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Regionalisierung der weltweiten Methodistenkirche

4. September 2023

Es gab viele Versuche, die Evangelisch-methodistische Kirche von ihrer US-Zentriertheit zu befreien. Jetzt kommt womöglich Bewegung in die Sache.

Seit Jahren gibt es innerhalb der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (United Methodist Church – UMC) eine Diskussion über die vorrangige Ausrichtung auf die Kirche in den Vereinigten Staaten. Etliche Anläufe, dies zu ändern, scheiterten. Jetzt ist Bewegung in diese Angelegenheit gekommen. Zwei maßgebliche Gremien sowie eine große Basisbewegung legen der im kommenden Jahr tagenden Generalkonferenz, dem weltweit höchsten Kirchenparlament der UMC, ein gemeinsames Antragspaket vor. Unter dem Leitwort «Regionalisierung» zielen diese Anträge darauf ab, Afrika, Europa, die Philippinen und die USA in kirchlichen Entscheidungsprozessen gleichberechtigt zu behandeln.

Regionalisierung ist das Ziel

Die jetzt vorliegende Zusammenführung der Anträge dreier verschiedener Gruppen, die inhaltlich in eine ähnliche Richtung zielten, sich im Detail aber unterschieden, ist das Ergebnis einer intensiven, weltweiten Zusammenarbeit. Der Anstoß dazu kam von den Vorständen des «Connectional Table» (ein internationales Leitungs- und Koordinationsgremium der Kirche) und des «Standing Committee on Central Conference Matters» (Ständigen Ausschuss für Belange der Zentralkonferenzen). Damit sollte das grundlegende, gemeinsame Anliegen mehr Gewicht bekommen. Die Zusammenarbeit mündete in einen intensiven Gesprächsprozess von Personen beider Gremien, in die auch Führungspersonen der Basisbewegung «Christmas Covenant»(Weihnachts-Bund) einbezogen wurden.

An den Beratungen beteiligt waren aus Deutschland Bischof Harald Rückert, Pastorin Anne Detjen und Christine Flick als Mitglieder im «Ständigen Ausschuss für Belange der Zentralkonferenzen» sowie Superintendent Markus Jung, als Mitglied des «Connectional Table».

Das gemeinsam entwickelte Antragspaket aus acht Einzelanträgen wurde zwischenzeitlich von den beteiligten Gremien jeweils einstimmig verabschiedet.

Der «Christmas Covenant», der als dritte Gruppierung das gemeinsame Antragspaket unterstützt, ist eine Basisbewegung in der UMC, die mit ihrem Einsatz für Gerechtigkeit, Respekt und Gemeinsamkeit die Anliegen der Regionalisierung der weltweiten Kirche teilt und stark befördert.

Gleichberechtigung der weltweiten Regionen

Die Zielrichtung dieses Antrags beschreibt die kürzlich veröffentlichte Pressemeldung des Ausschusses für die Zentralkonferenzen wie folgt: «Die vorliegende Gesetzgebung zur weltweiten Regionalisierung zielt darauf ab, in allen Regionen der Evangelisch-methodistischen Kirche für Gleichberechtigung zu sorgen.» Der bisherige Vorrang und Einfluss der Vereinigten Staaten auf die Generalkonferenz solle durch die Dezentralisierung in gleichberechtigte Strukturen überführt werden. Ausdrücklich hervorgehoben wird dabei die evangelisch-methodistische Theologie des «Konnexionalismus». Diese theologisch begründete Verbundenheit, gegenseitige Verbindlichkeit und der gemeinsame Wille zur Entscheidungsfindung versetze die Kirche in die Lage, ihren Auftrag an den jeweiligen Orten situationsbezogen zu gestalten.

Auf Augenhöhe und eigenständig

Zentrales Element der gemeinsamen Anträge und neu gegenüber der bisherigen Ordnung und Struktur der Kirche ist die Bildung gleichberechtigter «Regionalkonferenzen». Die bisherigen Zentralkonferenzen werden dazu in Regionalkonferenzen umgewandelt. Für die Kirche in den Vereinigten Staaten ist die Änderung weitreichend. Dort wird eine neue Regionalkonferenz gebildet, die «United States Regional Conference» (USRC), in der die bisherigen fünf sogenannten Jurisdiktionalkonferenzen zusammengefasst werden.

Die Regionalkonferenzen erhalten eigene Befugnisse, um die kirchliche Arbeit in ihrer jeweiligen Region flexibler gestalten zu können. Für die Kirche in den Vereinigten Staaten bedeutet das einen starken Einschnitt ihrer Arbeitsweise und ihres Selbstverständnisses. Die vorgeschlagenen Änderungen würden dazu führen, dass erstmalig alle Regionen der Methodistenkirche weltweit auf Augenhöhe zusammenarbeiten und gleichzeitig große Freiheiten erhalten, in ihren jeweiligen Regionen eigenständig Schwerpunkte setzen und Ordnungsfragen flexibler handhaben zu können. Mit der Bildung einer neuen US-Regionalkonferenz wäre die Generalkonferenz auch von rein inneramerikanischen Inhalten entlastet.

Ein Beispiel für das künftige Sein der Kirche

«Bei unserem Antrag geht es um Relevanz, Gleichberechtigung und Vertrauen», beschreibt Harald Rückert die Bedeutung dieses gemeinsamen Antrags. «Um für die Menschen in den jeweiligen Kontexten relevanter zu sein, brauchen wir Freiheit, unsere Gemeinden entsprechend zu gestalten. Um wirklich eine weltweite Kirche zu werden, müssen wir Ungleichheit beseitigen», sagte der für Deutschland zuständige Bischof, der als Ko-Vorsitzender des Ständigen Ausschusses für Zentralkonferenzbelange die gemeinsame Antragstellung stark unterstützte. «Wir brauchen Vertrauen statt detaillierter Vorschriften», unterstrich Rückert die Bedeutung der anstehenden Generalkonferenz-Entscheidung. Nur so werde die Methodistenkirche ihre im Begriff der «Konnexio» beschriebene Verbundenheit wirklich leben und bewahren können.

Es sei ein «hartes Stück Arbeit» gewesen und ein «bemerkenswerter Vorgang», dass sich «drei große und einflussreiche ‹Player› für die künftige Methodistenkirche nach 2024 zusammengefunden und in eine ähnliche Richtung gedacht und gearbeitet haben». Angesichts der Bedeutung dieses Vorgangs ergänzt Rückert: «Für mich ist das ein kleines Wunder und zugleich ein gutes Beispiel dafür, wie unsere Kirche künftig funktionieren kann.»

Text: Klaus Ulrich Ruof, Pressesprecher der Ev.-methodistischen Kirche Deutschland / es
Illustration: Globus von OpenClipart-Vectors, Pixabay; Grafik von Laurens Glass, UM-News

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