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Bild: H.Leese, D.Steinvig, F.Teixeira

«Dies ist ein Teil von Gottes Mission, zu der wir berufen sind»

2. Februar 2024

Die Klimakrise fordert die Kirchen heraus. Wie gehen Methodist:innen in Europa damit um? Manches klingt in der Schweiz und in anderen Ländern überraschend ähnlich.

In der zweiten Folge der Video-Serie «Methodist in Climate Mission» spricht Michael Hari von der methodistischen Kirche in der Schweiz mit Methodist:innen aus anderen Ländern Europas. Er fragt, welche Rolle der Klimawandel in ihren Kirchen spielt. Inwiefern ist es für sie hilfreich, Teil einer weltweiten methodistischen Kirchenfamilie zu sein? Und was hat das Engagement in diesen Fragen überhaupt mit dem Kernauftrag der Kirche zu tun?

Unmittelbar spürbar

Die Klimakrise betreffe die methodistische Kirche in Portugal in einer sehr konkreten Weise, erzählt Filipa Teixeira. «Denn unsere Gebäude sind sehr alt, und wir spüren das.» Beim Bau wurden Fragen der Klimaveränderung nicht genügend berücksichtigt. Nun seien Erneuerungsarbeiten dringend nötig. «Aber das ist eine ziemlich teure Angelegenheit».

Sportlicher Zeitplan

In Grossbritannien hat sich die methodistische Kirche klare Vorgaben gegeben, sagt Hamish Leese im Video. «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis 2030 keine Emissionen mehr zu verursachen.» Das betreffe das gesamte kirchliche Leben – die Gebäude, Heizung, Beleuchtung, Reisen im Auftrag der Kirche – bis hin zu allen Aktivitäten, die in den Kirchgemeinden stattfinden. «Eine der zentralen Lernerfahrungen, die wir gemacht haben, ist, auf wie viele Bereiche des kirchlichen Lebens sich diese Zielsetzung auswirkt», sagt Leese, der für die Umsetzung der Vorgabe verantwortlich ist. Und der Zeitplan sei sportlich. «Bis zum Ziel ‹2030› sind es nur noch sechs Jahre. Das ist definitiv eine sehr, sehr grosse Herausforderung.»

Über die Einstellungen («Zahnrad») sind Untertitel in deutscher Sprache verfügbar.

Beratung ist Pflicht

Konkrete erste Schritte hat die methodistische Kirche in Dänemark bereits beschlossen, berichtet Daniel Steinvig. Einerseits wurden neue Regelungen für die Nutzung von Verkehrsmitteln bei Reisen im Auftrag der Kirche eingeführt. Ausserdem müsse jede methodistische Kirchgemeinde in Dänemark eine:n «Energieberater:in» haben. «Die oder der beurteilt, was möglich ist an klimatischen Renovierungen und Massnahmen, die die Emissionsmenge in der lokalen Kirchgemeinde verbessern oder reduzieren werden.»

Miteinander unterwegs

Teil einer weltweiten methodistischen Kirchenfamilie zu sein, bringe einerseits in Kontakt mit Menschen in anderen Teilen der Welt, in denen der Klimawandel ein alltäglicher Bestandteil des Lebens ist, sagt Hamish Leese. «Es geht hier also um etwas, das das Leben der Menschen jetzt beeinflusst.» – Zugleich ermögliche dieses Netzwerk einen Austausch mit anderen, die ähnliche Voraussetzungen haben: «Sie sind vielleicht nicht tagtäglich vom Klimawandel betroffen, durchlaufen aber einen ähnlichen Prozess wie wir – und bewegen sich auch in den nächsten fünf, zehn, fünfzehn Jahren in Richtung Netto-Null.»

Spiritualität weiterentwickeln

Die Fragen des Klimawandels werden Glauben und Kirche grundlegend verändern, sagt Daniel Steinvig. «Ich bin der Überzeugung, dass wir unsere Spiritualität im Hinblick auf die Klimakrise weiterentwickeln müssen.» Doch sei das eine Chance, betonen alle drei. Denn so könnte die Kirche wieder relevant werden für eine jüngere Generation. «Ich denke, dass dies der Weg ist, um die jüngeren Generationen einzubinden», sagt Filipa Teixeira.

Nahe bei den Menschen sein

Auch Hamish Leese sieht darin eine grosse Chance für die Kirche. Sich hier zu engagieren ermögliche es, mit vielen Menschen in Kontakt zu treten, mit denen die Kirche in der Vergangenheit nicht so gut in Kontakt gekommen sei. «Wir werden so wirklich Teil unserer lokalen Gemeinschaften sein und die Menschen dort treffen, wo sie sind, und nicht dort, wo wir sie haben wollen.»

Kernaufgabe der Kirche

Dass Kirche sich tatkräftig im eigenen Handeln und auf politischer Ebene dafür einsetzt, dass die Ursachen der Klimakrise bekämpft werden, sei nicht eine zusätzliche Aufgabe, ist Leese überzeugt. «Dies ein Teil von Gottes Mission, zu der wir berufen sind.» Das gebe bei allen Herausforderungen und Rückschlägen auch eine hoffnungsvolle Basis für das Engagement: «Ein Zutrauen in das, was wir tun können, weil wir uns an Gottes Mission beteiligen.»

Hoffnungsvoll handeln

Das sei keine naive Hoffnung. Es gehe auch nicht darum, einfach ein Auge zuzudrücken, betont Leese. «Es geht vielmehr darum, die Kraft zu haben, sich zu engagieren, die Kraft zu haben, einige dieser wirklich schwierigen Gespräche zu führen, und in den meisten Fällen in der Lage zu sein, weiterzumachen und durchzuhalten.»

S.F.
Beitragsbild: In der zweiten Folge von #MethodistInClimateMission spricht Michael Hari mit (v.l.) Hamish Lesse (GB), Daniel Steinvig (DK) und Filipa Teixeira (P). (Fotos: Screenshots, Michael Hari, EMK Schweiz)

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