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Bild: Oliver Merz

«Überdurchschnittlich inklusiv»

17. Juni 2023

Im Rahmen der Jährlichen Konferenz (Synode) treffen sich jeweils die Laien für eine Sitzung unter sich. Bei der Tagung an der Lenk war am Freitagvormittag der Theologe Oliver Merz zu Gast.

«Wirklich dazu gehören nur die Menschen, die auch vermisst werden, wenn sie nicht da sind.» Diese provokative Aussage äusserte Dr. Oliver Merz im Rahmen eines Workshops zum Thema «Dazugehören – eine inklusive(r)e Kirche werden». Dieser bildete den Schwerpunkt der Laienzusammenkunft.

Oliver Merz
… ist freiberuflich tätiger Theologe, wohnhaft in Thun, Gründer von Institut Inklusiv GmbH.

Sich zugänglich machen

Inklusion sei nicht dasselbe wie Integration, erklärte er gleich zu Beginn. Integration bedeute, dass einzelne sich anstrengen, Teil eines grösseren Ganzen zu werden. Inklusion hingegen bedeute, dass die Gesellschaft (bzw. die Gruppe) sich für alle zugänglich macht, indem sie entsprechende Massnahmen trifft.

«Anders» als die Mehrheit

Darum sei Inklusion auch anspruchsvoller. Besonders im Blick in seinem Workshop hatte er Menschen mit einer Behinderung, aber auch generell Menschen, die «anders» sind als die Mehrheitsgesellschaft und dadurch am Rand stehen.

Gemeinden evaluieren

Anhand eines Fragebogens machten sich die Teilnehmenden zuerst Gedanken darüber, wie inklusiv die eigene Kirchgemeinde ist. «Methodisten scheinen in dieser Frage ziemlich dem kirchlichen Durchschnitt zu entsprechen», kommentierte er das Ergebnis.

Es bleibt viel zu tun

Inklusion ist ein zutiefst christliches Anliegen, machte Oliver Merz anhand vieler biblischer Texte klar. Auch sei sie tief in der Gesellschaft verwurzelt und in der Schweizerischen Bundesverfassung explizit formuliert. Die Schweiz sowohl als auch Frankreich hätten die Behindertenrechtskonvention der UNO unterzeichnet. Trotzdem bleibe im Alltag noch viel zu tun.

Im Idealfall würden Kirchen dabei vorausgehen, meinte er. Einfach sei es nicht und auch nicht ohne Anstrengung zu erreichen. Schon die ersten Gemeinden hätten sich damit schwergetan, wie entsprechende Ermahnungen in der Bibel zeigten.

Miteinander statt füreinander

Für den Weg zu mehr Inklusion würden viele Hilfsmittel zur Verfügung stehen, sagte Oliver Merz und ermutigte dazu, solche zu nutzen. Zuerst gehe es aber darum, eine empathische Kirchenkultur zu fördern, wo man miteinander und nicht füreinander handle. Letztendlich könne man so an der Wiederherstellung der göttlichen Gerechtigkeit mitwirken, und das sei ermutigend, schloss er.

Im Interview

Im Anschluss an den Sitzungsteil mit den Laien war Oliver Merz zu Gast zu einem Interview im Livestudio. Dabei sagt er kurz noch einmal, wann Inklusion aus seiner Sicht gelungen ist. Unter anderem fragte Sarina Ottersberg im Interview auch, wie weit nach seiner Sicht als Aussenstehendem die methodistische Kirche in Sachen Inklusion ist. Dabei präzisierte er seine Aussage während der Laiensitzung deutlich: «Die EMK ist insgesamt überdurchschnittlich inklusiv», meinte er im Interview.

Christine Schneider / S.F.
Beitragsbild: Oliver Merz an der Laiensitzung (Foto: Screenshot aus dem Livestream)

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