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Bild: Bischof Thomas J. Bickerton

Turbulente Wegstrecke hin zu einer erneuerten Kirche

3. Mai 2023

Die Bischöfinnen und Bischöfe der United Methodist Church, weltweiten Methodistenkirche treffen sich vom 29. April bis 5. Mai erstmals seit 2019 wieder persönlich zu einer Sitzung. Die Eröffnungsansprache des Vorsitzenden stand im Zeichen des vor allem in den USA sich vollziehenden Ausscheidens methodistischer Kirchgemeinden.

«Die Zukunft der United Methodist Church hängt von unserer Fähigkeit ab, inständig zu beten, dass Gott uns die Kraft und den Mut gibt, das zu tun, was wir tun müssen, wozu wir schon immer berufen waren», sagte Bischof Thomas J. Bickerton, der Vorsitzende de Bischofsrats in seiner Ansprache in einem Hotel in Chicago vor rund 100 aktiven und pensionierten Bischöfinnen und Bischöfen aus vier Kontinenten, die sich zum ersten Mal seit 2019 persönlich trafen. Seine Ansprache wurde auf der Facebook-Seite des Bischofsrats auch live übertragen.

Neue Bischöfinnen und Bischöfe

Das Treffen war geprägt von der Freude, einander nach den Pandemie-Zeiten endlich wieder persönlich treffe und umarmen zu können. Zugleich konnten die Bischöfinnen und Bischöfe 17 neu gewählte Amtskolleg:innen willkommen heissen – die demografisch vielfältigste Gruppe bischöflicher Führungskräfte in der Geschichte der United Methodist Church.

Zugleich war der Auftakt der Tagung aber auch geprägt von den kräftezehrenden und schmerzvollen Erfahrungen, die mit dem Abschied von einem anderen Teil der Kirchenfamilie einhergehen. «Ich gebe zu, dass ich dies gerne hinter mir lassen möchte», sagte Bickerton den Anwesenden. «Ich möchte, dass wir aufhören, über ‹Spaltung› zu reden.» Seine Sorge sei, dass die verantwortlichen mehr Zeit mit denen verbracht haben, die austreten, statt ihre Energie auf die zu konzentrieren, die bleiben.

Im Umbruch

Die United Methodist Church befindet sich in einem Umbruch, wie ihn die Verantwortlichen noch nie erlebt haben. Eine im Jahr 2019 beschlossene kirchenrechtliche Regelung erlaubt es US-Gemeinden noch bis Ende dieses Jahres, mit ihrem Vermögen auszutreten, wenn sie bestimmte verfahrenstechnische und finanzielle Anforderungen erfüllen.

Im Hintergrund dieser Entscheidung und der sich vollziehenden Austritte stehen Diskussionen um sexualethsiche Fragen, besonders um die voll Inklusion von offen homosexuell lebenden Personen. Seit der Gründung der «Global Methodist Church» im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Austritte erhöht. Diese neue methodistische Denomination vertritt in diesen Fragen die traditionelle kirchliche Haltung und wirbt offensiv um den Beitritt von Kirchen der United Methodist Church.

Entscheidendes Wochenende

Nach einer Untersuchung von UM News, dem Nachrichtenportal der United Methodist Church, haben bisher fast 2 500 Gemeinden die Voraussetzungen für einen Austritt erfüllt. Das sind etwa 8% der US-amerikanischen Kirchgemeinden der United Methodist Church. Doch weitere Austritte sind zu erwarten. Fünfzehn Jährliche Konferenzen (Synoden) haben für die nächsten zwei Monate Sondersitzungen anberaumt, um über Anträge auf Kirchenaustritte abzustimmen. Sieben dieser Sondersitzungen sollen am kommenden Wochenende stattfinden.

Nicht jede austretende Kirche wechselt zu der neuen Denomination. Einige schliessen sich einer anderen Denomination innerhalb der methodistischen Kirchenfamilie an. Andere werden unabhängig und sehen keine Notwendigkeit, einer Denomination anzugehören.

Neue Akzente setzen

«Wir haben es mit negativer Rhetorik und Strategien zu tun, die darauf abzielen, zu spalten, anstatt zu vereinen», sagte Bickerton in seiner Ansprache mit Blick auf diese Prozesse. «Aber das kann nicht unsere Haltung für die Zukunft sein».

Er räumte jedoch auch ein, dass die Kirche künftig mit weniger finanziellen Mitteln neu organisiert werden muss. «Wir sollten uns darauf einstellen, dass wir weniger Bischöfinnen und Bischöfe haben werden, dass die Grenzen neu gezogen werden, dass die Organisationen reformiert werden und dass wir einen neu strukturierten Arbeitsplan brauchen, um unseren Auftrag zu erfüllen», sagte er. «Wir können nicht mit dem arbeiten, was nicht da ist».

Wieder ein klares Profil gewinnen

Dennoch, so Bickerton, können die Methodist:innen die Identität der Konfession als einer Kirche zurückgewinnen, die Gottes Gnade in der Taufe, an einem offenen Tisch und im missionarischen Einsatz verkündet. Die Bischöfinnen und Bischöfe zusammen mit den Methodist:innen, für die sie Verantwortung tragen, hätten noch viel Arbeit vor sich, sagte der Präsident des Bischofsrats. Doch er freue sich auf eine erneuerte Kirche.

«Lasst uns wieder gerne in die Kirche gehen», sagte er, «und uns sicher sein, dass die Menschen, die an unseren Gebäuden vorbeigehen, wissen, dass sich in diesen Mauern Menschen zusammenfinden, die Gott vorbehaltlos lieben und die auch jede Person als kostbaren Teil von Gottes Schöpfung aufrichtig lieben.»

Heather Hahn, UM News / S.F.
Beitragsbild: Der Präsident des Bischofsrates, Thomas J. Bickerton, während seiner Ansprache am 1. Mai. (Foto: Heather Hahn, UM News)

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