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Karte: Methodistsiche Kirchengebiete in Europa und Eurasien

In Eurasien entsteht eine autonome Methodistenkirche

22. M├Ąrz 2023

Die methodistische Kirche in Eurasien trennt sich von der United Methodist Church. Die Trennung erfolgt in einem geordneten Verfahren.

In einer ­čöŚonline durchgef├╝hrten Sondersitzung der methodistischen Bischofsgebiete in Nordeuropa und Eurasien am 18. M├Ąrz wurde entschieden, den Trennungsprozess der methodistischen Kirche in Russland, Belarus, Kirgisistan, Kasachstan und Estland von der United Methodist Church voranzutreiben. Die methodistischen Gemeinden dieser Gebiete wollen eine ┬źautonome methodistische Kirche┬╗ bilden, heisst es ­čöŚin der Beschlussvorlage. 40 Delegierte stimmten f├╝r dieses Anliegen, 20 dagegen, wenige enthielten sich der Stimme.

Stein des Anstosses

Das Austrittsvotum erfolgt im Kontext jahrzehntelang w├Ąhrender Debatten ├╝ber den Umgang mit homosexuellen Personen. Die aktuell g├╝ltige Kirchenordnung der United Methodist Church verbietet die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare und die Ordination von ┬źbekennenden, praktizierenden┬╗ homosexuellen Geistlichen. Viele Methodist:innen in den USA und Westeuropa setzen sich f├╝r die Aufhebung dieser Beschr├Ąnkungen ein. Dagegen vertreten unter anderem viele Methodist:innen in Osteuropa weiter die bisherige kirchliche Haltung und setzen sich daf├╝r ein, dass diese strikt durchgesetzt wird.

Geordnete Trennung

Der f├╝r das Gebiet Eurasien zust├Ąndige Bischof Eduard Khegay betonte an der Sondersitzung, dass er und die vier von ihm geleiteten Konferenzen bei ihrem Austritt die in der Kirchenordnung daf├╝r vorgesehenen Verfahren einhalten wollen. Weil f├╝r die Trennung die Zustimmung der Generalkonferenz, des obersten Leitungsgremiumn der weltweiten Methodistenkirche, notwendig ist, deren n├Ąchste Tagung f├╝r den 23. April bis 3. Mai 2024 geplant ist, wird der Prozess Zeit in Anspruch nehmen. Der Austritt der eurasischen methodistischen Kirchengebiete wird daher wohl nicht vor 2025 abgeschlossen sein.

Estnische Kirchgemeinden entscheiden

Eine gesonderte Regelung wurde f├╝r die methodistische Kirche in Estland beschlossen. Dort sollen in einem Entscheidungsprozess die einzelnen Kirchgemeinden befragt werden. Jene, die weiterhin bei der United Methodist Church bleiben wollen, werden zusammen mit den Kirchgemeinden in Litauen und Lettland eine J├Ąhrliche Konferenz (Synode) bilden. Die ├╝brigen k├Ânnten die United Methodist Church noch in diesem Jahr verlassen.

Sonderwege ausgeschlossen

Entschieden wurde an der Tagung auch ├╝ber die Frage, ob J├Ąhrliche Konferenzen (Synoden), die mit dem Bischofsgebiet ┬źNordeuropa und Baltikum┬╗ in der United Methodist Church bleiben wollen, unterschiedliche Regelungen f├╝r die Ordination homosexueller Personen und die Segnung und Trauung homosexueller Paare erlassen k├Ânnen. Eine Mehrheit der Delegierten sprach sich in der Abstimmung gegen diese M├Âglichkeit aus.

Andere Entscheidung erhofft

In einer ­čöŚErkl├Ąrung sagte der norwegische Superintendent Knut Refsdal am 20. M├Ąrz, dass diese Entscheidung eine grosse Entt├Ąuschung f├╝r die ├╝berwiegende Mehrheit der Methodist:innen in Norwegen sei. Bei dem vorgelegten Vorschlag, der gemeinsam von den nordischen, baltischen und ukrainischen Mitgliedern der Tagung ausgearbeitet wurde, habe es sich um einen Vorschlag gehandelt, der den unterschiedlichen Bed├╝rfnissen innerhalb der Kirche Rechnung tr├Ągt. Die norwegischen Methodist:innen hatten an ihrer J├Ąhrlichen Konferenz (Synode) 2022 ­čöŚklar signalisiert, dass sie sich in Richtung einer inklusiveren Praxis bewegen wollten.

Respektvoller Umgang miteinander

┬źDies war in vielerlei Hinsicht eine anspruchsvolle Konferenz┬╗, sagte der f├╝r die nordische und baltische Region zust├Ąndige Bischof Christian Alsted am Ende der Online-Sitzung. Er dankte den Delegierten f├╝r ihren respektvollen Umgang in den teilweise sehr angespannten Gespr├Ąchen.

Die Online-Sitzung war urspr├╝nglich f├╝r drei Stunden angesetzt, dauerte aber fast eine Stunde l├Ąnger, bevor die endg├╝ltige Abstimmung stattfand. ┬źEs ist nicht unbedingt eine Entscheidung, die von allen Mitgliedern der Konferenz mit der gleichen Freude oder Zustimmung aufgenommen wird┬╗, sagte Alsted. ┬źDennoch ist dies die Entscheidung, die wir gemeinsam treffen konnten.┬╗

S.F. / Quelle: Heather Hahn, UMNS
Beitragsbild: Nach der bis 2025 erfolgten Trennung entsteht in Eurasien voraussichtlich eine autonome methodistische Kirche. (Karte: d-maps.com; Bearbeitung: S.F.)
Die methodistische Kirche in Eurasien
Die United Methodist Church hat in den Jahren nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch der Sowjetunion ihre Pr├Ąsenz in Estland, Russland und den angrenzenden L├Ąndern ausgebaut.
Trotz des grossen geografischen Gebiets hat die methodistische Kirche dort dennoch meist nur wenige Mitglieder. Die vier eurasischen J├Ąhrlichen Konferenzen (Synoden), die alle von Bischof Eduard Khegay geleitet werden, haben insgesamt 66 Kirchengemeinden. Insgesamt hatten die Konferenzen im Jahr 2017 etwa 1100 Mitglieder ­čöŚlaut statistischen Angaben der United Methodist Church.
In Estland, das aktuell zu Bischof Alsteds Gebiet geh├Ârt, gibt es derzeit 25 methodistische Kirchen mit insgesamt rund 1650 Mitgliedern.
Die Beziehungen innerhalb der Bischofsgebiete waren in der Vergangenheit durch internationale Konflikte belastet. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hielt die Zentralkonferenz f├╝r Nordeuropa und Eurasien ­čöŚim vergangenen Jahr eine Sondersitzung ab. Auf dieser wurde beschlossen, die methodistischen Gemeinden der Ukraine und Moldawiens vor├╝bergehend aus dem von Eduard Khegay in Moskau geleiteten Gebiet in das von Christian Alsted in Kopenhagen, D├Ąnemark, geleitete Gebiet zu verlegen.
Khegay kritisierte unter pers├Ânlichem Risiko offen den Einmarsch Russlands in die Ukraine. Er sprach sich jedoch auch gegen die Verlegung ukrainischen und moldawischen Kirchgemeinden aus seinem Gebiet aus.
Die Delegierten aus Russland, Weissrussland, Kirgisistan und Kasachstan boykottierten die Abstimmung im letzten Jahr. An der diesj├Ąhrigen Sondersitzung nahmen jedoch fast alle der 64 stimmberechtigten Delegierten der Zentralkonferenz teil.

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