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Bild: Klimagebet am 30. September

Gemeinsam beten für Anliegen des Klimaschutzes

9. Oktober 2023

Rund 60 000 Menschen waren laut den Organisator:innen am 30. September bei der Klimademo in Bern auf die Strasse gegangen. Viele Christ:innen trafen sich vor der Demo in der Heiliggeistkirche in Bern zum Klimagebet. Die methodistische Pfarrerin Sarah Bach hat diesen Anlass mit organisiert.

«Wir waren überrascht, wie viele Leute da gekommen sind», sagt Sarah Bach im Rückblick auf das Klimagebet. Mit rund 200 Personen war die Heiliggeistkirche in Bern am 30. September sehr gut gefüllt. Rund die Hälfte der Teilnehmer:innen nahm anschliessend auch an der Klimademo teil.

Eintreten für den Klimaschutz

«Nur» die Hälfte? – «Nein», sagt Sarah Bach. «Wir haben ganz bewusst damit geworben, dass man auch nur ans Gebet kommen kann.» Das sei auch eine Form, für das Anliegen des Klimaschutzes einzustehen. Die Verantwortlichen haben auch entsprechende Rückmeldungen erhalten. Verschiedene Personen haben sich bedankt für diese Möglichkeit: «Eine Demo ist nicht meine Sache. Aber ich habe es super gefunden, dass ich an dem Gebet teilnehmen konnte», habe jemand zum Beispiel gesagt.

«Das Klimagebet ergänzt die Demo auf eine passende Art und Weise», ist Sarah Bach überzeugt. Angeregt hatte sie das Gebet vor der Demo zusammen mit anderen Leuten von der 🔗«Christlichen Klima Aktion» auch aufgrund der Erfahrungen bei den freitaglichen Klima­streiks. «Seit ungefähr eineinhalb Jahren haben wir jeweils ein Gebet vor dem offiziellen Beginn der Streiks angeboten.»

Ein Moment der Achtsamkeit

Einerseits gehe es darum, die ruhigere Dimension dieser Spiritualität zu stärken, um Kraft schöpfen und auftanken zu können. «Wir wissen aus unserer eigenen Erfahrung, wie aufwühlend das Engagement für den Klimaschutz sein kann.» Wut breche auf oder Frust, Hoffnung erwache, Freude mache sich breit und das Gefühl der solidarischen Verbundenheit. «All diese Gefühle wollen wir unter den Schirm Gottes bringen.»

Die gemeinsamen Gebetsanlässe sollen ein Zeichen setzen: «Gott hat all diese Gefühle in der Hand.» Gott könne helfen, die Wut auszuhalten, aber auch an den richtigen Orten zu kanalisieren. «Uns war es wichtig, einen Moment der Achtsamkeit zu ermöglichen, an dem wir all das bewusst Gott hinlegen können.»

Für die Teilnahme gewinnen

Zum spirituellen Grund tritt ein pragmatischer: «Wir waren der Überzeugung, dass es uns auf diese Weise gelingt, noch mehr Personen dafür zu gewinnen, an diesen Demos teilzunehmen.» Auch wenn Leute im eigenen Umfeld niemanden haben, mit dem zusammen sie an die Demo gehen können, hier finden sie andere.

Der Raum für die Gefühle und das Anliegen, miteinander in Kontakt zu kommen und sich zu vernetzen, waren auch Elemente der Feier in Bern am 30. September. «Wir hatten Musik zum Eingang, haben die Leute begrüsst und dann zu einem Moment der Stille eingeladen.» Die Teilnehmer:innen sollten sich ihrer Gefühle bewusst werden – vor Gott und im Kontext der Gemeinschaft.

Gemeinsam beten

Eine biblische Lesung folgte, ein paar Gedanken und die Möglichkeit, miteinander rechts und links, hinten und vorne in den Bankreihen ins Gespräch zu kommen. Und dann eine Gebetszeit. Zunächst eine Zeit des freien Gebets. «Danach haben wir miteinander das ‹Unser Vater› gebetet – aber auf eine spezielle Weise, 🔗mit einem ökologischen Hintergrund.» Die einzelnen Gebetszeilen des Unser Vaters werden dabei eingeführt und in einen ökologischen Kontext gestellt.

