Bezirk
Bild: Judi Kenaston

Worüber die Generalkonferenz abstimmen wird

12. März 2024

An einem zweitägigen Online-Meeting konnten sich Delegierte der methodistischen Generalkonferenz über wichtige Themen informieren. Von «Regionalisierung» bis «Renten» öffnete sich ein sehr weites Feld.

Vom 23. April bis 3. Mai finden sich über 850 stimmberechtigte Delegierte aus der ganzen Welt in den USA in Charlotte, North Carolina, zur 🔗Generalkonferenz der United Methodist Church (UMC) ein. Dieses oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche stellt in inhaltlichen, rechtlichen und finanziellen Fragen die Weichen für die kirchliche Arbeit der kommenden vier Jahre.

Vom 29. Februar bis 1. März hatten Delegierte bei einer per Livestream übertragenen Orientierung die Möglichkeit, sich über organisatorische und inhaltliche Fragen zu informieren. Durchgeführt wurde der Anlass durch United Methodist Communications, der Kommunikationsagentur der UMC, zusammen mit dem Sekretär der Generalkonferenz, Pfarrer Gary Graves.

Eine entscheidende Tagung

«Wir befinden uns in einem bedeutenden Moment im Leben unserer Konfession. Es ist eine wichtige Wegmarke, ein Wendepunkt, ein Übergang von dem, was war, zu dem, was sein kann.»

Über 1000 Petitionen werden den pastoralen und nichtpastoralen Delegierten vorliegen, anhand derer sie über die Zukunft der UMC entscheiden werden. Die Durchführung der Tagung musste pandemiebedingt mehrfach verschoben werden. Zudem kam es bis Ende 2023 vor allem in den USA zu einer grösseren Zahl von Kirchenaustritten aufgrund sexualethischer Fragen. Das gibt der bevorstehenden Tagung ein besonderes Gewicht.

«Wir befinden uns in einem bedeutenden Moment im Leben unserer Konfession. Es ist eine wichtige Wegmarke, ein Wendepunkt, ein Übergang von dem, was war, zu dem, was sein kann», sagte der Vorsitzende des Bischofsrates, Thomas J. Bickerton, zu den Delegierten bei dem Online-Treffen.

Die Kirche könne nur vorwärts gehen. «Ich persönlich möchte nicht in Mittelmässigkeit und alte Gewohnheiten zurückfallen», sagte Bickerton. «Ich möchte nicht zu rassistischen Verhaltensweisen, geschlechtsspezifischen Vorurteilen oder Modellen zurückkehren, die eher ausgrenzen als willkommen heissen.» Jetzt sei der Moment, in dem die Methodist:innen einen neuen Sinn für ihre Aufgabe erhalten könnten.

Während der Orientierungsveranstaltung, die auch aufgezeichnet wurde, erhielten die Zuschauer:innen einen Überblick über die Petitionen und Vorlagen, über die die Delegierten abstimmen müssen. Einige davon werden im folgenden vorgestellt.

Kirchenpolitische Gleichberechtigung

Die weitreichendsten Vorschläge, die den Delegierten vorliegen, betreffen das, was viele Methodist:innen als «Regionalisierung» bezeichnen. Dies würde die UMC mit dem Ziel umstrukturieren, die Kirche in den USA und die sieben 🔗Zentralkonferenzen, – Bischofsgebiete in Afrika, Europa und auf den Philippinen – gleichberechtigt nebeneinander zu stellen.

Gegenwärtig sind die Zentralkonferenzen befugt, dann Änderungen und Anpassungen an der Kirchenordnung vorzunehmen, wenn es die missionarischen Bedürfnisse und die unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen erfordern. Das führt dazu, dass die Generalkonferenz in ihren Themen und Beratungen die USA als Ausgangspunkt nimmt. Einen Grossteil der Sitzungszeit ist Angelegenheiten vorbehalten, die nur die USA betreffen, einschliesslich der nur in den USA geltenden Rentenpläne. Unterschiedliche Gruppen und kirchliche Kommissionen sind daher zu der Überzeugung gelangt, dass die USA einen Ort brauchen, an dem sie ihre eigene Arbeit machen können.

Vor diesem Hintergrund hat der Connectional Table – ein international besetzter Runder Tisch, der die weltweit arbeitenden kirchlichen Dienste koordiniert – einen Plan zur Schaffung einer US-Regionalkonferenz vorgelegt, die sich mit kirchlichen Fragen befassen soll, die sich auf die USA beziehen. Wespath, die Renten- und Sozialversicherungsanstalt der Konfession, arbeitete an der Vorlage mit, um bei der Prüfung rechtlicher und administrativer Fragen zu helfen.

Aufbauend auf der Arbeit des Connectional Table erarbeitet eine Gruppe von Methodist:innen auf den Philippinen, in Afrika und Europa einen weitergehenden Vorschlag, demzufolge nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch alle Zentralkonferenzen zu Regionalkonferenzen erklärt werden.

«Das Ziel dieser Kontex­tualisierung besteht darin, nicht zuzulassen, dass Ent­scheidungen einer einzigen Region andere beeinflussen oder dominieren»

Der Ständige Ausschuss für Angelegenheiten der Zentralkonferenzen baute darauf auf und legte einen 🔗Vorschlag für eine weltweite Regionalisierung vor. Die Verantwortlichen für die früheren Entwürfe wurden in diese Arbeit mit einbezogen. In diesem Entwurf wird detailliert dargelegt, welche Befugnisse die Kirchenregionen haben werden. Demnach hätte jede Regionalkonferenz der UMC die gleichen Pflichten und Befugnisse, um Gesetze für eine grössere missionarische Wirkung in ihrer jeweiligen Region zu erlassen.

«Das Ziel dieser Kontextualisierung besteht darin, die rechtlichen Rahmenbedingungen eines bestimmten Gebiets zu berücksichtigen und nicht zuzulassen, dass Entscheidungen einer einzigen Region andere beeinflussen oder dominieren», sagte Judi Kenaston, die leitende Beauftragte des Connectional Table.

Alle Regionalisierungsvorschläge erfordern eine Änderung der Kirchenverfassung. Um ratifiziert zu werden, müssen die Änderungen mindestens eine Zweidrittelmehrheit auf der Generalkonferenz und mindestens zwei Drittel der Gesamtstimmen der Jährlichen Konferenzen (Kirchenparlamente) erhalten.

Was bleibt für alle gültig?

Die Dringlichkeit der Regionalisierung wird noch dadurch verstärkt, dass der zuständige kirchliche Ausschuss bereits im Jahr 2012 damit begonnen hat, festzulegen, welche rechtlichen Vorgaben der Kirchenordnung für alle Regionen gelten und was sie anpassen können.

In dem entsprechenden Teil der Kirchenordnung geht es um zahlreiche Fragen der Organisation und Verwaltung. Der Ausschuss hat einen Vorschlag für eine Allgemeine Kirchenordnung zu erarbeiten, die nur die Teile enthält, die für die gesamte Kirche gelten und daher eine Änderung durch die Generalkonferenz erfordern. Die Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. Der Ausschuss hat jedoch die Jährlichen Konferenzen um Rückmeldungen zu den bisher geleisteten Arbeiten gebeten.

Andere Teile der Kirchenordnung hingegen bleiben unabhängig von der Entscheidung in Sachen Regionalisierung in jedem Fall für alle Methodist:innen gültig. Dazu gehören die «Grundlagen der Lehre», die Verfassung, das Verständnis des Diensts aller Christ:innen und die Sozialen Grundsätze, die das soziale Zeugnis der UMC zum Ausdruck bringen.

Ein Neufassung der Sozialen Grundsätze

Seit John Wesley, der Gründer der methodistischen Kirche, öffentlich für die Arbeiter:innen und gegen die Sklaverei eintrat, haben Methodist:innen immer wieder auf der Basis des Glauben zu politischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Fragen Stellung genommen. Diese Tradition hat sich über das erste soziale Bekenntnis des Methodismus im Jahr 1908 bis zu den heutigen Sozialen Grundsätzen fortgesetzt.

«Mehr als 4000 Methodist:innen lasen, überprüften und kommentierten den ersten Entwurf der neuen Sozialen Grundsätze»

Die Generalkonferenz ist das einzige Gremium, das diesen Teil der Kirchenordnung ändern kann. In diesem Jahr werden die Delegierten jedoch die Möglichkeit haben, über von Grund auf 🔗überarbeitete Soziale Grundsätze abzustimmen, die vom United Methodist Board of Church and Society (Ausschuss für Kirche und Gesellschaft der UMC) vorgelegt wurden.

Der Revisionsprozess begann, als die Generalkonferenz 2012 eine Petition der drei europäischen Zentralkonferenzen annahm, die Sozialen Grundsätze «global relevanter, theologisch fundierter und prägnanter» zu gestalten. In den folgenden mehrjährigen Revisionsprozess waren Tausende Methodist:innen auf der ganzen Welt eingebunden.

