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Symbolbild: Klimademo

Für eine gerechte Überwindung der Klimakrise

8. Dezember 2022

«Die Zeit läuft uns davon. Wir müssen JETZT handeln», sagen junge Methodist:innen in einer Erklärung nach der Weltklimakonferenz. Zu den Unterzeichner:innen gehört auch Pfarrerin Sarah Bach aus der Schweiz.

Im Nachgang zur Weltklimakonferenz in Ägypten (COP27), deren Abschlussprotokoll viele Beobachter:innen als enttäuschend beurteilten, hat eine Gruppe junger europäischer Methodist:innen 🔗eine Erklärung verabschiedet, mit der sie Verantwortungsträger:innen in Politik, Kirche und Wirtschaft auffordern «nach der COP27 mit Nachdruck und Leidenschaft» zu handeln.

Gerechtigkeit und Klimawandel

Die sechs jungen Methodist:innen des «European Methodist Youth Climate Team», die mit ihrer Arbeit zum 🔗Europäischen Rat Methodistischer Kirchen gehören, fordern die Verantwortlichen auf, «ihr Engagement für eine gerechte Überwindung der Klimakrise zu verstärken». Der Klimawandel und die daraus resultierenden Folgen mache eine «Neugestaltung der Art und Weise, wie wir die Erde bevölkern, zu einem dringenden Erfordernis».

Ein methodistisches Anliegen

Die Methodist:innen in Europa erinnern die jungen Leute auch an die eigene kirchliche Tradition, die den sorgsamen Umgang mit der Schöpfung fordert. «Als Methodist:innen können wir kein Leben der Heiligung führen, ohne uns um die Umwelt, um Gerechtigkeit, Bildung und die Ungleichheit zu kümmern.»

Glaube als Ressource

Auch Pfarrerin Sarah Bach aus der Schweiz gehört zum «European Methodist Youth Climate Team» und hat die Erklärung mit unterzeichnet. Für sie haben die Kirchen in Europa ganz zentral die Aufgabe, Glaube und Spiritualität als Ressource zur Bewältigung der Herausforderungen durch den Klimawandel zu erschliessen. «Das muss Teil unseres Glaubens werden. Denn sonst lassen wir die Leute in dieser Zeit komplett alleine, wenn es dann schwierig wird», sagt sie.

Sich selbst verpflichten

Konkret im Blick auf die COP27 beschreibt sie die Haltung der offiziellen Schweiz und vieler Industrieländer so: «Einerseits haben wir beigepflichtet, dass wir Reparaturen bezahlen wollen. Aber wir haben uns zu nichts verpflichtet.» Von ihrer Glaubensprägung her sei das für Methodist:innen unmöglich, findet Sarah Bach. Der Hinweis in der Erklärung auf die «Heiligung» sei sehr treffend. «Heiligung nimmt dich in Verantwortung nicht nur für dich selbst und dein nächstes Umfeld, sondern auch für das weitere, weltweite Umfeld.»

Kirchliche CO2-Steuer

Auf die Frage, was denn die methodistische Kirche in der Schweiz ganz konkret tun könne, sagt sie: «Weshalb prüfen wir nicht einmal für uns als Kirche eine CO2-Steuer?» Die Gelder, die eine solche Steuer einbrächte, könnten in den Klimafonds des methodistischen 🔗Hilfswerks Connexio develop fliessen. «Wenn sich  schon die Schweiz nicht als Land zu so einer Steuer verpflichten kann, könnte sich dann nicht unsere Kirche dazu verpflichten?»

Solarzellen und Fleischverzicht

Potenzial sieht sie auch im Bereich der Liegenschaften. «Müsste nicht ins Pflichtenheft der Liegenschaftsverwaltung aufgenommen werden abzuklären, auf welchen kirchlichen Gebäuden Solarzellen installiert werden können?», fragt sie. – Oder in Sachen Ernährung. Da könnte eine Regelung heissen: «Anlässe der Methodistenkirche in der Schweiz müssen zu 50% vegetarisch gecatert sein.»

Verantwortung wahrnehmen

Doch eben: Bei all dem sei die Frage, ob die Methodist:innen darin nur eine weitere trendige Anbiederung an gesellschaftspolitische Themen sähen, oder ob sie verstünden, dass die Bewahrung der Schöpfung ein Kernanliegen des christlichen Glaubens ist. «An anderen Orten der Welt sind die Christinnen und Christen da bereits viel weiter», sagt sie aufgrund ihrer Gespräche und Begegnungen im methodistischen und ökumenischen Kontext. «Wir müssen uns jetzt an der Nase nehmen, die Verantwortung auch im spirituellen Sinn wahrzunehmen in Europa.»

