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Genannt wurde sie «maman» Buser – Ein Nachruf

23. September 2022

Die Methodistin Dorothe Buser ist am 10. September 2022 im Alter von 96 Jahren für immer eingeschlafen. Sie war Pfarrerstochter, leidenschaftliche Lehrerin, Bischofssekretärin im Kongo und Missionssekretärin in der Schweiz. Ihre Glaubensstärke und Weisheit, ihre Liebe zu den Mitmenschen und ihr Humor bleiben in den Herzen von vielen Menschen, die mit ihr verbunden waren.

«Ich habe mit starken Gefühlen im Herzen die schmerzliche Nachricht vom Tod derjenigen gelesen, die wir «maman» Buser nannten», schreibt Bischof Gabriel Unda Yemba aus der Demokratischen Republik Kongo. «Ich lernte sie von 1967 bis 1972 als eine talentierte Lehrerin kennen. Sie war sehr diszipliniert und von ausserordentlicher Integrität.» Bischof Unda kondoliert der Methodistenkirche in der Schweiz zu diesem grossen Verlust und tröstet: «Sie hat dem Herrn gedient – jetzt ist es Zeit, dass sie sich beim Herrn ausruhen geht.»

In die Mission berufen

Dorothe Buser wurde am 5. August 1926 in Rorschach geboren. Ihr Vater war Prediger der Methodistenkirche. Schon in der Sonntagsschule hat sich Dorothe Buser für die Mission interessiert, doch als junge Frau spürte und erkannte sie ihre Berufung immer deutlicher. Bis sie dann als Sekundarlehrerin nach Lubumbashi (damals noch Elisabethville) in den Kongo ausreisen konnte, gab es allerdings einige Hürden zu nehmen.

Die Missionsbehörde in den USA verlangte ein Hochschulstudium. Deshalb holte Dorothe Buser zuerst die Matura nach und machte dann ein Studium als Sekundarlehrerin. Vor der Ausreise besuchte sie 1953 die Ecole Colonial in Brüssel. «Ich merkte bald, dass einiges, was mir früher als «christlich» beigebracht wurde, in Wirklichkeit nichts mit unserem Glauben, sondern eher mit unserer Kultur und Tradition zu tun hat. Es hat mir gutgetan, das schon in Belgien zu lernen», meinte sie im Rückblick.

Lehrerin und Bischofssekretärin

Rund 20 Jahre hat Dorothe Buser im Kongo gearbeitet: Sie hat Lehrer für die Unterstufe ausgebildet und gleichzeitig ein Mädchenheim geleitet; sie hat an einer Mittelschule Französisch unterrichtet und auch gerne bei der kirchlichen Arbeit mit Kindern und Frauen mitgeholfen. 1969 hat Bischof John Wesley Shungu, der erste Afrikaner in diesem Amt, Dorothe Buser berufen, sein Sekretariat zu führen.

Nach einer Zeit des Überlegens und Betens sagte sie ja. Es waren bewegte Jahre für sie, da es nach der Unabhängigkeitserklärung des Staates politische und militärische Auseinandersetzungen gab. Auch in der Kirche gab es Spannungen, der Bischof wurde 1972 nicht wiedergewählt, und ungewollt stand Dorothe Buser manchmal zwischen den Fronten.

Eine neue Aufgabe

1973 reiste sie wegen Rückenproblemen in die Schweiz, ohne zu ahnen, dass dies ihre endgültige Heimkehr sein würde. Sie wurde von der damaligen Missionsbehörde der Schweiz gebeten, zunächst für ein Jahr als Stellvertreterin das Missionssekretariat zu übernehmen. Daraus sind 16 Jahre geworden. In dieser Zeit lernte sie weitere Länder und Arbeitszweige kennen.

Christine Schneider arbeitete in den 80er Jahren im Kongo und Dorothe Buser war zeitweise ihre Vorgesetzte. «Wenn Dorothe fragte: «wie geht es dir?», dann war das nie eine Floskel, sondern sie war wirklich interessiert und wollte zuhören. Ich schätzte auch ihren feinen Humor.» Das Interesse, was in der Welt geschieht und wie es andern Menschen geht, behielt Dorothe Buser bei, auch als ihre Sehkraft und ihre körperlichen Kräfte nachliessen. Mit einigen ehemaligen Schülern und mit vielen Kolleginnen blieb sie in Kontakt und sie knüpfte neue Beziehungen.

Dankbarkeit

«Dorothe Buser war ein Segen für diejenigen, die sie gekannt haben. Wir sind Gott dankbar für ihr Leben und für ihren Dienst an den Menschen», sagt Ulrich Bachmann, Geschäftsleiter von Connexio hope und Connexio develop, den Organisationen für kirchliche Zusammenarbeit und Entwicklungszusammenarbeit der Methodist:innen.

Dorothe Buser meinte vor zwei Jahren: «Ich bin jetzt 94 Jahre alt. Im Rückblick kann ich Gott nur danken für ein schönes und erfülltes Leben. Ich erachte es als eine Gnade, dass ich früh Frieden in Christus finden und dann meinen Lebensweg im Vertrauen auf ihn gehen durfte. Da war zwar auch manches Versagen und manche Unvollkommenheit, aber ich durfte immer wieder Vergebung erfahren von Gott und meinen Mitmenschen. Das hat mein Leben glücklich gemacht.»

Text: Nicole Gutknecht auf der Basis eines Interviews von Urs Bangerter mit Dorothe Buser in «Kirche und Welt», Ausgabe 10/2020
Beitragsbild: Andreas Stämpfli

Todesanzeige für Dorothe Buser

 

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