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Bild: Christine Schneider und Rob Renfroe

Braucht es weitere Regeln für eine Trennung der UMC?

9. April 2024

Im Vorfeld der Ende April und Anfang Mai in Charlotte in den USA tagenden Generalkonferenz der weltweiten Methodistenkirche (UMC) suchen einige Akteure die Diskussionen um eine Kirchentrennung neu zu beleben. Sie tun das mit fadenscheinigen Argumenten, findet Christine Schneider, Methodistin aus der Schweiz.

In einem 🔗Kommentar bei UM-News, dem Nachrichtenportal der United Methodist Church (UMC), hat Ende März Rob Renfroe, Präsident der konservativen methodistischen Gruppierung «Good News» Stellung genommen dazu, dass seine Gruppierung zusammen mit einer weiteren konservativen Gruppierung, der Wesleyan Covenant Association, weiter lobbyiert, damit die 🔗Generalkonferenz weitgehende Zugeständnisse gegenüber methodistischen Kirchenteilen macht, die sich von der UMC trennen wollen.

Zur Person
Rob Renfroe
… ist Präsident von Good News, einer inoffiziellen traditionalistischen Gruppierung innerhalb der United Methodist Church.
Christine Schneider
… ist Ersatzdelegierte der Jährlichen Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika für die Generalkonferenz und Mitglied des Ständigen Ausschusses für Angelegenheiten der Zentralkonferenzen.

Die Wesleyan Covenant Association und Good News waren massgeblich an der Gründung der Global Methodist Church (GMC) beteiligt, die sich als konservative Alternative zur UMC positioniert. In sexualethischen Fragen und der Beurteilung der Homosexualität vertritt die GMC traditionelle Überzeugungen.

Gleiche Rechte für alle

Renfroe argumentiert, dass, anders als von vielen Stimmen innerhalb der UMC gesagt, die Zeit der Trennung noch nicht vorbei sei. «Wie kann die Trennung vorbei sein, wenn sie für die Mehrheit der Methodisten in aller Welt nie begonnen hat?» Konkret meint er vor allem die UMC «in Afrika, Europa, Russland und Asien», also in den Kirchenregionen ausserhalb der USA, den «🔗Zentralkonferenzen». Diesen müssten, so Renfroe, die gleichen Rechte eingeräumt werden wie methodistischen Kirchen in den USA.

Wenn nicht, dann …!

Sollten die Delegierten der Generalkonferenz keinen entsprechenden Beschluss fassen, droht Renfroe damit, die 🔗Pläne für eine «Regionalisierung» der kirchlichen Strukturen zu bekämpfen. Mit diesen Vorschlägen soll die US-Zentriertheit der aktuellen UMC hin zu einer Gleichberechtigung der regionalen Kirchengebiete inner- und ausserhalb der USA verändert werden. Weil für die Umsetzung dieser Neustrukturierung die Kirchenordnung in entscheidenden Teilen geändert werden müsste, braucht der Antrag eine Zweidrittel-Mehrheit.

«Wenn den Kirchen ausserhalb der USA keine gerechte Gelegenheit zur Trennung gegeben wird und wenn internationale Delegierte uns um Hilfe bitten, werden wir sie bei ihrem Versuch unterstützen, den Plan zur Regionalisierung zu vereiteln», schreibt Renfroe. «Wir haben jedoch keine freude daran, uns auf diesen Kampf einzulassen und werden nichts tun, um die Verabschiedung der Regionalisierung zu verhindern, wenn den Kirchen ausserhalb der USA ein Ausweg angeboten wird.»

Es gibt dieses Recht längst

«Rob, Sie sagen, dass Sie an der Generalkonferenz teilnehmen, um den Zentralkonferenzen zu helfen, ihre Rechte zu erhalten», wendet sich Christine Schneider zwei Tage später 🔗in ihrem Kommentar direkt an Rob Renfroe und korrigiert seine Darstellung: «Ihre gesamte Erklärung beruht auf einem Irrtum über das Recht auf Trennung.»

In den Zentralkonferenzen gebe es ein solches Recht und eine solche Möglichkeit schon seit langem. Als Beispiele verweist sie auf die entsprechenden Trennungsverfahren von 🔗Kirchenteilen in Eurasien und in der 🔗Tschechischen Republik.

Nur regionale Regelungen sind sinnvoll

In gleicher Weise gebe es auch für lokale Kirchgemeinden geordnete Verfahren, die UMC zu verlassen, was sie am Beispiel von 🔗methodistischen Gemeinden in Frankreich zeigt. Es sei sinnvoll, solche Fragen gerade nicht auf der Ebene der weltweiten Kirche, sondern regional zu lösen. «Dies ermöglicht es uns, den rechtlichen Rahmenbedingungen im jeweiligen Land und unseren eigenen Regeln in Bezug auf Finanzen und Kircheneigentum gerecht zu werden», schreibt Schneider und setzt pointiert hinzu: «Es mag Sie überraschen, aber in diesen Fragen handeln Kirchen ausserhalb der USA ganz anders als in den USA, in der Regel um die Gesetze des Heimatlandes einzuhalten.»

Mit eigener Stimme sprechen

Schneider verwahrt sich dagegen, dass Renfroe sich anmasst, im Namen der Methodist:innen ausserhalb der USA zu sprechen. «In den Zentralkonferenzen sind wir durchaus in der Lage, für uns selbst zu denken und zu sprechen. Und wir sind in der Lage, die Angelegenheiten in unseren Regionen ohne die vielleicht gut gemeinte, aber oft schädliche Hilfe von Aussenstehenden zu regeln.»

Ähnliche Voten afrikanischer Delegierter

Eine solche Vereinnahmung hatten auch schon Anfang Januar Delegierte aus verschiedenen Ländern Afrikas beim einem Treffen des «United Methodist Africa Forum» 🔗beklagt. An dem Treffen nahm eine Mehrheit der methodistischen Delegierten aus den Ländern Afrikas teil. Sie hatten an dem Treffen auch eine Erklärung verabschiedet, in der sie «unmissverständlich alle Vorschläge zur Trennung von der UMC» 🔗ablehnten.

S.F.
Beitragsbild: Christine Schneider und Rob Renfroe (Fotos: zVg via UMNS)

Originalbeitrag von Rob Renfroe (englisch)

Originalbeitrag von Christine Schneider (englisch)

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Die Generalkonferenz
Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (🔗United Methodist Church). Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten.
Die nächste Tagung ist 🔗vom 23. April bis zum 3. Mai 2024 in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina geplant.

 

Zentralkonferenz
In Afrika, Europa und auf den Philippinen bilden die Jährlichen Konferenzen (Kirchenparlamente) einer grösseren Region sogenannte Zentralkonferenzen. Die an eine Zentralkonferenz entsandten Delegierten sind zu gleichen Teilen Laien und pastorale Mitglieder. Die Zentralkonferenz bildet eine administrative Einheit, die die gemeinsame Arbeit und Mission koordiniert und auch ihren Bischof oder ihre Bischöfin wählt. Die Jährliche Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika ist Teil der 🔗Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa (ZK MSE). Seit 2022 leitet Bischof Stefan Zürcher (Zürich) die ZK MSE.