ukraine zu haben.»

Ukrainische Stimmen

Mehrere Delegierte aus der Ukraine sprachen sich für den Antrag aus. Die Laiendelegierte Alina Hrab aus der Ukraine erklärte: «Im Moment herrscht Krieg mit Russland, das der Feind ist. Wir können dem ukrainischen Volk nicht dienen, wenn der Bischof in Russland ist.» – Alle Delegierten waren vom Ernst der Lage sichtlich betroffen.

Bischof Patrick Streiff aus Zürich führte den Vorsitz während der Beratungen zum Antrag. Schlussendlich nahmen die Delegierten den Antrag mit 48 Ja-Stimmen und einer Enthaltung an.

S.F. / Pressetext der Zentralkonferenz Nordeuropa-Baltikum
Beitragsbild: d-maps.com

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Zentralkonferenz

In Afrika, Europa und auf den Philippinen bilden die Jährlichen Konferenzen (Synoden) der Methodistenkirche einer grösseren Region sogenannte Zentralkonferenzen. In Europa sind dies die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa, die Zentralkonferenz Nordeuropa und Eurasien sowie die Zentralkonferenz Deutschland. Diese drei Zentralkonferenzen erstrecken sich über 32 Länder und zehn Zeitzonen in Europa und Asien. Die Zentralkonferenz bildet eine administrative Einheit, die die gemeinsame Arbeit und Mission koordiniert und auch ihren Bischof oder ihre Bischöfin wählt. Die an eine Zentralkonferenz entsandten Delegierten sind zu gleichen Teilen Laien und pastorale Mitglieder. Die Jährliche Konferenz (Synode) Schweiz-Frankreich-Nordafrika ist Teil der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa, deren Bischof seit 2006  Dr. Patrick Streiff (Zürich) ist. 15 weitere Länder von Polen bis Nordafrika gehören zu dieser Zentralkonferenz.

Zentralkonferenz Nordeuropa und Eurasien

Die Zentralkonferenz für Nordeuropa und Eurasien erstreckt sich über 12 Zeitzonen und setzt sich aus 15 Ländern, 10 Jahreskonferenzen und zwei Bischofsgebieten zusammen.
Das Bischofsgebiet Eurasien umfasst acht Länder: Belarus, Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien, Russland, Tadschikistan, Ukraine und Usbekistan. Diese sind in fünf Jährlichen Konferenz (Synoden) organisiert. Zuständig ist aktuell Bischof Eduard Khegay in Moskau.
Das Bischofsgebiet Nordeuropa und Baltikum umfasst sieben Länder: Dänemark, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Norwegen und Schweden. Diese sind in fünf Jährlichen Konferenzen (Synoden) organisiert. Zuständig ist aktuell Bischof Christian Alsted in Kopenhagen.