Auch bei den Klimagebeten vor den Klimastreiks würden sie dieses Gebet oft miteinander sprechen. «Das ‹Unser Vater› ist ein ökumenisches Gebet, das alle mitbeten können, weil sie es kennen.» Dieses altbekannte Gebet werde nun mit neuen Gedanken gefüllt. «Wir knüpfen also an Erfahrungen mit diesem Gebet an, die tief in uns verankert sind – und bringen diese Erfahrungen in den neuen Kontext mit ein.»

Mit einem Lied und unter dem Zuspruch des Segens Gottes seien anschliessend die Teilnehmer:innen, die das wollten, weitergezogen an die Klimademo. Dort gab es einen grossen Block mit Personen aus verschiedenen Religionsgemeinschaften. «Denen haben wir uns angeschlossen.»

Mit Blick auf die Wahlen

Die Klimademo wollte noch einmal ein Signal hinsichtlich der eidgenössischen Wahlen am 22. Oktober aussenden. Ist das gelungen? – «Ich hoffe es», antwortet Sarah Bach. Doch das abzuschätzen sei schwierig.

Sich selbst bezeichnet sie als «hoffnungsvolle Realistin»: «Mir ist klar: Eine Demo allein verändert nichts. Aber ohne Demo veränderst du auch nichts.» Politisch sein, beschränke sich nicht darauf, wählen zu gehen, sondern heisse auch, sich an unterschiedlichen Orten und ausdauernd für diese Anliegen einzusetzen. «Eine Demo ist ein Ort dafür. Und hier können sich all diese Leute treffen und vernetzen, die sich sonst in kleinen oder grossen Bereich einsetzen.»

Glaube und Klimaschutz

Also eher ein Langstreckenlauf als ein Sprint. Doch was motiviert sie selbst dran zu bleiben? – «Ich weiss nicht ob ‹motiviert› das richtige Wort ist», sagt sie lachend. Manchmal sei sie nicht wirklich motiviert.« Ich merke einfach: Es nicht zu machen, würde mir auch keine Ruhe lassen.»

Wesentlich sei ihr christlicher Glaube: «Das ist ein Ort, an dem ich meine Spiritualität leben kann.» Sie trete auf der Strasse ein für dieses Anliegen. Im Kontext ihrer Doktorarbeit denke sie darüber nachdenken, was die Herausforderungen der Klimakrise für den christlichen Glauben bedeuten. In der methodistischen Kirche in der Schweiz setze sie sich dafür ein, dass konkrete Schritte getan werden. So entstünden Berührungspunkte, an denen Glaube und Leben miteinander in Bezug treten.

Verbundenheit erleben

Aktivismus und Spiritualität durchdringen sich gegenseitig bei ihr. «In all diesen Bereichen gibt es Momente, in denen ich mich verbunden fühle – mit anderen Menschen, die dasselbe Anliegen haben, mit der natürlichen Welt und mit Gott – in einer Art und Weise, wie ich es in anderen Bereichen nicht in derselben Intensität erlebe.»

«Das ist so eine schöne Verbindung», sagt die Pfarrerin. «Ich kann mich für ein Thema einsetzen, das mir am Herzen liegt, und das ist ebenso ein zutiefst christliches Anliegen. Ich erlebe Gott und komme Gott näher und dem, wie er mit Menschen arbeitet.»

Eine Balance finden

Doch neben allem Engagement gehören auch Ruhephasen dazu. Auch das ist Teil ihrer Spiritualität. «Mir ist es wichtig, das den Leuten immer wieder klar zu machen, damit sie nicht das Gefühl haben, sie müssten immer mit aller Kraft dran sein.» Das könne niemand durchhalten.

Ein wichtiger Ort, um sich zu engagieren, war für sie das Klimagebet am 30. September. Die Atmosphäre sei offen, herzlich und zugewandt gewesen. «Wir hatten auch sehr positive Rückmeldungen zu diesem Anlass.» Wichtig gewesen sei zu erleben, nicht allein zu sein in diesem Thema – auch als Christ:innen nicht.

S.F.
Beitragsbild: Rund 200 Personen nahmen am Klimagebet in der Heiliggeistkirche in Bern am 30. September 2023 teil. (Foto: Sarah Bach, privat)

«‹Unser Vater› auf ‹ökologisch›» (Texte: Urs Güdel, angepasst für das Klimagebet Bern 2023)

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