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Bild: Die methodistische Bischöf:innen des Biscvhofsrats

Bischöfe aus Europa und den Philippinen rufen zur Einheit auf

22. April 2024

Im Vorfeld der morgen beginnenden Tagung der Generalkonferenz der United Methodist Church (UMC) in Charlotte, North Carolina in den USA haben europäische und philippinische Bischöf:innen in zwei Schreiben die Delegierten dazu aufgerufen, die Einheit der Kirche zu wahren.

Im Hintergrund stehen Debatten um sexualethische Fragen, die bis Ende 2023 vor allem in den USA zu einer grösseren Zahl von Kirchenaustritten geführt hatten. «Fast fünf Jahrzehnte lang waren sich die Methodistinnen und Methodisten über das Verständnis der menschlichen Sexualität uneins, was vielen Menschen immensen Schmerz und Leid zugefügt hat» schreiben die europäischen Bischöf:innen 🔗in ihrer Stellungnahme. «Unsere Unfähigkeit, die durch unsere Uneinigkeit verursachte Blockade zu lösen, hat zu einer beträchtlichen Anzahl von Abspaltungen … geführt.»

Übersetzung
Die Stellungnahme der europäischen Bischöf:innen ist in englischer Sprache abgefasst. Eine unautorisierte Rohübersetzung des grössten Teils der Stellungnahme findet sich 🔗im Blog von Pfarrer Jörg Niederer, der als Delegierter der methodistischen Kirche in der Schweiz, Frankreich udn Nordafrika an die Tagung reisen wird.

Weiter über Trennung reden?

Die 🔗Generalkonferenz musste seit einer ausserordentlichen Tagung im Jahr 2019 pandemiebedingt mehrfach verschoben werden. Dies führte dazu, dass ursprünglich für einen geordneten Trennungsprozess ausgearbeitete rechtliche Regelungen nicht diskutiert und beschlossen oder verworfen werden konnten. Vor allem Vertreter:innen konservativer Gruppierungen innerhalb der UMC setzen sich sehr stark dafür ein, dass diese Regelungen weiterhin in Kraft bleiben und in ihrem Geltungsbereich ausgeweitet werden.

Schluss mit der Desinformation!

Die entsprechenden Gruppierungen sind seit langem nicht zuletzt in den Kirchengebieten in Afrika und auf den Philippinen auch in den methodistischen Kirchgemeinden aktiv und initiieren und fördern Bestrebungen zur Abspaltung. Mit deutlichen Worten grenzen sich die philippinischen Bischöf:innen 🔗in ihrem Schreiben von diesen Bestrebungen ab: «Wir ermahnen nachdrücklich alle Bemühungen, die durch Desinformation und selbstgerechte Urteile Spaltungen in der United Methodist Church säen, zu stoppen, insbesondere die Bemühungen der Wesleyan Covenant Association und der Global Methodist Church, ihrer Mitglieder und Unterstützerinnen und Unterstützer auf den Philippinen.»

Einheit und Regionalisierung

Demgegenüber betonen die philippinischen Bischöf:innen der UMC: «Wir glauben, dass die Einheit der Kirche in Jesus Christus und in dem seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern anvertrauten Auftrag besteht, Gottes bedingungslose Liebe zu allen Menschen zu verkünden. Die Einheit des Leibes Christi, der Kirche, ist ein kraftvolles Zeugnis inmitten von Hass, Zerrissenheit und Ungerechtigkeit in der Welt.»

Zugleich fordern sie die Delegierten der Generalkonferenz auf, «alle Petitionen abzulehnen, die darauf abzielen, die Regelungen zu Kirchentrennung … zu verlängern, da dies unangemessen ist und noch mehr Verwirrung und Instabilität … stiften wird». Dagegen unterstützen sie die vorglegten Vorlage mit dem Ziel 🔗einer Regionalisierung der kirchlichen Arbeit. «Die Regionalisierung ist so viel mehr als die von uns erhoffte affiliierte Autonomie, wenn man bedenkt, dass sie eine Zusammengehörigkeit schafft, die uns in der Mission vereint.»

Sich auf das Wesentliche konzentrieren

Auch die Bischöf:innen der UMC in Europa betonen den gemeinsamen Auftrag sowie den Wert der Einheit und unterstreichen ihre Hoffnung auf Regionalisierung der kirchlichen Arbeit. «Wir fühlen uns der Einheit der United Methodist Church verpflichtet und sehnen uns nach einer Kirche, die sich auf neue Formen des Verbundenseins zubewegt, nach einer Generalkonferenz, die sich auf das Wesentliche in der Welt konzentriert, und nach einer Befähigung der Regionen zu kontextuell relevanten Formen, um unseren gemeinsamen Missionsauftrag zu leben.»

Unterzeichnet ist das Schreiben der europäischen Bischöf:innen von den drei amtierenden Bischöfen Christian Alsted, Harald Rückert und Stefan Zürcher, sowie der Bischöfin und den Bischöfen im Ruhestand Heinrich Bolleter, Walter Klaiber, Øystein Olsen, Patrick Streiff, Hans Växby und Rosemarie Wenner. Die amtierenden Bischöf:innen der UMC auf den Philippinen, Bischof Rodel M. Acdal, Bischöfin Ruby-Nell M. Estrella und Bischof Israel M. Painit, haben die zweite Stellungnahme verfasst. Bereits 🔗Anfang September 2023 hatte sich eine Mehrheit der Bischöf:innen der UMC in Afrika ähnlich geäussert.

An der Generalkonferenz selbst sind die Bischöf:innen nicht stimmberechtigt. Einzelne Bischöf:innen leiten lediglich die Verhandlungen.

S.F.
Beitragsbild: Bischofsrat der UMC. (Foto: Website des Bischofsrats)

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Die Generalkonferenz
Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (🔗United Methodist Church). Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten.
Die nächste Tagung ist 🔗vom 23. April bis zum 3. Mai 2024 in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina geplant.

 

Zentralkonferenz
In Afrika, Europa und auf den Philippinen bilden die Jährlichen Konferenzen (Kirchenparlamente) einer grösseren Region sogenannte Zentralkonferenzen. Die an eine Zentralkonferenz entsandten Delegierten sind zu gleichen Teilen Laien und pastorale Mitglieder. Die Zentralkonferenz bildet eine administrative Einheit, die die gemeinsame Arbeit und Mission koordiniert und auch ihren Bischof oder ihre Bischöfin wählt. Die Jährliche Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika ist Teil der 🔗Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa (ZK MSE). Seit 2022 leitet Bischof Stefan Zürcher (Zürich) die ZK MSE.