Mehr als 4000 Methodist:innen lasen, überprüften und kommentierten den ersten Entwurf der Sozialen Grundsätze. Ihre Rückmeldungen flossen in die Petitionen ein, die die kirchlichen Lehren zu so unterschiedlichen Themen wie Armut, Klimawandel, Einwanderung, Drogenmissbrauch und Kolonialismus enthalten.

«Ausgesandt in Liebe»

Vorliegen wird den Delegierten auch ein theologisches Grundsatzdokument, das heraushebt, was allen Methodist:innen gemeinsam ist. Es trägt den Titel 🔗«Sent in Love: A United Methodist Understanding of Church» (Ausgesandt in Liebe: Ein methodistisches Kirchenverständnis). Es wird vorgelegt durch den Ausschuss für Glauben und Kirchenverfassung, eine internationalen Gruppe, die zwischen den Sitzungen der Generalkonferenz an theologischen Fragen arbeitet.

Das Dokument formuliert ein theologisches Verständnis der Kirche in methodistischer Tradition. Es bekräftigt, dass «die erlösende Liebe Gottes 1) eine missionarische Gemeinschaft befähigt; 2) für alle Menschen bestimmt ist, nicht nur für einige wenige Privilegierte; 3) transformativ ist; 4) und Gemeinschaft schafft».

«Ausgesandt in Liebe» reiht sich ein neben früheren Erklärungen, die zuvor von der Generalkonferenz zu den Sakramenten angenommen wurden: «Durch Wasser und Geist» über die Taufe und «Dieses heilige Geheimnis» über das Abendmahl. Wie diese früheren theologischen Erklärungen soll «In Liebe gesandt» sowohl die Besonderheiten der United Methodist Church als auch die Gemeinsamkeiten mit allen Kirchen herausstellen.

Trennungen und ihre Folgen

Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Generalkonferenz mehrfach verschoben werden. Dies führt dazu, dass ursprünglich für einen geordneten Trennungsprozess ausgearbeitete rechtliche Regelungen nicht diskutiert und beschlossen oder verworfen werden konnten. Jeder dieser Vorschläge liegt den Delegierten daher an dieser Generalkonferenz noch immer vor. Letztlich werden die Delegierten entscheiden müssen, wie sie mit diesen Petitionen umgehen wollen.

In der Zwischenzeit hat bereits eine Art Trennung stattgefunden. In den letzten vier Jahren haben sich fast 7700 Kirchgemeinden in den USA von der UMC getrennt. Eine vorübergehende Regelung, die für us-amerikanische Gemeinden dafür eine rechtliche Basis schuf, lief 2023 aus. Auf der kommenden Generalkonferenz werden Anträge gestellt werden, diese Regelung zu verlängern und ihre Gültigkeit auf die Zentralkonferenzen auszudehnen.

«Die kommende General­konferenz wird das seit 40 Jahren niedrigste Budget vorliegen haben.»

Unabhängig davon haben bereits 🔗vier Jährliche Konferenzen in Eurasien und 🔗eine weitere in der Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa, zu der auch die Methodist:innen in der Schweiz gehören, einen Trennungsprozess eingeleitet.

Die Austritte haben die Finanzen auf allen Ebenen der Denomination bereits stark belastet. Die kommende Generalkonferenz wird daher das seit 40 Jahren niedrigste Budget vorliegen haben.

Zusätzliche afrikanische Bischöf:innen

Die schrumpfende finanzielle Basis hat auch die langjährigen Pläne beeinträchtigt, mehr Bischöf:innen in Afrika einzusetzen, wo die UMC nach wie vor stark wächst. Vorgesehen war, dass die Zahl der afrikanischen Bischöf:innen von 13 auf 18 erhöht würde. Ausserdem sollte die kirchliche Arbeit neu in vier statt heute drei Zentralkonferenzen organisiert werden.

Angesichts der dramatisch veränderten Finanzlage der Konfession berät der Ständige Ausschuss für die Angelegenheiten der Zentralkonferenzen bei seiner nächsten Sitzung im April über das weitere Vorgehen. Der Ausschuss will dann eine Empfehlung ausarbeiten, die den Delegierten der Generalkonferenz vorgelegt werden soll.

Entschuldigungen aussprechen

Die Kommission für die Stellung und Rolle der Frau hat eine Petition eingereicht, in der die Kirche aufgefordert wird, sich bei den Opfern von sexuellem Fehlverhalten in der Kirche zu entschuldigen. In der Petition wird ausserdem jede Jährliche Konferenz aufgefordert, ebenfalls eine öffentliche Entschuldigung zu veröffentlichen.

