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Bild: Bischof Nhiwatiwa beim Predigen abseits des Rednerpults: intensiver Blick auf die Delegierten, leicht in die Knie gegangen mit etwas nach vorne gestreckten Armen. Im Hintergrund sind zwei Bischöfe zu sehen, die zuhören.

Kirche als wettbewerbsfreie Zone

28. April 2024

«Hört auf zu streiten und fangt an, den Herrn zu preisen!» Bischof Nhiwatiwa fordert die Delegierten der Generalkonferenz in seiner Predigt zur Einheit auf.

Gottesdienste sind bei der 🔗Generalkonferenz, dem oberste Leitungsgremium der weltweiten United Methodist Church (UMC), ein wichtiger Teil des Auftakts ins Sitzungsgeschehen des jeweiligen Tages. Sie setzen häufig den Ton und geben Orientierung. So auch die Predigt von Bischof Eben K. Nhiwatiwa am 27. April. Bischof Nhiwatiwa führt im südlichen Afrika die Aufsicht über die zwei Konferenzgebiete Ost- und West-Zimbabwe.

Energiegeladene Werbung für die Einheit der Kirche

In der Kirche sei jetzt lange genug gestritten worden, begann der Bischof seine Predigt. Stattdessen sei es an der Zeit, sich zu einigen und sich zu freuen, denn es gebe in der weltweiten UMC und auch in den afrikanischen Regionen der Kirche genug Anlass zu Freude und Dankbarkeit.

Angestossen waren diese Aussagen von dem der Predigt zugrundeliegenden Bibelabschnitt aus dem Philipperbrief (Kapitel 4, Verse 4-8). Darin ist von Freude und Dankbarkeit die Rede, und es wird zu einer heiligen, aufrichtigen und von Gott geprägten Gemeinschaft aufgefordert.

Kirche aufbauen – nicht zerstören

Daraus schlussfolgerte der in Simbabwe wirkende Bischof: «Im Reich Gottes gibt es keinen Wettbewerb!» Weiter konkretisierend mahnte er: «Wenn du die Kirche (so) nicht kennst, dann geh auf die Knie und bete, um herauszufinden, worum es in der Kirche geht. Wo immer du bist, mein Freund, bringe mehr Menschen zu Christus. Es geht nicht darum, eine kirchliche Denomination zu zerstören, um eine andere aufzubauen.»

Unzweideutig hob der Bischof damit ab auf die weltweiten Auseinandersetzungen innerhalb der UMC in den vergangenen Jahren und die zwischenzeitlich vollzogene Abspaltung der Global Methodist Church. Das liess er auch mit der weiteren Anmerkung anklingen, dass Afrika wissen müsse, wie das Evangelium auf den Kontinent gelangte, bevor dorthin jetzt wieder Leute kommen würden, «um der United Methodist Church Menschen abspenstig zu machen».

Predigt anschauen
Ein Mitschnitt der englischsprachigen Predigt von Bischof Nhiwatiwa ist 🔗auf YouTube verfügbar.

Nhiwatiwa hielt es nur kurz am Predigtpult. Dann bewegte er sich energiegeladen über die Bühne und warb für die Einheit der vom zerstörerischen Wettbewerb befreiten Kirche. Für mitteleuropäische Verhältnisse eher ungewöhnlich wurde er dabei mit bestätigendem Szenenapplaus und stehenden Ovationen bedacht.

Eine Liebeserklärung an die Kirche

In der jüngsten Vergangenheit habe die UMC schwierige Zeiten gehabt, «in denen die Dinge etwas ungewöhnlich waren», sagte Nhiwatiwa etwas verschmitzt, um dann gleich ernsthaft fortzufahren: «Hört auf zu streiten und fangt an, den Herrn zu preisen.» Es sei doch klar, dass mit heftigsten Auseinandersetzungen nichts zu gewinnen sei. Eher solle man darüber staunen und sich fragen, warum frühere Auseinandersetzungen nicht schon damals zur Zerstörung der Denomination geführt hätten.

Die Antwort auf diese Frage gab Nhiwatiwa, der auch der Präsident des afrikanischen Kollegiums methodistischer Bischöf:innen ist, in einer Liebeserklärung an «seine» UMC: «Ich liebe diese Kirche, nicht weil ich Bischof bin, sondern weil ich sie liebe, seit ich 1964 Jesus Christus angenommen habe. Das sind jetzt sechzig Jahre!»

Klare Positionen

Diese Liebe treibe ihn auch als Präsident des afrikanischen Kollegiums der Bischöf:innen an. Gemeinsam hätten sie als Bischöf:innen deshalb eine Erklärung veröffentlicht: «Wir (die afrikanischen Bischöf:innen) übernehmen Führung und Verantwortung, weil wir wissen, wie das Evangelium auf unseren Kontinent kam.» Weiter beschreibt er: «Wir werden jeden Versuch abwehren, die UMC zu spalten.» Deshalb hätten sie sich auch von Organisationen distanziert, die diese Überzeugung nicht teilten. «Wir führen nicht so, als wären wir Feiglinge», fuhr er fort. «Wir sagen Dinge offen – diejenigen, die uns lieben, lieben uns; diejenigen, die uns hassen, hassen uns, genau deshalb, weil wir diese Kirche lieben.»

Seine Liebeserklärung zur Kirche untermauerte er mit einigen Bildern, in denen die Auswirkungen kirchlicher Arbeit sichtbar wurden. Gleichzeitig betonte er dabei, dass diese Aktivitäten nur durch die weltweite Partnerschaft innerhalb der Kirche möglich wurden. So werde erkennbar, was eine achtungsvolle Gemeinschaft und die gemeinsame Liebe zur Kirche bewirken könne. Das dürfe nicht durch andauerndes Streiten aufs Spiel gesetzt werden. «Möge Gott diese Kirche weiterhin segnen!», rief der Bischof. «Möge die UMC für immer und ewig bestehen, Amen!»

Erneut erlebten die Delegierten der Generalkonferenz eine Predigt, in der ein Bischof seinen Auftrag der «Leitung durch Schriftauslegung» mutig, mahnend und werbend ernstnahm. Schmerzlich konkret und gleichzeitig liebevoll und nahbar lud Nhiwatiwa dazu ein, die Einheit der Kirche über die Auseinandersetzungen zu stellen und dabei die im Philipperbrief beschriebene Freude zu erfahren und zu teilen.

Klaus Ulrich Ruof, EmK Deutschland
Beitragsbild: Ein energiegeladener Prediger wirbt für die Einheit der vom zerstörerischen Wettbewerb befreiten Kirche: Bischof Eben K. Nhiwatiwa aus Simbabwe. (Foto: Klaus Ulrich Ruof, EmK Deutschland)

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Die Generalkonferenz
Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (🔗United Methodist Church). Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten.
🔗Vom 23. April bis zum 3. Mai 2024 tagt die Generalkonferenz in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina.