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Bild: Sarah Bach in Karlsruhe

«Jetzt können wir fragen: Was ist unser Auftrag als Kirchen in der Welt?»

30. August 2022

Vom 31. August bis zum 8. September werden Christ:innen aus der ganzen Welt in Karlsruhe zusammen feiern, beraten, diskutieren. Mit dabei auch Sarah Bach. Die methodistische Pfarrerin wird als Delegierte an der Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) teilnehmen. Wieso das? Und was macht sie eigentlich in Karlsruhe?

«Ich gehe an die 🔗Vollversammlung – weil ich dafür angefragt wurde», sagt Sarah Bach. Gut. Angefragt. Aber von wem? Und weshalb? – Die Antwort würde ein etwas komplexeres Wissen über kirchliche Strukturen voraussetzen. Kurzfassung: Der für die Schweiz zuständige methodistische Bischof Patrick Streiff hatte sie angefragt. Sie ist die europäische Vertreterin der grössten Kirche aus der methodistischen Kirchenfamilie, der 🔗United Methodist Church.

Stimme von Minderheiten

Dass ausgerechnet sie angefragt wurde, habe auch den Hintergrund, dass auf diese Weise Minoritätsstimmen gestärkt würden. «Das sind zum einen die Stimmen der Frauen.» Als Delegierte an die Vollversammlung würden oft kirchliche Würdenträger oder wichtige Amtspersonen geschickt. Da seien die Männer – wie in der Gesellschaft auch – meist überrepräsentiert.

Ausserdem gehört Sarah Bach unter den Delegierten zu den jüngeren Personen. «Viele Themen, die wir besprechen, betreffen die nachfolgenden Generationen proportional stärker – etwa die ganzen Fragen des Klimawandels.»

Klare Ausrichtung

Gut, angefragt wurde sie also. Doch weshalb hat sie zugesagt? – «Es hätte mich nicht an jede der zurückliegenden Vollversammlungen zu gehen gereizt», gesteht Sarah Bach rundheraus. Dieses Mal sei das anders. Nicht nur, weil der Reiseweg von Bern nach Karlsruhe im Vergleich zu früheren Tagungsorten richtig kurz sei. An zurückliegenden Vollversammlungen seien viele innerkirchliche Fragen geklärt worden. «Jetzt können wir uns mehr darauf konzentrieren zu fragen: Was ist unser Auftrag als Kirchen in der Welt?»

Nur gemeinsam

Zugleich sei das Bewusstsein dafür gewachsen, dass die Kirchen sich miteinander gemeinsam einsetzen müssen für Frieden, soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit. «Wenn wir alle zusammenkommen und miteinander arbeiten, können wir viel mehr erreichen, als wenn jede Kirche oder Gemeinschaft eigene kleine Projekte hat. Das finde ich super.»

Herz und Verstand

Speziell sei ausserdem das Thema in diesem Jahr: «Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt». Zum ersten Mal tauche das Wort ‹Liebe› im Thema einer Vollversammlung auf, erläutert Sarah Bach. «Viele sagen, es gehe auch darum, dass mehr Emotionen mit ins Spiel gebracht werden sollen.» Die anstehenden Herausforderungen könnten nicht allein mit dem Verstand bewältigt werden. «Es geht auch um Beziehung, darum, miteinander mit dem Herzen unterwegs zu sein, sich berühren und die Herzen bewegen zulassen – und zu schauen, was daraus entsteht.» Es habe sie begeistert, wenn sie bei den Vorbereitungen gesehen habe, wieviel Energie darauf verwandt wurde, dieses Thema der Liebe ins Zentrum zu stellen. «Und das ist ja auch sehr methodistisch», sagt sie augenzwinkernd.

Hören und austauschen

Die Delegierten werden in Karlsruhe ein relativ volles Programm haben. Als Start in die einzelnen Tage hören sie Auslegungen, Meditationen oder ähnliches zu biblischen Texten. Das Gehörte werden die Delegierten in Gruppen anschliessend miteinander vertiefen. «Dabei sind wir immer in derselben Gruppe.» In den bewusst zufällig zusammengestellten Gruppen entstehe so dennoch eine Kontinuität. «Du kannst also in dieser Zeit, in der du mit diesen Leuten über die Texte und die Liebe Christi austauschst, auch eine Verbundenheit aufbauen.»

