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Bild:Christian Alsted und Robert Tserenkov

Methodistische Kirche in Estland wird unabhängig

5. Juli 2023

Am 16. Juni haben die Methodist:innen in Estland entschieden, die weltweite methodistische Kirche zu verlassen und eine unabhängige Kirche zu gründen. Die Trennung erfolgte friedlich. Beide Kirchen unterzeichneten eine Erklärung, in der sie sich gegenseitig anerkannten.

Mit einer Mehrheit von 97% bestätigte eine Tagung der Methodistenkirche in Estland am 16. Juni die Entscheidung der Kirchengemeinden, sich von der weltweiten Methodistenkirche, der United Methodist Church (UMC) zu trennen. Das Kircheneigentum und die Vermögenswerte der methodistischen Kirche wurden zum 1. Juli auf die neu gegründete unabhängige Estnische Methodistische Kirche übertragen. Zu diesen Vermögenswerten gehören neben den Gebäuden der Kirchgemeinden auch mehrere diakonische Einrichtungen und das Baltische Methodistische Theologische Seminar in Tallinn, der Hauptstadt Estlands.

Feierlich und emotional

Der für Estland zuständige Bischof der United Methodist Church, Christian Alsted, beschrieb die Tagung als feierlich und vom Gebet geprägt, aber auch als sehr emotional. «Mir persönlich tut die Trennung sehr weh. Ich halte sie für unnötig und glaube, dass sie ein Verlust für die Methodist:innen in Estland wie auch für die gesamte UMC ist», schreibt er in einer Presseerklärung. Nichtsdestotrotz respektiere und anerkenne er die Entscheidung der Methodistenkirche Estlands und stehe zu seiner Verpflichtung, allen Jährlichen Konferenzen (Synoden), Distrikten und Ortskirchen im nordischen, baltischen und ukrainischen Bischofsgebiet dabei zu helfen, in eine Zukunft zu gehen, die ihnen ermöglicht, glaubhaft ihren Dienst auzuüben.

Kleine «Fibel» zur Kirchenstruktur
Die Struktur der United Methodist Church (UMC) gliedert sich in immer grösser werdende Einheiten:
Mehrere lokale Kirchgemeinden gehören zu einem Distrikt.
Jährliche Konferenzen (Synoden) – die grundlegende Organisationseinheit für die kirchliche Arbeit der methodistischen Kirche – umfassen in der Regel eine Vielzahl von Distrikten und die ihnen angehörenden Kirchgemeinden. Bischöf:innen leiten bischöfliche Gebiete, zu denen eine oder mehrere Jahreskonferenzen gehören.
Die Zentralkonferenzen – sieben Kirchenregionen in Afrika, Europa und auf den Philippinen – und die fünf Jurisdiktionalkonferenzen in den USA umfassen jeweils mehrere Jahreskonferenzen.
Die Generalkonferenz, mit Delegierten aus allen Jährlichen Konferenzen weltweit, ist das oberste Leitungsgremium der UMC.

Der Distrikt Estland mit rund 1500 Mitgliedern ist Teil der grösseren Baltischen Jährlichen Konferenz, zu der auch die Methodist:innen in Litauen und Lettland gehören. In der Konferenz verbleiben 18 Kirchen mit insgesamt etwa 870 Mitgliedern.

Spannungsvolle Debatten

Der Austritt der estnischen Kirchgemeindenen vollzieht sich vor dem Hintergrund der in der United Methodist Church schon länger anhaltenden Debatten über die Bibelauslegung und den Platz von Personen aus der LGBTQ-Community. Die aktuell gültige Kirchenordnung der UMC verbietet die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare und die Ordination von «bekennenden, praktizierenden» schwulen Geistlichen. Bei Methodist:innen in den USA und Westeuropa gibt es Bestrebungen, diese Verbote aus der Kirchenordnung zu streichen.

Respektvolle Trennung

Nach estnischem Zivilrecht hätte die Kirche in Estland einfach mit ihrem Eigentum austreten können, sagte Bischof Alsted. Aber die estnischen Methodist:innen wollten diese Trennung «auf friedliche und respektvolle Weise» vollziehen.

An einer Sondersitzung der Zentralkonferenz in Nordeuropa und Eurasien im März hatten die Delegierten ein Verfahren gebilligt, das vorsah, dass zunächst in den Kirchgemeinden über die Trennung abzustimmen sei. Dabei musste jede estnische Kirchgemeinde die Trennung mit einer Zweidrittelmehrheit unterstützen.Die meisten Kirchgemeinden hätten einstimmig für den Austritt gestimmt, sagte Alsted.

Gegenseitige Anerkennung

Auf der Distriktkonferenz in Tallinn, auf der die Trennung der estnischen Kirchen nun beschlossen wurde, unterzeichneten Alsted und der estnische Superintendent Robert Tserenkov, der die neue Kirche interimistisch leiten wird, eine Vereinbarung über die gegenseitige Anerkennung zwischen der UMC und der unabhängigen estnischen Methodistenkirche. «Beide erkennen einander an, dass sie Glieder der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche sind, wie es in der Heiligen Schrift ausgedrückt, in den historischen Glaubensbekenntnissen der Kirche bekannt und in unseren gemeinsamen Lehrnormen bestätigt wird», heisst es in der Vereinbarung.

In der Vereinbarung verpflichten sich die Zentralkonferenz der UMC und die neue unabhängige Kirche ausserdem, in Mission und Dienst zusammenzuarbeiten, wo immer dies möglich ist, und die Mitglieder der jeweils anderen Kirche aufzunehmen.

Heather Hahn, UM-News / S.F.
Beitragsbild: Der Bischof der Nordisch-Baltisch-Ukrainischen Region der Methodistenkirche, Christian Alsted (links), und der Superintendent des Distrikts Estland, Robert Tserenkov, unterzeichnen eine Vereinbarung über die gegenseitige Anerkennung zwischen der Zentralkonferenz Nordeuropa und Eurasien und der Methodistischen Kirche Estlands. Die 23 methodistischen Kirchen in Estland schliessen sich zur Estonia Methodist Church zusammen, die Tserenkov neben einem gewählten Rat leiten wird, bis die neue Denomination einen Bischof wählt. (Foto:  zVg von Bischof Christian Alsted)

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