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Bild; Zu sehen ist ine grosse Zahl von Menschen . Einige schauen nach rechts oben. Eine junge Frau im Vordergrund lächelt.

Methodistenkirche weitet ihr Eintreten für Menschenrechte aus

28. April 2024

Die Delegierten der Generalkonferenz haben einen ersten Teil der überarbeiteten Sozialen Grundsätze angenommen, die unter anderem die Grundrechte aller Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität bekräftigen. Abstimmungen über weitere Teile werden folgen.

Mit deutlicher Mehrheit haben die Delegierten an der 🔗Generalkonferenz, dem obersten Leitungsgremium der United Methodist Church (UMC) am 27. April einen ersten Teil der grundlegend überarbeiteten 🔗«Sozialen Grundsätze» angenommen.

Die Sozialen Grundsätze
Die United Methodist Church und ihre Vorgängerorganisationen nehmen seit langem öffentlich Stellung zu Fragen der Welt, die auf das soziale Glaubensbekenntnis von 1908 zurückgehen, in dem «gleiche Rechte und vollständige Gerechtigkeit für alle Menschen in allen Lebensbereichen» gefordert werden.
Bei den Sozialen Grundsätzen handelt es sich nicht um Kirchenrecht. Stattdessen sollen sie «die betenden und ernsthaften Bemühungen der Generalkonferenz darstellen, auf der Grundlage einer soliden biblischen und theologischen Grundlage zu Fragen der heutigen Welt Stellung zu nehmen».
Die der Generalkonferenz vorgelegte revidierte Fassung der Sozialen Grundsätze, deren erster Teil nun angenomen wurde, finden Sie 🔗hier.
Die bisher gültige Fassung der Sozialen Grundsätze finden Sie 🔗hier.

Mit sehr deutlicher Mehrheit angenommen

Die Generalkonferenz verabschiedete diese Teile der Sozialen Grundsätze, die sich mit den Themen «Kirche und Regierungen» und «Grundrechte und -freiheiten» befassen, zusammen mit neun anderen Abstimmungsvorlagen im Rahmen des 🔗«Zustimmungskalenders». Mit 671 zu 57 Stimmen wurde dieser angenommen, was einer Zustimmung von 92% entspricht.

Weitere überarbeitete Soziale Grundsätze – darunter solche, die sich mit den Lehren der UMC über die Bewahrung der Schöpfung, die menschliche Sexualität und die Ehe befassen – werden den Delegierten der Generalkonferenz im weiteren Tagungsverlauf zur Abstimmung vorgelegt.

Von Erpressung bis Migration

Die überarbeiteten Sozialen Grundsätze, die am 27. April verabschiedet wurden, bekräftigen nicht nur die grundlegenden Menschenrechte aller Menschen, Sie …

• … lehnen den Einsatz von Drohungen, Erpressung, rechtswidrigen Verhaftungen, aussergerichtlichen Hinrichtungen und anderen Formen der Nötigung durch die Regierung ab, um politische Gegner zum Schweigen zu bringen.
• … sprechen sich gegen Sklaverei, Folter, Völkermord und Kriegsverbrechen aus.
• … bekräftigen die langjährige Ablehnung der Todesstrafe, die von der United Methodist Church und ihren Vorläuferkirchen verkündet wurde.
• … setzen sich für gerechte und verhältnismässige Gerichtsurteile und für eine humane Behandlung der Inhaftierten ein und bestehen auf Rechenschaftspflicht.
• … unterstützen zivilen Ungehorsam als Protest gegen «ungerechte oder unmoralische Gesetze».
• … missbilligen Krieg und alle anderen Formen gewaltsamer Konflikte und unterstützen Menschen, die dem gewaltlosen Beispiel Jesu folgen.
• … unterstützen auch Menschen, die sich aus persönlicher Überzeugung für den Militärdienst entscheiden, und drängen darauf, «dass sie ihre Pflichten in Übereinstimmung mit den Lehren des christlichen Glaubens und den Gesetzen der Genfer Konventionen erfüllen.»
• … bestätigen die Gesundheitsfürsorge als ein grundlegendes Menschenrecht.
• … fordern Kirche und Gesellschaft auf, das Wohlergehen aller Kinder und Jugendlichen zu unterstützen und sich für sie einzusetzen.
• … unterstützen die Rechte der Eingeborenen, der Ureinwohner:innen und ihrer Gemeinschaften.
• … bekräftigen die Würde, den Wert und die Rechte von Migrant:innen und Flüchtlingen, einschliesslich vertriebener und staatenloser Personen.