Auswerten und Impulse geben

Danach folgen die Geschäftssitzungen im Plenum. Hier wird an Themen gearbeitet werden. Es gehe darum, die bisher geleistete Arbeit des ÖRK aufzunehmen, Rückmeldungen dazu zu geben, der Weiterarbeit grob eine Ausrichtung zu geben. Das sei eine Art «Sounding Board», sagt Sarah Bach: «Wir fragen: Woher kommen wir? Wo stehen wir? Wohin wollen wir?»

Ein weiterer wichtiger Aufgabenbereich der Delegierten sind die ökumenischen Gesprächsgruppen. Jeweils etwa 30 Personen befassen sich intensiv mit Kernthemen des ÖRK. «Dieser Austausch hilft, die Arbeit des ÖRK in den kommenden Jahren zu prägen.»

Kernanliegen: Klima

Sarah Bach wird in einer der Gruppen sein, die sich mit Fragen des Klimawandels auseinandersetzen. «Das ist natürlich für mich mega cool», freut sie sich. Denn auch in ihrer theologischen Arbeit als Doktorandin und politisch bei der EVP ist das eines ihrer Kernanliegen. «Ich bringe also viel mit bei diesem Thema, sei es vom Politischen her, sei es von der Theologie her.» Umgekehrt erhofft sie sich durch diese Gespräche neue Impulse für ihre Arbeit.

Doppelt gut vorbereitet

Wie hat sie sich auf diese vielfältigen Aufgaben vorbereitet? – Als methodistische Pfarrerin in der Schweiz habe sie davon profitiert, sowohl in der 🔗EKS in der Schweiz als auch im 🔗Weltrat methodistischer Kirchen eingebunden zu sein. In beiden Netzwerken hat sie an Vorbereitungsgruppen teilgenommen. Die Treffen der EKS fand in Bern statt. Die methodistischen per Online-Meeting. «Ich hatte also eine Vorbereitungsgruppe mit nur Schweizerinnen und Schweizern gehabt, im kleinen Rahmen und intensiver. Und daneben einzelne Vorbereitungsgespräche mit Methodistinnen und Methodisten aus der ganzen Welt. Diese Mischung war sehr gut.»

Und dann gibt es natürlich auch noch schriftliche Unterlagen. Das «Resource Book» mit rund 200 Seiten komprimierter Zusammenfassung wichtiger Entscheidungen und einem Überblick über die anstehenden Beratungen wurde den Delegierten etwa 14 Tage vor der Tagung zugeschickt. «Mindestens das – so die Erwartung – sollten alle gelesen haben», sagt Sarah Bach. «Ob das klappt, wird man sehen…»

Russische Kirche ausschliessen?

Beschäftigt hat die Delegierten in den vergangenen Monaten auch der Krieg Russlands gegen die Ukraine – und die Frage, ob die Vertreter:innen der russisch-orthodoxen Kirche nicht ausgeschlossen werden sollten. «Dagegen wurde jedoch argumentiert: Das ist nicht das Selbstverständnis des ÖRK. Wir pflegen eine Kultur, bei der man miteinander an einen Tisch sitzt – aber auch ehrlich miteinander spricht und Themen anspricht», fasst Sarah Bach die Diskussion zusammen. Insofern werden die Delegierten der russisch-orthodoxen Kirche dabei sein.

Eingeladen wurde jedoch auch die urkainisch-orthodoxe Kirche. Da die Kirche noch keine Vollmitgliedschaft beantragen konnte, wird die Delegation einen Gaststatus an der Vollversammlung haben

Themen setzen

Eine grosse Fülle von Themen also erwartet die Delegierten. «Uns wird es nicht langweilig werden», sagt Sarah Bach lachend. Dennoch – oder gerade deshalb – sei die Vollversammlung des ÖRK in Karlsruhe eine Chance. «Wenn wir es schaffen, dass bestimmte Themen in der Tiefe neu – oder weiterhin – diskutiert werden innerhalb der Kirchen, dann hat es sich gelohnt, dass wir alle zusammengekommen sind.»

S.F.
Beitragsbild: zVg

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Mit Sarah Bach die Vollversammlung erleben

Impressionen von und Gedanken zur dem, was Sarah Bach an der Vollversammlung erlebt, wird sie auf ihrem 🔗Instagram-Account teilen.

Ein Video mit grundsätzlichen Gedanken zur Ökumene und mit Beispielen aus der Vollversammlung wird sie am 4. September auf den 🔗YouTube-Kanal der Methodistenkirche in Schwarzenburg laden.

Auf ihrem 🔗Blog hat sie bereits einen Beitrag zur Vollversammlung vorab veröffentlicht. Während oder nach der Tagung werden dort weitere Beiträge erscheinen.

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