Die Jährliche Konferenz Kalifornien-Pazifik, zu der auch Hawaii gehört, fordert zudem eine formelle Entschuldigung bei den Ureinwohnern Hawaiis für den Sturz des Königreichs Hawaii im Jahr 1893.

Die Verfassung ändern

Die Kommission für die Stellung und Rolle der Frau fordert des Weiteren, einen Absatz der Verfassung zu ändern. Der Absatz besagt, dass Menschen unabhängig von Rasse, Hautfarbe, nationaler Herkunft, Status oder wirtschaftlicher Lage Mitglied der UMC werden können. Die Kommission beantragt, diese Absatz um den Begriff «Geschlecht» zu ergänzen.

Auch die Kommission für Religion und Rasse möchte die Verfassung ändern, um die UMC stärker in die Pflicht zu nehmen, die Sünde des Rassismus abzubauen und zu bekämpfen.

Vornehmlich us-amerikanische Anliegen

Die Delegierten werden auch entscheiden über eine Anpassung des Rentensystems für die pastoralen Angestellten in den USA. Ebenfalls steht ein Antrag zur Abstimmung, mit der Episcopal Church in den USA eine Vereinbarung zur vollen Kirchengemeinschaft abzuschliessen. Dabei geht es vor allem um die gegenseitige Anerkennung.

«Betrachten Sie die General­konferenz als eine Zusammen­kunft des Leibes Christi, um den Willen Gottes für die Zukunft der Kirche, die wir lieben, zu ergründen»

Keine gewöhnliche Tagung

Trotz der vielen Entscheidungen, die den Delegierten bevorstehen, betonte der Präsident des Bischofsrates, Bickerton, dass die Generalkonferenz keine einfache Geschäftssitzung ist. Stattdessen forderte er die Zuschauer:innen auf, dies als «eine Zusammenkunft des Leibes Christi zu sehen, um den Willen Gottes für die Zukunft der Kirche, die wir lieben, zu ergründen». Er forderte die Delegierten auf, sich Zeit zu nehmen, um zu beten, zu meditieren und nachzudenken. Er schlug auch vor, dass die Delegierten an den Freitagen vor der Generalkonferenz fasten sollten.

Die Bischöf:innen haben bei der Generalkonferenz den Vorsitz, aber kein Stimmrecht. Dennoch kennen viele von ihnen die Erfahrung der Delegierten gut, da sie vor ihrer Wahl in dieser Rolle tätig waren. «Wenn Sie mit einer Einstellung zur Generalkonferenz kommen, die sich ausschliesslich auf die Gesetzesvorlagen konzentriert, glauben Sie mir, Sie werden Charlotte enttäuscht verlassen», sagte Bickerton. «Aber wenn Sie die nächsten sieben Wochen in der Erwartung verbringen, dass sich der Geist Gottes in Charlotte zeigen wird, und sich daran beteiligen, die Gegenwart des Geistes in unserer Mitte aktiv willkommen zu heissen, dann glaube ich, dass wir alle neue Energie und ein neues Ziel für die Mission und den Dienst der United Methodist Church in der Zukunft finden werden.»

S.F. / Originalbeitrag: Heather Hahn, UMNS
Beitragsbild: Judi Kenaston, leitende Beauftragte für konfessionelle Dienste beim Connectional Table, erläutert die vorgeschlagenen Regionalisierungspläne für die Generalkonferenz. (Foto: Screenshot, via UMNS)

Weitere Newsmeldungen

Abonnieren Sie hier unseren Newsletter


Die Generalkonferenz
Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (🔗United Methodist Church). Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten.
Die nächste Tagung ist 🔗vom 23. April bis zum 3. Mai 2024 in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina geplant.

 

Zentralkonferenz
In Afrika, Europa und auf den Philippinen bilden die Jährlichen Konferenzen (Kirchenparlamente) einer grösseren Region sogenannte Zentralkonferenzen. Die an eine Zentralkonferenz entsandten Delegierten sind zu gleichen Teilen Laien und pastorale Mitglieder. Die Zentralkonferenz bildet eine administrative Einheit, die die gemeinsame Arbeit und Mission koordiniert und auch ihren Bischof oder ihre Bischöfin wählt. Die Jährliche Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika ist Teil der 🔗Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa (ZK MSE). Seit 2022 leitet Bischof Stefan Zürcher (Zürich) die ZK MSE.