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Bild: Rechtsrat der weltweiten Methodistenkirche

Rechts­hof: Sy­noden kön­nen nicht ein­fach die Metho­disten­kirche ver­lassen

12. Mai 2022

Metho­distische Synoden können zwar be­schliessen, die welt­weite Metho­disten­kirche ver­lassen zu wol­len. Für eine Um­setzung fehlt für Synoden in den USA jedoch laut einer Ent­scheidung des Rechts­hofs die recht­liche Grund­lage. Aus­ser­halb der USA ist ein längerer Pro­zess vor­gegeben.

Dem 🔗Rechtshof der weltweiten Methodistenkirche lagen Anfragen zur Entscheidung vor zum Prozess der Ablösung von Jährlichen Konferenzen (Synoden) von der weltweiten Methodistenkirche (United Methodist Church). Hintergrund ist die Trennung der United Methodist Church (UMC) aufgrund sexualethischer Kontroversen.

Einzelne Synoden wollen gehen

Am 1. Mai war mit der 🔗Global Methodist Church von konservativer Seite eine neue methodistische Kirche gegründet worden. Bereits im Vorfeld hatten mindestens zwei methodistische Synoden in den USA angekündigt, sich dieser neuen Methodistenkirche anschliessen und die UMC verlassen zu wollen.

Ein Bündel von Rechtsfolgen

Der Rechtshof musste darüber befinden, ob Jährliche Konferenzen (Synoden) gemäss der aktuellen Kirchenordnung das Recht haben, über den Austritt aus der UMC zu entscheiden und diesen zu vollziehen. Ein solcher Schritt hat auch Folgen für den Umgang mit Kircheneigentum und – vor allem in den USA – für die Sozialversicherungsleistungen der Mitarbeitenden. Die rechtlichen Grundlagen für eine Trennung hätten an der Tagung der 🔗Generalkonferenz, des obersten Leitungsgremiums der weltweiten Methodistenkirche, 2020 beschlossen werden sollen. Aufgrund der Pandemie musste die Tagung mehrmals verschoben werden und ist nun 🔗erst für 2024 vorgesehen.

Rechtsgrundlage nicht vorhanden

In ihrer 🔗Entscheidung am 10. Mai hielten die Mitglieder des Rechtshofs fest, dass Jährliche Konferenzen zwar das Recht haben, darüber abzustimmen, dass sie die UMC verlassen wollen. Das Verfahren, wie diese Entscheidung dann auch vollzogen werden kann, müsse jedoch durch die Generalkonferenz geregelt werden. Da ein solcher kirchenrechtlicher Rahmen bislang nicht vorliege, seien «alle Abstimmungen und Beschlüsse einer Jährlichen Konferenz im Blick auf eine Trennung verfassungswidrig, null und nichtig und haben keine Rechtskraft oder Wirkung», entschied der Rechtshof. Es gebe «keine kirchenrechtliche Grundlage für eine Jährliche Konferenz, Übergangsregelungen festzulegen, Resolutionen zu verabschieden, abzustimmen oder einseitig zu handeln, um sich von der United Methodist Church zu trennen.»

Gilt nur für die USA

Diese Einschätzung gilt im Blick auf methodistische Jährliche Konferenzen in den USA. Für Synoden ausserhalb der USA legt die 🔗Kirchenordnung in Paragraph 572 bereits ein längeres Verfahren fest, wie sie «autonome methodistische Kirchen, affiliierte autonome methodistische Kirchen oder affiliierte vereinigte Kirchen» werden können.

Situation in Europa

Anfang April hatten die Mitglieder der provisorischen Jährlichen Konferenz 🔗Bulgarien und Rumänien entschieden, die UMC verlassen und sich der Global Methodist Church anschliessen zu wollen. Die Verantwortlichen in Bulgarien vollzogen den Schritt unmittelbar am 1. Mai. Für Rumänien haben sich die Verantwortlichen im Gespräch mit Bischof Patrick Streiff entschieden, einen gegenseitig respektvollen Weg gehen zu wollen.

