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Bild: Personen an Tischen in eienm Raum reden miteinander. Eine ältere Frau ind er Mitte spricht.

Auf der Weiterreise zu einem weiten Glauben

15. April 2024

Eine Gruppe von Leuten im Seeland vor allem aus den methodistischen Kirchgemeinden in Lyss, Aarberg, Biel und Studen hatte sich vor gut einem Jahr gemeinsam auf einen Weg gemacht. Sie wollten «zäme wyter dänke». Ist das gelungen?

Die Rückmeldungen zum ersten Durchgang geben eine eindeutige Antwort: «Ich bin glücklich, eine neue Heimat gefunden zu haben in der Denk-, Glaubens- und Lebensweise der methodistischen Kirche. Ihre Weite und Dynamik begeistern mich», formuliert eine Teilnehmerin. – «Es lohnte sich, eingefahrene Muster, Haltungen und Gewohnheiten zu überdenken», schreibt eine andere Teilnehmerin.

Weite Theologie und neue Formen

«‹zäme wyter dänke› ist eines der ersten Formate, die wir gestartet haben für die regionale Zusammenarbeit», beschreibt Pfarrer Stef Gerber aus Studen das Projekt. Zusammen mit seinem Kollegen Ernst Hug in Lyss hat er das neue Format initiiert. Es sei darum gegangen, gemeinsam eine weite Theologie zu entdecken und neue Formen auszuprobieren.

Bei 🔗einem ersten Treffen im März 2023 hatten die Teilnehmer:innen per Abstimmung entschieden, mit dem Buch «Wenn der Glaube nicht mehr passt» von Martin Benz zu arbeiten. Konkret hiess das: Etwa einmal im Monat traf sich die Gruppe von rund 20 Teilnehmer:innen. Auf jedes Treffen hin lasen sie ein Kapitel aus dem Buch. Zu Anfang der Abende gab es einen kurzen Impuls. Dann wurde geredet, diskutiert, miteinander gearbeitet.

Miteinander diskutieren

«Das Gefäss lebte sehr stark davon, dass wir zusammen im Austausch gewesen sind», sagt Stef Gerber. Die Rückmeldungen zeigten, es sei sehr geschätzt worden, dass nicht einfach ein Pfarrer den ganzen Abend geredet hat. «Die Leute konnten Fragen einwerfen, miteinander diskutieren und neue Erkenntnisse gewinnen.»

Miteinander in der Gruppe zu diskutieren, zu hinterfragen, zu staunen und miteinander neue Einsichten gewinnen, seien wichtige Elemente der Abende gewesenm schreibt eine Teilnehmerin. «Eine gute Mischung, die mich begeistert hat.» Eine andere sagt: «Nach den Abenden, geprägt durch intensive, ehrliche Gespräche, durfte ich jedes Mal reich beschenkt nach Hause gehen.»

Ein grosse Offenheit

Leute im Altersspektrum von 40 Jahren an aufwärts – mit einem deutlichen Schwerpunkt bei Personen im Rentenalter – hatte sich gemeinsam auf den Weg gemacht. «Am Anfang haben wir uns schon gefragt: Lassen sich die Seniorinnen und Senioren darauf ein?», erinnert sich Stef Gerber. «Gelingt es uns, sie auf den Weg mitzunehmen?» Doch es sei schon sehr bald eine grosse Offenheit zu spüren gewesen.

«Mich hat es sehr gefreut, diese Offenheit zu erleben, sich auf etwas einzulassen, was im ersten Moment unbequem ist, weil Gewissheiten hinterfragt, ja, teilweise sogar das Fundament von bestimmten Überzeugungen weggenommen wurden», sagt Stef Gerber. Zugleich hätten die Erfahrungen ihn in seiner Einschätzung bestärkt, dass der Glaube etwas ist, das sich entwickle. «Glaube ist ein Prozess, eine Reise.» Eine weite Theologie und frische Formen haben Potenzial, ist Stef Gerber überzeugt.

Eine grosse Herausforderung

Die Rückmeldungen spiegeln etwas davon, dass die Abende für die Teilnehmer:innen durchaus herausfordernd waren. «Es hat mir sehr geholfen, … dass ich nicht der einzige war, der das Buch beiseite legte, weil die Lektüren einem einen blanken Spiegel vorhielten, … weiter dabei zu sein», schreibt etwa ein Teilnehmer. Die Abende hätten ihr gezeigt, «wie man schwierige Themen auch anders und trotzdem biblisch ansehen darf», beschreibt eine andere Teilnehmerin dieses Ringen

Sehr wenige seien ganz ausgestiegen. Das, was an den Abenden diskutiert wurde, habe diese Personen wohl zu sehr irritiert, vermutet Stef Gerber. Er bedauert, dass die Personen nicht mitgehen konnten. Auch um der Gruppe willen. «Da hat auch ein wenig die Spannung gefehlt in den Gesprächen. Diese Abende haben sehr stark davon gelebt, dass wir uns nicht immer einig sind!»

Intensiv miteinander unterwegs

Wird durch die Gruppe auch eine Dynamik ausgelöst, dass in der methodistischen Kirche in der Region Seeland etwas Neues entsteht? – «Das Format darf nicht isoliert betrachtet werden», sagt Stef Gerber. «Wir haben gleichzeitig noch andere entsprechende Bemühungen in der Region.» Unter anderem gab es im März ein Kulturevent, das sehr ermutigend gelaufen sei. «Hier zeigte sich, wir haben das Potenzial, um auch in die Gesellschaft hinein zu wirken.»

«Zäme wyter dänke» sei jedoch sicher der Ort, an dem die Teilnehmer:innen am intensivsten zusammen unterwegs sind und eine neue Art des Miteinanders erkunden. Der zweite Durchgang ist daher schon geplant. «Wir haben noch nicht fertig gedacht», sagt Stef Gerber lachend.

Fortsetzung geplant

Am letzten Abend des ersten Durchgangs Ende März haben die Teilnehmer:innen zurückgeschaut, ausgewertet – und dann eben den zweiten Durchgang miteinander geplant: «Wir haben einige Bücher kurz vorgestellt und dann darüber abgestimmt, mit welchem wir in die nächste Runde gehen wollen.» Entschieden haben sich die Teilnehmer:innen für das nächste Buch mit provokantem Titel: «Gott hat keinen Plan für dein Leben» von Manuel Schmid. Laut Stimmungsbild seien alle Bisherigen wieder mit dabei bei einer zweiten Runde, in der sie «zäme wyter dänke» werden.

S.F.
Beitragsbild: Ende März 2024 schauen die Teilnehmer:innen miteinander zurück auf ihre Erfahrungen bei «zäme wyter dänke» und planen die nächste Durchführung. (Foto: Stef Gerber)

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