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Bischof Bickerton predigt, hier mit bis auf Kopfhöhe erhobenen und nach vorne gestreckten Armen. Der Mann mit rechts gescheiteltem weißen Haar ist in ein weißes Gewand gekleidet, auf dem eine mehrfarbige Stola liegt. Auf der Brust trägt er ein Kreuz.

Im Geist der Hoffnung vorwärts gehen

24. April 2024

Gestern wurde in Charlotte in den USA die Generalkonferenz, das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (United Methodist Church) eröffnet. Bischof Thomas Bickerton forderte mit seiner Predigt die Delegierten massiv heraus.

Die Generalkonferenz der weltweiten United Methodist Church (UMC) ist eröffnet. Ein farbenfroher Gottesdienst mit interkulturellen Akzenten, einer fulminanten Predigt und abschliessender Abendmahlsfeier bildete den Auftakt für die Tagung. Bis zum 3. Mai versammeln sich Delegierte aus allen Teilen der Welt in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina, um den Weg der methodistischen Kirche weiter zu gestalten.

Der Feuerschutz verschiebt den Höhepunkt

Höhepunkt am ersten Konferenztag war der Eröffnungsgottesdienst, der mit deutlicher Verzögerung begann. Manche unkten schon, dass nach der jetzt um vier Jahre verschobenen Generalkonferenz auch der Gottesdienst verschoben werden müsse. Der später nachgereichte Grund sorgte für Lacher: Die Inspektion durch den Feuerschutz hatte kurz vor Gottesdienstbeginn zu wenige Feuerlöscher und Rauchmelder sowie eine unzureichende Notausgangsbeschilderung moniert. Für allgemeine Erheiterung sorgte die Ergänzung des vorsitzenden Bischofs: «Die Übersetzerinnen und Übersetzer haben jetzt die sichersten Plätze: In jeder Kabine ist nämlich ein Rauchmelder installiert.»

«Wenn ihr nicht hier seid, um die UMC voranzubringen, seid ihr hier vielleicht falsch.»

Nach diesem verzögerten Beginn erklang im Anfangsteil des Gottesdienstes das mächtige «Nummer-Eins-Lied» des weltweiten Methodismus: «Mein Mund besinge tausendfach den Ruhm des Herrn der Welt.» Dieses Lied, ein bunter Musikreigen, das Gebet eines Pastors, der einem Stamm der amerikanischen Ureinwohner angehört, sowie eine Abendmahlsfeier mit Tauferinnerung bildeten den Rahmen für einen bewegenden Gottesdienst zum Konferenzauftakt.

Eine Predigt zum Luftanhalten und Aufstehen

Darin eingebettet war die fulminante und wegweisende Predigt des aktuellen Präsidenten des Bischofsrats. Thomas Bickerton forderte die Delegierten massiv heraus. Er rief ihnen zu: «Wenn ihr nicht hier seid, um die UMC voranzubringen, seid ihr hier vielleicht falsch.» Manche Passagen waren zum Luftanhalten, weil sie schmerzhaft konkret waren. Andere Passagen führten zu unterstützendem Klatschen. Delegierte erhoben sich zeitweise von ihren Plätzen zur Bestätigung des Gesagten.

«Sagt uns nicht, wir glauben nicht an die Bibel, nicht an die Auferstehung, nicht an die Kraft des Heiligen Geistes!»

Bickerton stellte sich in seiner Predigt der Situation, in der sich die UMC weltweit momentan befindet. In den Vereinigten Staaten hat die Kirche rund 25 Prozent ihrer Gemeinden und Kirchenglieder verloren. Er selbst berichtete von seinem Besuch der Jährlichen Konferenz (Kirchenparlament) Texas, bei der die Hälfte der Gemeinden ihre Trennung von der UMC erklärten. Die tiefe Betroffenheit darüber war Bickerton abzuspüren. Im selben Atemzug wandte er sich eindringlich an die Delegierten. Nach dem Weggang eines beträchtlichen Teils von Gemeinden und Menschen gehe es jetzt darum, die Kirche für die Zukunft zu stärken. Deshalb stellte er den Delegierten die gewagte Frage: «Wollt ihr wirklich in diesem Raum sein?» Wer nicht hier sei, um die Kirche voranzubringen, sei vielleicht am falschen Ort.

Ein Grusswort des auch für die Schweiz zuständigen methodistsichen Bischofs Stefan Zürcher aus Charlotte.

Einfühlsam, unnachgiebig, zuversichtlich

Sehr direkt wies Bickerton den Vorwurf biblischer Untreue in die Schranken: «Sagt uns nicht, wir glauben nicht an die Bibel, nicht an die Auferstehung, nicht an die Kraft des Heiligen Geistes!» Dabei hatte er unmissverständlich diejenigen im Blick, die die Kirche verlassen werden, bei der Generalkonferenz aber noch einmal anwesend sind, um genau solche Vorwürfe aufzufrischen. Jetzt, so der mutig vorangehende Vorsitzende des Bischofsrats, gehe es darum, «im Geist der Hoffnung vorwärts zu gehen».

Gerade jetzt brauche die Kirche Menschen, die den Auftrag der Erneuerung annehmen und sich «für die Wiederbelebung der methodistischen Kirche engagieren und eine Kultur leben, die von Mitgefühl, Mut und Kameradschaft geprägt ist». Die UMC sei inzwischen eine andere als noch vor vier Jahren. «Der Staub hat sich ein wenig gelegt», sagte Bickerton, «und wir können sehen, dass es eine Zukunft mit Hoffnung und Möglichkeiten gibt.»

«Wir können sehen, dass es eine Zukunft mit Hoffnung und Möglichkeiten gibt.»

Mit grosser Einfühlsamkeit, unnachgiebiger Strenge und zuversichtlichem Glauben ermutigte der Bischof die Delegierten dazu, die jetzt anstehenden Schritte zu gehen und Entscheidungen für die Zukunft der Kirche zu treffen. Eine kraftvolle, wegweisende Predigt zum Auftakt der Generalkonferenz. Die Frage ist: Werden die Delegierten ihrem Hirten folgen? Die kommenden zehn Tage werden es zeigen.

Klaus Ulrich Ruof, emk.de
Beitragsbild: Eine Predigt zum Luftanhalten und Aufstehen. Bischof Thomas Bickerton, der Vorsitzende des Bischofsrats, sprach die Delegierten direkt, konkret und ermutigend an. (Foto, Klaus Ulrich Ruof, emk.de)

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Die Generalkonferenz
Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (🔗United Methodist Church). Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten.
🔗Vom 23. April bis zum 3. Mai 2024 tagt die Generalkonferenz in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina.

 

Zentralkonferenz
In Afrika, Europa und auf den Philippinen bilden die Jährlichen Konferenzen (Kirchenparlamente) einer grösseren Region sogenannte Zentralkonferenzen. Die an eine Zentralkonferenz entsandten Delegierten sind zu gleichen Teilen Laien und pastorale Mitglieder. Die Zentralkonferenz bildet eine administrative Einheit, die die gemeinsame Arbeit und Mission koordiniert und auch ihren Bischof oder ihre Bischöfin wählt. Die Jährliche Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika ist Teil der 🔗Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa (ZK MSE). Seit 2022 leitet Bischof Stefan Zürcher (Zürich) die ZK MSE.