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Bild: Methodisten an der Tagung 2019

Was läuft falsch bei der Vorbereitung der Generalkonferenz?

22. Februar 2024

In knapp neun Wochen wird in Charlotte, North Carolina, in den USA die Generalkonferenz der United Methodist Church (UMC) stattfinden. Zur Tagung des obersten Leitungsgremiums der weltweiten methodistischen Kirche werden 862 stimmberechtigte Delegierte aus der ganzen Welt erwartet. Doch in diesem Jahr zeichnet sich ein organisatorisches Chaos ab.

Delegierte rund um den Globus beklagen, dass ihnen wichtige organisatorische und inhaltliche Informationen für die bevorstehende Versammlung fehlen. Gegenüber dem methodistischen Nachrichtenportal 🔗United Methodist News  Service (UMNS) erklärten die Organisator:innen der Generalkonferenz, dass sie damit rechnen, viele dieser Informationen bis spätestens Anfang März zur Verfügung stellen zu können.

Von Unterkunft bis Unterlagen

Aus den USA äusserten sich Delegierte  besorgt darüber, dass sie noch keine Informationen über ihre Reise- und Hotelarrangements erhalten haben. Einige Delegierte ausserhalb der USA indeshaben  noch nicht einmal ein Einladungsschreiben erhalten. Ausserdem berichten Delegierte in verschiedenen Ländern auch, dass sie immer noch keinen vollständigen Zugang zu den Konferenzunterlagen mit den rechtlichen Vorlagen haben, über die sie an der Generalkonferenz abstimmen werden.

Mehrfach verschoben

Die letzte ordentliche Tagung der Generalkonferenz im Jahr 2020 musste aufgrund der Pandemie mehrmals verschoben werden. Eine ausserordentliche Tagung 2019 hatte zu tiefgreifenden Verwerfungen aufgrund der Debatten und Entscheidungen rund um Fragen der menschlichen Sexualität geführt. Seither sind in den USA rund ein Viertel der Kirchgemeinden aus der Kirche ausgetreten. Auch in anderen Weltregionen gab es schmerzliche Trennungen.

Organisatorisches
Vorbereitung
Die Planung einer Generalkonferenz nimmt jeweils mehrere Jahre in Anspruch. Eine 25-köpfige Kommission für die Generalkonferenz hilft bei der Planung der Organisation der Veranstaltung. Letztendlich liegt jedoch vieles auf den Schultern der Mitarbeiter:innen der Generalkonferenz unter der Leitung des Generalkonferenzsekretärs, der von der Generalkonferenz gewählt wird.
Kosten
Über 10 Millionen US-Dollar werden als Kosten für die kommende Tagung der Generalkonferenz veranschlagt. Darin enthalten sind die Ausgaben für die Delegierten sowie die Kosten für die Tagungsräume, die Übersetzung in 10 Sprachen, die Software zur Erfassung der Gesetzgebung, die Gottesdienste und andere Programme.
Der Grossteil der Mittel für die Generalkonferenz stammt aus dem Allgemeinen Verwaltungsfonds, der durch «Umlagen» genannte Beiträge der 133 Jährlichen Konferenzen der UMC gespeist wird, das heisst durch freiwillige Spendengelder,
Delegierte
Für die kommende Generalkonferenz werden 862 stimmberechtigte Delegierte erwartet. Knapp 56 % kommen aus den USA, 32 % aus Afrika, 6 % von den Philippinen, über 4 % aus Europa und der Rest von Konkordatskirchen, die enge Verbindungen zur UMC haben. Die Delegierten werden von den Jährlichen Konferenzen (Kirchenparlamente, die Kirchgemeinden eines oder mehrerer Länder umfassen) gewählt. Die Hälfte sind ordinierte Personen, die andere Hälfte Laien.

Entscheidende Tagung

Die diesjährige Tagung wird sich noch einmal mit Vorschlägen befassen, wie solche Trennungen in einer möglichst geordneten Weise erfolgen können. Ausserdem werden die Delegierten über den Kirchenhaushalt der kommenden vier Jahre abstimmen. Sie beraten über eine Neufassung der «Sozialen Grundsätze» der methodistischen Kirche. Es stehen Anträge zu einer tiefgreifenden Neustrukturierung der UMC zur Abstimmung. Die Entscheidungen der Delegierten der Generalkonferenz werden also das kirchliche Leben in den kommenden Jahren entscheidend prägen.

Legitimation gefährdet

«Wenn die Konferenz selbst nicht gut geführt wird, stellt dies unsere Fähigkeit in Frage, gute Arbeit zu leisten», sagte Pfarrer Mark Holland, ein 🔗Delegierter der Great Plains Conference, der UMC in Kansas und Nebraska (USA), gegenüber 🔗dem methodistischen Nachrichtenportal UMNS. «Und wenn ein grosser Teil der Delegierten nicht anwesend ist, stellt das die Legitimation der Generalkonferenz in Frage».