S.F.
(Foto: Filmbetrachter, Pixabay)

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Die Erklärung

European Methodist Youth Climate Team

ERKLÄRUNG AN STAATSOBERHÄUPTER UND VERANTWORTUNGSTRÄGER:INNEN IN KIRCHEN UND WIRTSCHAFT.

Nach intensiven Wochen der Verhandlungen, Proteste und Aktionen ist die COP27 zu Ende gegangen.

Als methodistische, wesleyanische und vereinigte Kirchen in Europa rufen wir die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs dazu auf, unsere Stimmen als junge Menschen anzuhören.

Die Tatsache des globalen Klimawandels, der aus den Auswirkungen der kumulierten menschlichen Aktivitäten resultiert, macht die Neugestaltung der Art und Weise, wie wir die Erde bevölkern, zu einem dringenden Erfordernis. Ohne eine Politik der Klimagerechtigkeit können die verursachten Umweltschäden nicht gerecht, angemessen und nachhaltig angegangen werden.

Die Herausforderung, sich um die Umwelt, unser gemeinsames Erbe, zu kümmern, ist eine kollektive und universelle Aufgabe, die der gesamten Menschheit obliegt. John Wesley, der Begründer der methodistischen Bewegung, war überzeugt, dass Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, seine Schöpfung nie im Stich gelassen hat. Gott ist der Ursprung aller Dinge und bewahrt sie nicht nur, sondern hat sie auch alle erlöst. Die Liebe Gottes schliesst keine einzige Form des Lebens aus (John Wesley, Predigt 67: On Divine Providence). Die Schöpfung ist der ultimative Akt der Liebe. «Gott ist in allen Dingen, und wir sollen den Schöpfer im Spiegel jedes Geschöpfs sehen» (John Wesley, Predigt 23, I. 11). Als Methodist:innen können wir kein Leben der Heiligung führen, ohne uns um die Umwelt, um Gerechtigkeit, Bildung und die Ungleichheit zu kümmern.

Die COP27 ist zu Ende, und wir fordern unsere führenden Politiker:innen nachdrücklich auf, ihr Engagement für eine gerechte Überwindung der Klimakrise zu verstärken. Die Zeit läuft uns davon. Wir müssen JETZT handeln.

Wir müssen diese Gelegenheit nutzen, um uns um Gerechtigkeit zu bemühen und die dringende Aufgabe zu priorisieren, diejenigen zu unterstützen, die unmittelbar von der Krise betroffen sind, damit niemand auf dem Weg zur Erreichung der Klimaziele zurückgelassen wird.

Als junge Methodist:innen aus ganz Europa wissen wir, dass wir unsere Brüder und Schwestern, die unverhältnismässig stark von dieser Krise betroffen sind, stärken und unterstützen müssen.

Wir appellieren an die Staats- und Regierungschefs und die Interessengruppen, die Frage der Verluste und Schäden als ständigen Punkt auf die Verhandlungsagenda zu setzen und die Einrichtung eines spezifischen Finanzierungsmechanismus für Verluste und Schäden sicherzustellen.

Als gläubige Menschen können wir diesen Moment nicht verstreichen lassen, ohne alles zu tun, was wir können, um Klimagerechtigkeit zu erreichen. Wir hören die Klagen aus unserer globalen Familie und die Ängste künftiger Generationen, während wir mit einer Krise konfrontiert sind, die uns alle in ihrer Dringlichkeit zusammenführt. Wir müssen jetzt handeln, in der gemeinsamen Hoffnung, dass genug getan werden kann, um Gottes Schöpfung wieder zum Blühen zu bringen.

Wir beten, dass Sie unsere Stimmen hören und nach der COP27 mit Nachdruck und Leidenschaft handeln werden.

Irene O. Abra – 🔗Opera per le Chiese Metodiste in Italia
Filipa Teixera – 🔗Igreja Metodista em Portugal
Daniel Steinvig – 🔗Metodistenkirken i Danmark
Julia Sjöström – 🔗Equmeniakyrkan
Magdalena Gnigler – 🔗Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich
Sarah Bach – 🔗Evangelisch-methodistische Kirche in der Schweiz

(nicht autorisierte deutsche Übersetzung; 🔗englische Originalfassung)