Entscheidung noch offen

Der Entscheid des Rechtshofs hat für diesen Vorgang  insofern Bedeutung, als er als Grundage für die Trennung einer Jährlichen Konferenz ausserhalb der USA einzig das in Paragraph 572 festgelegte Verfahren anerkennt. Der Beschluss der Methodistenkirche in Bulgarien missachtet den darin vorgeschriebenen, längeren Prozess. Eine Entscheidung des Rechtshofs zum Beschluss der Methodist:innen in Bulgarien und Rumänien 🔗steht allerdings noch aus.

Wegweisende Entscheidung

In einer 🔗Reaktion auf die Entscheidung des Rechtshofs brachte der Präsident des Bischofsrates der weltweiten Methodistenkirche, Thomas J. Bickerton, seine Dankbarkeit für die sorgfältige Arbeit des Rechtshofs zum Ausdruck. Die Entscheidung unterstreiche die Bedeutung der gegenseitigen Verbundenheit innerhalb der Methodistenkirche und vermittle Klarheit und Orientierung, «um in diesen beispiellosen Tagen der Auseinandersetzung und des Wandels voranzukommen.»

S.F. / Heather Hahn, UM News / Medienmitteilung des Bischofsrats
Beitragsbild: Mitglieder des Rechtshofs | Foto: umc.org.

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Abweichende Begründung

Beth Capen, Mitglied des Rechtshofs, gab eine gesonderte Stellungnahme zu den vorgelegten Fragen ab. Im Ergebnis stimmt sie mit den Entscheidungen des Rechtshofs überein, vertritt aber eine andere Begründung. Auch Artikel 572 der Kirchenordnung ist als Grundlage für eine Spaltung der Kirche ihrer Meinung nach falsch interpretiert. Sie schreibt unter anderem:

«Die United Methodist Church in den Vereinigten Staaten und ihre Vorgängerorganisationen haben seit langem Einrichtungen und Kirchen in vielen Regionen der Welt aufgebaut. Gelder aus unseren Umlagen und Sonderspenden haben diese Bemühungen durch das Board of Global Ministries ermöglicht. Die Kirchenordnung spiegelt die Einsicht wider, dass eine regionale Körperschaft, sobald sie stark und unabhängig geworden ist, den Wunsch haben kann, sich selbstbestimmt zu organisieren, anstatt sich als von einer Denomination kontrolliert zu fühlen, die von Einrichtungen in den Vereinigten Staaten verwaltet wird. Für diesen Fall sieht die Kirchenordnung ein ausdrückliches Verfahren vor, das es der regionalen Kirche ermöglicht, autonom zu werden. Das Verfahren zur Erlangung der Autonomie ist ein Prozess, bei dem beide Seiten intensiv beteiligt sind. Dazu gehören auch Verfahren, die sicherstellen, dass ausreichende Ressourcen und Strukturen vorhanden sind, um die weitergehende methodistische Mission und den Dienst der ehemaligen methodistischen Region zu gewährleisten, sobald sie autonom geworden ist.

Um eine autonome methodistische Kirche zu werden, bedarf es eines engagierten Prozesses, in dem alle Beteiligten die Übernahme der vollen Leitungsbefugnis durch die regionale Kirche unterstützen müssen. Der Prozess zur Erlangung der Autonomie ist keine ‹Trennung›, bei der eine regionale Körperschaft einfach die Denomination verlässt,die Vermögenswerte, die durch Gelder aus der Umlage und Sonderspenden zur Verfügung gestellt wurden, mitnimmt und ohne Bedingungen oder Rechenschaftspflicht in die Zukunft geht. …

Ich glaube, dass es wichtig ist, das Wesen des ‹Autonom-Werdens› zu verstehen, um es von der ‹Trennung› zu unterscheiden.»

Generalkonferenz

Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (🔗United Methodist Church). Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten. Die ursprünglich 🔗für 2020 vorgesehene Tagung ist aufgrund der Pandemie inzwischen auf 2024 verschoben worden.

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