Diese Gefahr besteht. Bereits bei zurückliegenden Tagungen hatte es bei der Vergabe von Visa für die Delegierten von ausserhalb der USA immer wieder Schwierigkeiten gegeben. Mitte Februar hatten dieses Mal aber noch rund 20 % der Delegierten in Afrika kein Einladungsschreiben erhalten. Dies ist jedoch die entscheidende Voraussetzung, um überhaupt ein Visum für die Reise in die USA beantragen zu können.

Faktoren für die Verzögerung

Pfarrer Gary Graves, der Sekretär der Generalkonferenz, der die Planung der Veranstaltung verantwortet, sagte gegenüber United Methodist News, dass die Delegierten damit rechnen können, dass viele ihrer Anliegen sehr bald gelöst werden. In einem Schreiben an Verantwortliche in den Jährlichen Konferenzen der USA vom 16. Februar, das in Auszügen auf dem methodistischen Blog 🔗UM-Insight zu finden ist, begründet Graves die Verzögerungen unter anderem mit den komplexen Umständen.

Zu den normalen und erwartbaren Mutationen – Delegierte sind umgezogen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen sind nicht mehr gültig usw. – kommen demnach bei dieser Tagung mehrere Faktoren erschwerend hinzu. Zum einen ist der Zeitraum seit der letzten ordentlichen Tagung erheblich länger. Das allein schon erhöht die Anzahl der Mutationen.

Klärungen und Veränderungen

Zusätzlich gab es bestimmte rechtliche Fragen, die erst durch Entscheidungen des Rechtshofs der UMC geklärt werden mussten. Viele dieser offenen Fragen stehen im Zusammenhang mit der grossen Zahl von Methodist:innen, Kirchgemeinden und Jährlichen Konferenzen, die inzwischen die UMC verlassen haben.

Letzteres hat auch Einfluss auf die zu behandelnden Anträge. Die können nach der Kirchenordnung nur durch Methodist:innen oder methodistische Gremien gestellt werden. Aufgrund der mehrmaligen Verschiebung stammen einige der Anträge aber noch aus einer Zeit vor der Pandemie und von Personen oder Gruppen, die inzwischen nicht mehr zur UMC gehören.

Genauere Überprüfung

Die für die Planung und Durchführung der Generalkonferenz zuständige Kommission hat auch strengere Anforderungen an die Beglaubigung von Delegierten erlassen, nachdem bei einer Überprüfung 🔗im Jahr 2019 festgestellt wurde, dass vier nicht wahlberechtigte Personen während der damaligen ausserordentlichen Generalkonferenz mit den Beglaubigungen von abwesenden Delegierten abgestimmt haben.

Das dürfte auch der Grund sein, weshalb verschiedene Delegierte, vielfach Personen, die als Ersatzdelegierte nachgerückt sind, noch keine Identifikationsnummer erhalten haben, mit der sie auf die aktuellen Fassungen der Konferenzunterlagen zugreifen können. Bislang stehen diesen nur 🔗die PDF-Versionen zur Verfügung. Diese sind allerdings zum Teil veraltet. Zudem sind noch nicht alle Teile in allen offiziellen Konferenzenzsprachen als PDF verfügbar.

Warten – auch in der Schweiz

Auch Pfarrer Jörg Niederer aus der Schweiz, der als Delegierter an die Generalkonferenz reisen soll, berichtet von Problemen. Das Einladungsschreiben, mit dem ein Visum beantragt werden kann, habe er erhalten und seinen Pass hinterlegt. «Ich warte nun auf weitere Informationen, damit ich zum Beispiel den Flug buchen kann», sagt er. Weil er als Ersatzdelegierter nachgerückt ist, hat auch er noch keine Identifikationsnummer erhalten, mit der er auf die Unterlagen zugreifen könnte. «Es heisst, dass die fehlenden Informationen kommende Woche eintreffen sollen. Ich bin gespannt….»

S.F. / Quellen: Heather Hahn, UMNS; Mark R. Holland, UM-Insight
Beitragsbild: Delegierte während des Gebets- und Vorbereitungstages am 23. Februar für die ausserordentliche Tagung der Generalkonferenz 2019 in St. Louis. Die Delegierten der bevorstehenden Generalkonferenz sind besorgt darüber, dass sie im Vorfeld der Tagung Ende April wichtige Informationen noch nicht erhalten haben. (Foto: Kathleen Barry, UM News via UMNS)

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Die Generalkonferenz
Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (🔗United Methodist Church). Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten.
Die nächste Tagung ist 🔗vom 23. April bis zum 3. Mai 2024 in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina geplant.
Zentralkonferenz
In Afrika, Europa und auf den Philippinen bilden die Jährlichen Konferenzen (Synoden) einer grösseren Region sogenannte Zentralkonferenzen. Die an eine Zentralkonferenz entsandten Delegierten sind zu gleichen Teilen Laien und pastorale Mitglieder. Die Zentralkonferenz bildet eine administrative Einheit, die die gemeinsame Arbeit und Mission koordiniert und auch ihren Bischof oder ihre Bischöfin wählt. Die Jährliche Konferenz (Synode) Schweiz-Frankreich-Nordafrika ist Teil der 🔗Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa (ZK MSE). Seit 2022 leitet Bischof Stefan Zürcher (Zürich) die ZK MSE.