«Wir wenden uns gegen alle Gesetze und politischen Massnahmen, die versuchen, vertriebene Personen und Familien aufgrund ihres Status als Migrant:innen, Einwanderer oder Flüchtlinge zu kriminalisieren, zu entmenschlichen oder zu bestrafen», heisst es in den überarbeiteten Sozialen Grundsätzen.

Ein verdeutlichender Zusatz

Die UMC bekennt sich nun ausserdem «zu den gleichen Rechten, Freiheiten und zum Schutz aller Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität». Es ist das erste Mal, dass die UMC die Wahrung Menschenrechte unabhängig von der Geschlechtsidentität einer Person fordert.

«In der United Methodist Church und in unseren Sozialen Grundsätzen gibt es seit vielen Jahren die Aussage und den Konsens, dass alle Menschen einen heiligen Wert haben und dass ihre Bürger- und grundlegenden Menschenrechte geachtet und geschützt werden sollten. Dies verdeutlicht nur und fügt die Geschlechtsidentität hinzu», sagte Randall Miller. Er war Vorsitzender der Task Force für die Sozialen Grundsätze, die für die Ausarbeitung der Revisionen verantwortlich war, und gehörte dem Team an, das die Sozialen Grundsätze verfasste.

«Überall auf der Welt erleben wir, dass Menschen, die transgender oder nicht-binär sind oder eine andere Geschlechtsidentität haben, verfolgt und diskriminiert werden, sowohl rechtlich als auch in der Praxis», fügte Miller hinzu. «Dies ist eine wirklich wichtige Aussage über den heiligen Wert aller Menschen und die Anerkennung grundlegender Bürger- und Menschenrechte für alle Menschen, einschliesslich derer mit verschiedenen Geschlechtsidentitäten.»

Langer Vorlauf

Der Vorschlag für eine vollständig überarbeitete Fassung der Sozialen Grundsätze ist das Ergebnis eines mehrjährigen und internationalen Prozesses. Die Generalkonferenz 2012 gab den Auftrag, die Sozialen Grundsätze «global relevanter, theologisch fundierter und prägnanter» zu gestalten.

Der Ausschuss für Kirche und Gesellschaft führte diese Bemühungen mit einem Team von von 52 Methodist:innen aus Afrika, Europa, den Philippinen und den USA durch, das die vorgeschlagenen überarbeiteten Sozialen Grundsätze entwarf. Dieser Entwurf wurde dann von mehr als 4000 Methodist:innen aus aller Welt kommentiert, bevor er nun der Generalkonferenz vorgelegt wurde.

S.F. / Heather Hahn, UM News
Beitragsbild: Besucher:innen der Generalkonferenz in Charlotte, USA, verfolgen die Beratungen über Videomonitore. (Foto: Mike DuBose, UM News)

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Die Generalkonferenz
Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (🔗United Methodist Church). Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten.
🔗Vom 23. April bis zum 3. Mai 2024 tagt die Generalkonferenz in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina.

 

Der «Zustimmungskalender»
… gibt den Delegierten der Generalkonferenz die Möglichkeit, mehrere Petitionen auf einmal zu verabschieden. Um in den Zustimmungskalender aufgenommen zu werden, müssen die Petitionen eine überwältigende Unterstützung in Ausschuss erhalten, der sie der Tagung zur Abstimmung vorlegt. Ausserdem dürfen sie keine finanziellen oder verfassungsrechtlichen Auswirkungen haben.