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Bild: Sarah Bach und Stefan Moll

«Erleichterte Einbürgerung» in die Kirche?

20. Juni 2023

Kirchenzugehörige:r? Kirchenmitglied? – Die Delegierten an der Jährlichen Konferenz (Synode) der Methodistenkirche in der Schweiz, Frankreich und Nordafrika berieten erneut darüber, ob die Hürde für eine Zugehörigkeit zu ihrer Gemeinschaft aktuell nicht zu hoch sind.

Am Freitagnachmittag, 16. Juni war an der Jährlichen Konferenz (Synode) der methodistischen Kirche eine längere Sitzungszeit eingeplant, in der sich die Delegierten erneut mit Veränderungen in Verständnis und Handhabung der Kirchenzugehörigkeit auseinandersetzten. Bereits an der Tagung 2022 hatte es einen Antrag dazu gegeben, wie das Verständnis der Kirchengliedschaft neu verstanden werden könnte. Dieser war dann jedoch wieder an die zuständige Kommission zurückgewiesen worden. Die legte nun weitere Überlegungen dazu und einen Antrag für eine geringfügige Änderung vor.

Kirche mit Bildern umschreiben

Pfarrer Stefan Moll und Pfarrerin Sarah Bach stellten den Bericht der Kommission vor, indem sie sechs Bilder präsentierten. Diese sollten im Zusammenhang zur Frage der Kirchenzugehörigkeit die Vision für Kirche darstellen:

• Die Kirche sei Vielfalt, eine Zusammenkunft von unterschiedlichen Menschen, die Jesus nachfolgen.

• Eine Kirchenzugehörigkeit sei ein Gnadenmittel. Mithilfe eines Gnadenmittels im Sinne John Wesleys könne der Gnadenfluss Gottes spürbar erlebt werden. Der Kirche zuzugehören könne ein solches Gnadenmittel sein.

• Die Kirche sei konnexional. Sie sei nicht nur ein Zusammenschluss von Individuen, die sich nicht miteinander berühren, sondern lebe von der Verbindung unter den einzelnen Gliedern und vom gegenseitigen Angewiesensein aufeinander.

• Eine Kirchenzugehörigkeit sei ein dynamisches Geschehen und bleibe immer im Fluss. Der Kirche zuzugehören bedeute nicht, am Hafen anzukommen und die Reise dort abzuschliessen. Vielmehr würden Menschen dabei «in Fahrt» bleiben.

• Eine Kirchenzugehörigkeit sei ein Weg der Jüngerschaft. Dieser Weg gleiche einem Zyklus, in dem Menschen sich bewegen.

• Der Kirche anzugehören müsse erleichtert werden. Dies erläuterten Stefan Moll und Sarah Bach mit dem Bild der «erleichterten Einbürgerung».

Kirchliches «Speed Dating»

Nach der Präsentation wurden die Konferenzteilnehmer:innen gebeten, über die vorgestellten Bilder ins Gespräch zu kommen. In Form eines «Speed Datings» bewegten sich die Leute im ganzen Saal herum, um in kürzester Zeit so viele Personen wie möglich als Gesprächsgegenüber zu treffen.

Kirchenordnung oder Vereinsrecht

Im Anschluss war das Mikrophon offen für Wortmeldungen und Fragen. Im Plenum wurde über das komplexe Thema der Kirchenzugehörigkeit rege diskutiert. Vor allem wurde dabei hervorgehoben, wie das Verständnis von Zugehörigkeit in der methodistischen Kirche nicht vom Schweizer Vereinsrecht geprägt sein sollte. Es gebe eine Diskrepanz zwischen der Kirchenordnung, die ein theologische Verständnis der Kirchenzugehörigkeit vorgibt, und dem Vereinsrecht, das das andere Verständnis vertritt. Stefan Moll plädierte deshalb dafür, auf den Sprachgebrauch zu achten und nicht mehr von «Mitgliedschaft» zu sprechen, sondern von «Kirchenzugehörigkeit».

Aufgaben für die Weiterarbeit

Auf die Frage, wie die Arbeit für die Kommission im kommenden Konferenzjahr weitergehe, antwortete Stefan Moll mit drei Aufgabenfeldern, denen die Kommission sich im nächsten Jahr zuwenden werde:

Es sei zum einen noch schwierig, die Kirchenzugehörigkeit mit dem «Jüngerschaftszyklus» in Verbindung zu bringen. Da aber ein wichtiger Zusammenhang zwischen beidem bestehe, werde die Kommission diesen zu präzisieren versuchen.

Die Kommission regte zudem an, jährlich eine Feier zur «Erneuerung des Bekenntnisses» anzubieten. Die Vorlagen dazu, wie eine solche Feier gestaltet werden könnte, werde die Kommission erarbeiten und den Bezirken zur Verfügung stellen.

Kirchenglieder würden aktuell in zwei Kategorien erfasst: Bekennende und Getaufte Glieder. Wie der Zusammenhang und die Differenz zwischen diesen beiden Gliedschaften aussieht und wie die Kirchenzugehörigkeit mit der Taufe zusammenhängt, werde die Kommission als dritten Schwerpunkt der Arbeit ebenfalls vertiefter angehen.

Gesondert fragen

Zum Bericht der Kommission gehörte auch ein Antrag, eine der Fragen, die bei der Aufnahme in die Kirchengliedschaft beantwortet werden, in zwei Fragen aufzuteilen. Inhaltlich handle es sich um zwei verschiedene Anliegen, die auch getrennt wahrgenommen werden sollten: Die Zugehörigkeit zur weltweiten, unsichtbaren Kirche Christi und die Zugehörigkeit zur sichtbaren Evangelisch-methodistischen Kirche.

Dieser Antrag wurde mit einer Gegenstimme angenommen und wird nun als Antrag der nächsten Tagung der Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa vorgelegt, weil nur diese berechtigt ist, eine entsprechende Adaption der Kirchenordnung vorzunehmen.

Chae Bin Kim / S.F.
Beitragsbild: Sarah Bach und Stefan Moll leiten die Delegierten an zum Austausch über Fragen der Kirchenzugehörigkeit. (Foto: S.F:, EMK Schweiz)

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