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Was mich betroffen macht

1. November 2023

Auch nach gut drei Wochen hat der brutale Terror durch die Hamas in Israel, der Hunderte Israeli das Leben gekostet und unsägliches Leid über viele Tausend weitere gebracht hat, nichts von seinem Schrecken verloren. Dieses durch nichts zu rechtfertigende Ereignis macht zutiefst betroffen, und ich schliesse mich jenen an, die den menschenverachtenden Anschlag aufs Deutlichste verurteilt haben. Menschlich gesehen sind ein Friede mit dieser Terror-Organisation nicht denkbar und eine harte Reaktion Israels gegen die Hamas nachvollziehbar. Diese Reaktion hat aber zur Folge, die Zivilbevölkerung in Leid und Not zu stürzen. Ich bete, dass die Verantwortlichen Mittel und Wege finden und ergreifen, die Zivilbevölkerung zu schützen. Dieses schreckliche Geschehen muss uns ins Gebet treiben, ins Gebet um Schalom, um Gottes Schalom, für die Menschen in Israel, für alle Menschen in der Region, für die zurzeit menschlich nicht lösbar scheinende Situation im Nahen Osten.

Tragisch ist auch, dass in diesen Wochen der Antisemitismus einmal mehr seine hässliche Fratze zeigt. Für uns als Kirche, Christinnen und Christen, ist zu bedenken: Juden und Christen sind untrennbar miteinander verbunden. Nirgends in der Bibel gibt es eine Aussage, die eine bleibende Verwerfung des jüdischen Volkes begründet. Gott hat seine Erwählung nicht zurückgenommen. In der Bibel lesen wir von Gericht, immer aber auch von der Verheissung der Errettung aus aller Not. Gott bleibt dem jüdischen Volk liebend zugewandt. Seine Bedeutung als Gottes erwähltes Volk bleibt bestehen, insbesondere auch für die christliche Kirche.[1] Ohne ihre Verwurzelung im jüdischen Volk ist die Kirche und ihr Gottesdienst nicht denkbar. Jesus und die Apostel waren Juden, deren Bibel die hebräische Bibel, unser Altes oder Erstes Testament, war. Die Folge: Das jüdische Volk und die christliche Kirche sind berufen, in gegenseitiger Annahme und Unterstützung gemeinsam Gottes Volk, Segens- und Friedens-/Schalomträger zu sein.

Bischof Stefan Zürcher

[1] Vgl. dazu auch das Studiendokument «Die bleibende Bedeutung Israels» von Helmut Nausner, welches das Exekutivkomitee der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa 1995 angenommen und zum Studium empfohlen hat.