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Bild: Weltgebetstag

Mit palästinensischen Christinnen für den Frieden beten

7. Februar 2024

Die für den «Weltgebetstag» am 1. März vorgesehene Liturgie sorgte für Diskussionen. Das Komitee in der Schweiz behält die ursprüngliche Fassung bei. Das Komitee in Deutschland hat sich für eine Überarbeitung entschieden. Auch die EKS schlägt Modifikationen vor.

Am 1. März finden weltweit in christlichen Kirchen und Gemeinschaften Anlässe im Rahmen des Weltgebetstags statt. Unter dem Motto «… durch das Band des Friedens» wurde die diesjährige Liturgie durch palästinensische Christinnen gestaltet. Im Herbst 2022 war die Liturgie fertig gestellt worden. Die 🔗Kritik an einige Elementen der Liturgie sowie an der Künstlerin, die das Titelbild gestaltet hat, wurde aufgrund des Terrorangriffs der Hamas im Oktober vergangenen Jahres lauter.

Erläuterungen eingefügt

Die Verantwortlichen in Deutschland hatten Ende des vergangenen Jahres entschieden, die Liturgie des Weltgebetstags zu ergänzen. Anfang Januar wurde eine entsprechend aktualisierte Version vorgelegt. Der Terror der Hamas vom 7. Oktober 2023 und der Krieg in Gaza hätten die Bereitschaft vieler Menschen in Deutschland verringert, palästinensische Erfahrungen wahrzunehmen und gelten zu lassen, wird Brunhilde Raiser, die Vorstandsvorsitzende des Weltgebetstags in Deutschland, 🔗in einer Pressemitteilung zitiert. «Die neuen Erläuterungen sollen jetzt dazu beitragen, die Worte der palästinensischen Christinnen trotz aller Spannungen hörbar zu machen.»

Keine Verwendung mehr findet in der überarbeiteten Version das Bild der palästinensischen Künstlerin Halima Aziz, «da der Vorwurf, sie sei Hamas-freundlich, nicht ausgeräumt werden konnte», wie es in der Mitteilung heisst. An wenigen Stellen wurde die Liturgie durch kurze, erklärende oder aktualisierende Einfügungen ergänzt. Ausgetauscht wurde zudem das beispielhaft vorgestellte Hilfsprojekt. Die Kollekte der Anlässe in Deutschland wird an rund 150 Projekte verteilt.

Ursprüngliche Liturgie beibehalten

Noch in einem 🔗Schreiben Ende November hatte das schweizerische Komitee des Weltgebetstags (WGT) «Anpassungen und Ergänzungen» an der Liturgie durch das palästinensische Komitee angekündigt. Diese wurden dann aber offenbar nicht vorgenommen. In einem 🔗Informationsbrief im Januar schreiben die Verantwortlichen: «Aufbauend auf dem 100-jährigen Prinzip des weltweiten Weltgebetstages: Hinhören, nicht urteilen, nicht Partei ergreifen, vertreibt der schweizerische Weltgebetstag weiterhin die erarbeitete WGT-Liturgie 2024 mit dem originalen Titelbild». Alternative Bildvorschläge werden in dem Schreiben gleichwohl gemacht.

Die Aufgabe, an der Liturgie Anpassungen vorzunehmen oder Erläuterungen einzufügen, übertragen die Verantwortlichen den einzelnen regionalen Vorbereitungsgruppen. So heisst es in dem erwähnten Informationsschreiben: «Wir trauen euch etwas zu! Nämlich, dass ihr am besten wisst, was euren Mitfeiernden zugetraut werden kann und mit welcher Wortwahl wir alle NICHT zu antisemitischen aber ebenso NICHT zu antiarabischen Äusserungen und Handlungen beitragen.»

EKS empfiehlt Anpassungen

Eine Anpassung der Liturgie hatte hingegen bereits 🔗im Dezember die EKS vorgeschlagen. In einer 🔗Handreichung raten die Verantwortlichen, den in der Liturgie vorkommenden Begriff «Nakba» zu vermeiden und auch auf die Verwendung des Schlüsselsymbols zu verzichten. Auf das Titelbild von Halima Aziz, in dem das Schlüsselsymbol ebenfalls prominent vorkommt, geht die Handreichung nicht ein. Ausserdem findet sich in der Handreichung eine überarbeitete Variante der Fürbitten.

Noch weiter gehen zum Beispiel die Verantwortlichen in Chur. «Für das Jahr 2024 wäre das Land Palästina und als Liturgie ein Bibelvers aus dem Epheserbrief vorgesehen», heisst es 🔗auf der Website der reformierten Kirche. «Aufgrund der aktuellen Situation und weil uns das Thema Frieden gerade in verschiedenen Kontexten wichtig scheint, hat sich das Weltgebetstags-Team Chur dazu entschieden, den Fokus nicht auf ein spezifisches Land zu legen, sondern auf das Thema Frieden.» Verwendung beim Beitrag auf der Website findet indes das Bild von Halima Aziz.

Veränderungen lösen Diskussionen aus

Die durch das deutsche Komitee vorgenommenen Anpassungen an der Liturgie hat das palästinensische Komitee 🔗in einem Brief Mitte Januar scharf verurteilt: «Zum Teil sinnentstellende Umstellungen, Einfügungen, Streichungen und Ergänzungen sind nicht kenntlich gemacht bzw. hervorgehoben worden», schreiben die Verantwortlichen unter anderem. Und weiter: « Es ist unser Anliegen, darauf hinzuweisen, dass diese Bearbeitungen nicht von uns autorisiert, gebilligt oder freigegeben wurden.»

In einem 🔗Antwortschreiben betont das deutsche Komitee, dass die vorgenommenen Ergänzungen «weder als Affront oder Verfälschung der ersten Fassung, noch als Infragestellung palästinensischer Lebenswirklichkeit», sondern «als ergänzende Information für unseren speziellen Kontext» gedacht seien.

Um Frieden bitten

«Informiert beten – betend handeln» ist das Grundanliegen des Weltgebetstags. Die Diskussionen zeigen, wie herausfordernd das sein kann. Zurecht jedoch fragen die Verantwortlichen in der Schweiz in ihrem Schreiben im Januar: «Wann, wenn nicht jetzt sollten christliche Frauen aller Konfessionen sich weltweit zu Gottesdienst und Gebet, zu Klage und Schweigen, zu inständigem Bitten um Frieden versammeln?» Die Feiern am 1. März laden dazu ein.

S.F. / Quellen im Text erwähnt und verlinkt
Beitragsbild: Das Originalbild der palästinensischen Künstlerin Halima Aziz (l.) wird in der Schweiz weiter verwendet. Das Komitee in Deutschland arbeitet mit dem Bild eines Olivenzweiges. (Fotos: Halima Aziz via wgt.ch (links); Nadine Marfurt, Unsplash (rechts))

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