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Dr. med. Annegret Klaiber gestorben

30. Juli 2022

Am vergangenen Samstag verstarb Annegret Klaiber im Alter von 83 Jahren. Bekanntgeworden war sie vielen Menschen an der Seite ihres Ehemannes, dem früheren Direktor des Theologischen Seminars und des für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland (EmK) zuständigen Bischofs Walter Klaiber. Mit ihren Gaben und Fähigkeiten brachte sie sich darüber hinaus auf vielseitige Weise innerhalb der Kirche und darüber hinaus ein.

Annegret Klaiber, geborene Kaiser, wurde 1938 in Tübingen als erstes von fünf Kindern geboren. Die Ereignisse des zweiten Weltkriegs mit der Abwesenheit des Vaters als Soldat und in Gefangenschaft sowie der Einmarsch französischer Soldaten in ihrer Heimatstadt hinterließen Spuren in ihrer Jugendzeit. Prägend für ihren Lebensweg und ihren Glauben waren aber auch die Erfahrungen ihrer Kindheit und Jugend in der Tübinger Gemeinde der Evangelischen Gemeinschaft, einer der beiden Vorgängerkirchen der Evangelisch-methodistischen Kirche, und das Miteinander mit Großeltern und Tanten der mütterlichen Familie.

Medizinstudium in Tübingen und Basel

Aus dieser geborgenen Umgebung heraus machte sie sich nach dem Abitur auf, Medizin in Tübingen und Basel zu studieren. In Basel beschäftigte sie sich zudem mit Theologie und besuchte dabei Vorlesungen des Theologen Karl Barth. Nach bestandenem Examen und einer Zeit als Medizinalassistentin wurde sie 1966 als Ärztin approbiert und als Medizinerin promoviert. Dieser Weg war in ihrer Familie «für ein Mädchen» nicht selbstverständlich. Persönlich hat sie das immer «als ein Geschenk» bezeichnet, darin aber auch einen persönlichen Erfolg gesehen, als junge Frau einen solchen Weg zielstrebig zu gehen. Während dieser Zeit hatte sie bereits ihren späteren Ehemann, Walter Klaiber, kennengelernt und 1965 geheiratet. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor.

Viele Gaben – und die überraschende Entdeckung eines Talents

Nach einem vierjährigen Aufenthalt in Nürnberg, wo ihr Mann seinen Dienst als Pastor in der Evangelischen Gemeinschaft begann, zog die junge Familie zurück nach Tübingen. In dieser Zeit begann ihre vielseitige Tätigkeit, in der sie ihre medizinische Expertise, ihre Fähigkeiten zur Lehre und ihr Wissen zu Gesundheitsfürsorge weiterentwickelte und in vielen Bereichen einbrachte. So war sie Lehrbeauftragte für Gesundheitslehre an der Fachschule für Sozialpädagogik in Reutlingen, übernahm eine Lehrtätigkeit in der in der Nähe von Reutlingen gelegenen Heilerzieherschule auf dem Traifelberg, gab Kurse im Haus der Familie und startete eine reiche Vortragstätigkeit über Themen von Gesundheitsfürsorge, Depression und Suchtfragen.

Mitarbeit in der Evangelischen Suchtberatungsstelle

Mit dem Wechsel nach Frankfurt, der 1989 nach der Wahl ihres Ehemannes zum Bischof der EmK erfolgte, musste sich Annegret Klaiber neu orientieren. Schwerpunkt wurde jetzt die Suchttherapie vor allem durch die Mitarbeit in der Evangelischen Suchtberatungsstelle. Sie wurde Mitglied im Vorstand des Gesamtverbands Sucht im Diakonischen Werk und leitete die EmK-Fachgruppe Sucht. Darüber hinaus war sie Mitglied im Verwaltungsrat oder Beirat verschiedener diakonischer Werke und Einrichtungen der EmK. Außerdem wirkte sie als Mitglied einer ökumenischen Arbeitsgruppe an der Erstellung der «Christlichen Patientenverfügung» und an der Gestaltung der «Woche für das Leben» mit. Auch am neuen Wohnort ergab sich wieder eine reiche Vortragstätigkeit zu Themen der Gesundheitsfürsorge und Suchtprävention in Kirche und Gemeinden. Auch im Ausland, mit einem Schwerpunkt in Russland, waren diese Themen gefragt, sodass ihre Vortragstätigkeit sie auch dorthin führte.

Gesangbuchübersetzungen

Aufmerksamen Nutzern des Gesangbuchs der EmK mag aufgefallen sein, dass am Fuß mancher Lieder der Name Annegret Klaiber auftaucht. Bei der aufmerksamen Begleitung ihres Mannes im Rahmen der Erstellung des neuen EmK-Gesangbuchs entdeckte sie ihr Talent zum Übersetzen englischer Lieder. Daraus entstand eine Reihe gelungener Übertragungen, die inzwischen auch im Bereich der Ökumene aufgegriffen und gesungen werden.

Erfüllter Ruhestand und stiller Abschied

Mit der nach dem Ruhestand ihres Ehemannes möglichen Rückkehr in die Heimat nach Tübingen im Jahr 2005 waren dem Ehepaar zehn erfüllte und glückliche Jahre mit Reisen, gelegentlich sogar gemeinsamer Vortragstätigkeit sowie ein gemeinsamer Aufenthalt in den Vereinigten Staaten geschenkt. Wichtig war beiden auch die Möglichkeit, Teil einer lebendigen Gemeinde zu sein und «in einem guten Chor» mitsingen zu können.

Die ersten Anzeichen einer Demenz traten verstärkt ab dem Jahr 2016 in Erscheinung und führten vor einem Jahr nach deutlicher Verschlimmerung zu einem Wechsel in ein Tübinger Pflegeheim. Trotz erkennbar nachlassender Kräfte kam der Tod überraschend schnell am vergangenen Samstag, dem 23. Juli. Annegret Klaiber hinterlässt ihren Ehemann, drei Söhne mit ihren Frauen sowie acht Enkel und drei Geschwister mit ihren Angehörigen.

Es bleibt die dankbare Erinnerung an eine Frau, die Gott mit reichen Gaben gesegnet hatte. Ihre medizinischen Fähigkeiten, aber mehr noch ihre Fähigkeit zur Lehre und Kommunikation sowie ihre Einfühlsamkeit in persönlichen Gesprächen und im Austausch über Glaubensfragen bereicherten viele Menschen.

Beitrag: Klaus Ulrich Ruof , Pressesprecher der EmK Deutschland                                                                                                                                                     Beitragsbild: privat; zVg

Traueranzeige der Familie

 

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