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Bild: Eine Frau an einem Computerkurs in Bolivien

Lernen dürfen – auch unter er­schwer­ten Be­din­gungen

13. Mai 2022

Frauen und Kinder aus schwierigen Ver­hält­nissen sind in vielen Ländern be­nach­teiligt, wenn es um Bildung geht. Die Partner­organi­sationen von Connexio develop setzen sich mit Mut und Krea­tivität dafür ein, dass auch sie Zu­gang zu Bildung er­halten und er­fahren: «Ich bin es wert, lernen zu dürfen.»

Corona hat in den letzten zwei Jahren den Zugang zu Bildung erschwert. Stark betroffen waren besonders Kinder und Erwachsene, die weder die fonanziellen noch die technischen Möglichkeiten für online-Unterricht hatten. Die Verantwortlichen von Connexio develop, der Organisation für Entwicklungszusammenarbeit der Methodist:innen in der Schweiz, sind beeindruckt, wie vielfältig und wirkungsvoll die Partnerorganisationen im vergangenen Jahr trotzdem vielen Menschen den Zugang zu Bildung ermöglicht haben.

Lernen in jedem Alter

Das Frauenwerk der Methodistenkirche in Bolivien unterstützt jedes Jahr rund 30 junge Frauen mit einem Stipendium. Die Frauen bilden sich beispielsweise zur Primarlehrerin oder Buchhalterin aus, studieren Jura oder machen eine Ausbildung als Technikerin. Begleitet werden sie von den Verantwortlichen des Frauenwerks in ihren Distrikten. 17 dieser Frauen besuchten letztes Jahr einen PC-Grundkurs. Der Kurs hilft, dass sie mit ihren Studentinnen besser in Kontakt sind. Für viele dieser lebenserfahrenen Frauen bot der Kurs auch die Möglichkeit, selbst neue Fähigkeiten zu entwickeln: Das Interesse und die Freude am Lernen waren gross.

Bildung braucht Mut

Die Stipendiatinnen in Bolivien treffen sich regelmässig zu Weitbildungstagen. Sie hören Referate zum Thema «Selbstwert» und werden von einer ehemaligen Stipendiatin darin bestärkt, ihre Ausbildung fertig zu machen. Viele Frauen sind unsicher, ob sie sich ein Studium oder eine Berufsausbildung zutrauen sollen. Frauen vom Land müssen dafür in die Stadt ziehen, ein Zimmer mieten und oft zusätzlich arbeiten. Auch wenn den jungen Frauen immer mehr bewusst ist, dass sie gleichwertig sind und auch studieren können: Gerade in den ländlichen Gebieten herrscht die Vorstellung vor, dass vor allem die Männer studieren sollten, damit sie später ihre Familie ernähren können.

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Bil­dung er­mög­lichen
Connexio develop, die Or­gani­sation für Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit der Metho­disten­kirche in der Schweiz, fördert Bil­dungs­ini­tiativen von Part­ner­organi­sationen. Das Pro­gramm von Connexio develop für eine fried­volle, ge­rechte und in­klusive Gesell­schaft wird von der Di­rektion für Ent­wicklung und Zu­sammen­arbeit DEZA, Eid­genössisches De­parte­ment für aus­wärtige An­gelegen­heiten (EDA), unter­stützt.
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Connexio develop, Zürich, CH44 0900 0000 1574 7157 9, Vermerk «Bildung»

An jedem Weiterbildungstag gibt eine Stipendiatin ihr Fachwissen weiter und übt, vor andern zu sprechen. Adriana Angulo Orellano bildet sich zur Primarlehrerin aus. Aus ihrer eigenen Schulzeit kenne sie es noch, dass die Lehrperson einem Kind mit dem Lineal auf die Finger schlage, wenn es etwas nicht wusste oder konnte. Heute seien alle Gewalttaten von Lehrpersonen gesetzlich verboten, weil sie statt Motivation Angst erzeugten. Ein Kind, das in einer Familie aufwachse, in der es Gewalt erlebe, meine, diese Umgangsformen seien normal. Adriana Angulo Orellano gibt ihre Überzeugung weiter: «Gewalt darf niemals ‹normal› sein.»

Hausaufgaben, Rätsel und Gärten

In der «Lechería de la Solidaridad» in Buenos Aires, Argentinien erhalten rund 280 benachteiligte Kinder und Jugendliche täglich eine warme Mahlzeit, Hausaufgabenhilfe und ein vielfältiges Freizeitangebot. Sowohl online wie in Präsenz tut das Team der «Lechería» alles, damit diese Kinder und Jugendlichen sich gut aufgehoben fühlen und lernen können. In Zeiten des Lockdowns bekamen sie über soziale Medien Rätsel, Geschichten und Leseübungen. Seit einigen Monaten sind Präsenzangebote wieder möglich. Die Kinder machen Hausaufgaben, bauen in kleinen Gärten Gemüse an; die Jugendlichen lernen Englisch, kochen oder schreinern.

Soziales Lernen

Sie lernen auch einen guten sozialen Umgang miteinander und wie sie Konflikte friedlich lösen können. Oft gibt es in den Familien Probleme, die auch das Lernen erschweren. Eine Sozialarbeiterin, die eng mit den Schulen zusammenarbeitet, begleitet die Kinder und deren Familien zusammen mit einer Psychologin und arbeitet mit ihnen an Lösungen.

Unterrichtsmaterial kopiert

Die Kinder aus Roma-Familien in Mitteleuropa und auf dem Balkan traf die Pandemie besonders hart. In einigen Ländern erhielten Roma-Kinder im Gegensatz zu anderen Kindern vom Bildungsministerium keinen Laptop, um dem virtuellen Unterricht zu folgen. In Kürtöspuszta, Ungarn, reagierte man kreativ. Kurzerhand kopierte die Pfarrperson Unterrichtsmaterial und Hausaufgaben, verteilte es an die Kinder, sammelte alles wieder ein und leitete es den Lehrpersonen weiter. So konnten auch die Roma-Kinder dem Unterricht folgen. Auch in Bulgarien, Rumänien, Nord-Mazedonien und der Slowakei gibt es seit Jahren Initiativen, um Roma-Kindern den Zugang zu Bildung zu erleichtern.

Von Alphabetisierung bis Rechtsberatung

Weitere Initiativen sind das Alphabetisierungsprogramm für Frauen in der Demokratischen Republik Kongo, Workshops über ökologische Landwirtschaft in Bolivien und Rechtsberatung für die Mapuche-Urbevölkerung in Chile. Zusätzliche Informationen, was Connexio develop und Connexio hope im letzten Jahr zusammen mit den Partnerorganisationen bewirken konnten, finden sich 🔗im aktuellen Jahresbericht.

Nicole Gutknecht, Connexio
Beitragsbild: Monika Brenner

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