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Bild: «Marktmeditation» in Lausanne

In Lausanne wird die Methodistenkirche zu einem bunten Dorf

26. Oktober 2022

«Aller Anfang ist schwer», sagt der Volksmund. Das gilt auch für einen Neuanfang. Den wagen Methodist:innen in der Westschweiz gerade: In Lausanne entsteht ein buntes und vielfältiges methodistisches «Dorf». Das jedenfalls verspricht der Name «Village mosaïque», den die verantwortlichen Pfarrer:innen dem Projekt in Lausanne gegeben haben.

Das Projekt entstand aus einem längeren Prozess. Im Sommer 2021 trafen sich methodistische Pfarrer:innen und Gemeindeverantwortliche erstmals mit Pfarrerin Claudia Haslebacher und Pfarrer Marc Nussbaumer, die als Coaches den Prozess begleiten.

Auslegeordnung

Einen Tag lang wurde gearbeitet, gebetet, geträumt. Es ging darum, die Situation in den Gemeinden zu beschreiben – und die Stärken und Interessen der Teilnehmer:innen zu entdecken. «Wir haben unsere Herzen dafür geöffnet, dass der Geist Gottes uns Impulse für die Zukunft des französischsprachigen Methodismus in der Schweiz geben kann», erzählt Iris Bullinger. Die methodistische Pfarrerin ist Teil des Projektteams von «Village mosaïque».

«Wir hatten keine vorgefasste Meinung darüber, in welche Richtung wir gehen wollen», sagt Iris Bullinger. Alle Optionen waren denkbar: Die Kirchgemeinden fusionieren? Ein Projekt in einem neuen Gebäude starten? Sollten die Pfarrpersonen abwechselnd in allen Gemeinden Gottesdienste halten?

Kirchenträume

«Irgendwann begannen wir, die Werte zu benennen, die für uns am wichtigsten sind, und uns vorzustellen, wie diese Werte gelebt werden könnten», schildert Iris Bullinger den Prozess. «Wir fingen an, laut davon zu träumen, wie die Kirche aussehen könnte, in welche Art von Gemeinschaft wir wirklich begeistert unsere Freunde und Familie einladen würden, welche Art von Projekten wirklich die Bedürfnisse der Menschen um uns herum erfüllen würden.»

Auf diese Weise klärten sich die Rahmenbedingungen: Ein neues Projekt sollte gestartet werden im Gebäude der methodistischen Gemeinde in Lausanne. Iris Bullinger zusammen mit Pfarrerin Erika Stalcup und Pfarrer Claudio Da Silva Neto leiten das Projektteam.

Dorfentwicklung

Das Projekt sollte lanciert werden unter dem Namen «Village mosaïque». Das «Mosaik» im Namen anerkenne die einzigartige Schönheit und den einzigartigen Beitrag jedes einzelnen Teils zum Ganzen, erklärt Iris Bullinger. «‹Dorf›, weil ‹man ein Dorf braucht, um ein Kind grosszuziehen›, und für so ziemlich alles andere, was man im Leben tun will. Wir leben nicht völlig allein, und wir brauchen Menschen mit unterschiedlichen Gaben und aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen.»

Marktplatz der Möglichkeiten

Den Verantwortlichen habe das Bild eines «Village mosaïque» geholfen, ihre Ideen anhand bestimmter Themen oder Aktivitäten zu ordnen, sagt Iris Bullinger. Mittlerweile sei daraus eine Art Plan für das Dorf mit verschiedenen Bereichen für Aktivitäten geworden. Dazu gehört unter anderem:

Im Kirchengebäude soll eine Gemeinschaft von Menschen entstehen, die sich für das «Village mosaïque» interessieren und im Projekt gelegentlich engagieren. Momentan besteht der Kreis der Interessierten aus sechs Personen.
In einem Nähatelier sollen alte Kleider zu neuen umgenäht werden, auch um auf diese Weise den Abfall zu vermindern.
In einem «Weltchor» könnten Lieder aus der ganzen Welt gelernt und gesungen werden.
Auf dem Place de la Riponne, an dem das methodistische Kirchengebäude liegt, findet jeweils am Samstagmorgen ein Markt statt. Mit einer «Marktmeditation» wollen die Verantwortlichen zu einer meditativen Pause einladen.
Entstehen soll ein Kreis für Frauen, die ein Kind verloren haben oder keine Kinder bekommen können.
In Zusammenarbeit mit einem Bauern ist ein Angebot geplant, das ermöglicht, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, welche Pflanzen, Gemüse, Früchte gerade wachsen oder verfügbar sind. Miteinander arbeiten, lernen, ernten – kochen und geniessen.

Anfangen und bauen

«Unser Wunsch ist, dass verschiedene Menschen zu uns stossen und uns unterstützen bei der Arbeit in diesen unterschiedlichen ‹Dorfhäusern› und dass so Gottes Reich erfahren werden kann», sagt Iris Bullinger. Das Projekt steht noch ganz am Anfang. «Im Moment haben wir noch wenig Erfahrungen. Es ist schwierig, anzufangen und zeitgleich im ganzen Haus zu bauen.»

S.F.
Beitragsbild: «Marktmeditation» im «Village mosaïque» in Lausanne. (Fotos: zVg)

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«Village mosaïque»

Weitere Einblicke in «Village mosaïque» gibt die Website und der Facebook-Auftritt der Projekts.